Mehr Schweizer Touristen benötigten 2025 Hilfe vom AussendepartementWer ins Ausland reise, müsse sich im Notfall zuerst selbst helfen, erklärt das EDA pünktlich zur Ferienzeit. Zudem präsentiert das Departement konkrete Fallbeispiele von Schweizern in Notsituationen.23.06.2026, 16.51 Uhr3 LeseminutenEvakuationen organisiert das Aussendepartement in der Regel nicht. Dafür seien die lokalen Behörden zuständig, heisst es vom EDA.Milos Bicanski / GettyWegen Drogenkonsums in Thailand verhaftet, auf Rhodos vor Waldbränden evakuiert, im Nahen Osten wegen des Krieges blockiert: Das Aussendepartement EDA hat am Dienstag reale Fälle präsentiert, die Schweizer Reisenden zugestossen sind. Sie illustrierten «typische Situationen» im Ausland – und zeigten die «Möglichkeiten und Grenzen der konsularischen Unterstützung» auf, schreibt das EDA in einer Mitteilung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Man lasse Bürger in Notsituationen nicht im Stich, verkündete Marianne Jenni, Direktorin der Konsularischen Direktion, vor den Medien als erste wichtige Botschaft. Doch sie schob sogleich ein Aber nach: Die Unterstützung sei subsidiär. Es gelte das «Prinzip der Eigenverantwortung». Wer ins Ausland reise, müsse sich vorbereiten und sich etwa über die Sicherheitslage und die lokalen Gesetze vor Ort informieren, gültige Reisedokumente vorweisen können und über einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügen.Denn das Aussendepartement unterstützt Schweizer in einer Notlage erst dann, wenn sie sich nicht mehr selbst oder mit Hilfe Dritter weiterhelfen können. So sieht es das Auslandschweizergesetz vor, das 2014 eingeführt wurde.Im vergangenen Jahr leistete das EDA in 1238 Fällen konsularische Hilfe. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Meist ging es um Schweizer, die im Ausland erkrankten, starben oder hinter Gittern landeten. Jenni erklärt den Anstieg mit dem geopolitischen Umfeld, das «komplexer» geworden sei: Krisen und Spannungen häuften sich, ebenso Naturkatastrophen. Doch es habe auch mit einem veränderten Reiseverhalten zu tun: Der Drang zu Abenteuerreisen in riskante Länder nehme zu. Zudem verreisten vermehrt Menschen mit psychischen Problemen.Zur Veranschaulichung der Zahlen beschreibt das EDA den Fall der fiktiven Sabine K.: ein Zug an einem Joint am thailändischen Strand, und die Schweizerin wird inhaftiert. Die Drogengesetze des Landes sind äusserst streng, doch das war Sabine nicht bewusst. Sie kennt ihre Rechte nicht und versteht auch die thailändischen Polizisten nicht. Sobald die Schweizer Vertretung vor Ort von der Verhaftung erfährt, schaltet sie sich ein. Sie fordert menschenwürdige Haftbedingungen, ein faires Verfahren und einen lokalen Anwalt für die Schweizerin. Auch die Familie in der Heimat wird benachrichtigt.Wunder bewirken kann das Aussendepartement aber nicht: Es kann weder eine Haftentlassung erwirken noch in die lokale Justiz eingreifen. Und der Service ist nicht gratis: Weil Sabine K. sich vorab ungenügend informiert hat, stellt Bern ihr die konsularischen Dienstleistungen am Ende in Rechnung. 150 Franken ist der Stundenansatz der diplomatischen Hilfe. Die Helpline des EDA ist dagegen gratis. Sie wurde im letzten Jahr rund 47 600 Mal telefonisch oder via E-Mail kontaktiert.Das zweite Szenario führt nach Griechenland: Ein grossflächiger Waldbrand wütet, die lokalen Behörden evakuieren eine Schweizer Touristin. In der Hektik bleibt ihr Reisepass im Hotelsafe zurück. Weil sie die Travel Admin App des Bundes nutzt und ihre Reise vorab registriert hat, erhält sie eine SMS. Die Nachricht vermeldet: Die Schweizer Vertretung hat am Flughafen einen Notschalter eingerichtet. Dort meldet sie den Verlust, erhält ein provisorisches Dokument für die Heimreise und Informationen zu den verfügbaren Rückflugmöglichkeiten.Evakuationen organisiert die Zentrale in Bern in der Regel nicht. Sie berät und koordiniert lediglich. Wer evakuiert werde, solle den Anweisungen der lokalen Behörden folgen. Unentbehrlich sei zudem eine «gute Reiseversicherung», die für Zusatzkosten aufkomme, schreibt das EDA. Denn eine staatliche Garantie für Transport oder Unterkunft gebe es keine.Ein weiterer Fall des EDA führt mitten in eine reale Krise im Nahen Osten: Ende Februar sassen Tausende Schweizer in der Golfregion fest, als die USA und Israel Iran angriffen. Während Deutschland binnen Tagen Rückflüge mit privaten Airlines organisierte und Grossbritannien eine Eingreiftruppe entsandte, vertröstete das EDA seine Bürger in den ersten Tagen: «Wir müssen Sie bitten, sich in Geduld zu üben.» Das löste teilweise heftige Reaktionen aus. Später folgten aber Sonderflüge mit der Swiss und Edelweiss.Geordnet und ruhig verläuft der Fall von Florence L., den das Aussendepartement am Dienstag zum Nahen Osten präsentiert: Die Schweizerin erhält eine Nachricht über die Travel Admin App des Bundes. Das EDA informiert sie laufend, kurz darauf landet sie sicher mit einem Sonderflug in Zürich.Zurück in der Schweiz beendet Florence die Reise per Klick in der App. Das helfe den Behörden in Bern, so das EDA: So sehe man sofort, wer jetzt noch im Krisengebiet ausharre und vielleicht Hilfe benötige.Passend zum Artikel
EDA-Statistik: Warum mehr Schweizer Touristen 2025 Hilfe brauchten
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