Härtere Asylpolitik in Europa: Die Schweiz könnte sich an EU-Abschiebezentren in Ländern wie Rwanda beteiligenReturn-Hubs für abgewiesene Asylsuchende, wie sie die EU soeben beschlossen hat, könnten für die Schweiz eine Chance sein. Der Bundesrat will neuen Spielraum nutzen.04.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenItalienisches Asylzentrum in Albanien: Für den Bau und den Betrieb sind bis zu 800 Millionen Euro veranschlagt.APDie EU hat die nächste Verschärfung ihrer Asylpolitik beschlossen: Personen mit negativem Asylentscheid sollen in Zukunft in Abschiebezentren in Drittstaaten wie Rwanda oder Usbekistan gebracht werden können. Mit Italien, Deutschland und Österreich sind es unter anderem drei Nachbarländer, die dieses Modell innerhalb der EU besonders forcieren. Das wird den Druck für eine härtere Asylpolitik auch in der Schweiz erhöhen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.So hat die FDP bereits im März, nachdem das EU-Parlament Return-Hubs erstmals zugestimmt hatte, im Nationalrat eine Motion eingereicht, in der sie unter anderem die gesetzliche Grundlage für solche Zentren nach europäischem Vorbild verlangt. Schon vor einem Jahr hatte die SVP die Möglichkeit von Abschiebungen in sichere Drittstaaten gefordert. Der Bundesrat hat beide Vorstösse abgelehnt. Seit langem bezweifelt er, dass die Unterbringung von Asylsuchenden in sicheren Drittstaaten machbar ist und effizient wäre. Dabei beruft er sich unter anderem auf eine im April veröffentlichte Studie.«Kein Königsweg»Tatsächlich kamen darin vier Fachleute, unter ihnen zwei ehemalige Chefs des Staatssekretariats für Migration (SEM), zu dem Schluss, dass Drittstaaten-Modelle wegen praktischer, politischer und rechtlicher Hürden kaum machbar seien. Schon gar nicht seien sie eine generelle Lösung für das Migrationsproblem. Im Vordergrund stand allerdings eher die Auslagerung von ganzen Asylverfahren ins Ausland, wie dies beispielsweise Grossbritannien mit Rwanda erfolglos versucht hatte. Die EU verfolgt jetzt aber eine andere Strategie: In sichere Drittstaaten sollen nur Personen gebracht werden, deren Asylgesuch bereits rechtsgültig abgelehnt worden ist. Solche Return-Hubs sind eine Unterform der Drittstaaten-Modelle und gelten unter Fachleuten als am realistischsten.Auch die vier Schweizer Experten sehen darin in ihrem Bericht am ehesten ein gewisses Potenzial. Die rechtlichen Hürden seien hier niedriger, da ein Schutzbedarf im Asylverfahren bereits abgeklärt worden sei, schreiben sie. Euphorisch sind die Experten zwar nicht: Die Errichtung von Return-Hubs sei «kein Königsweg zur Bekämpfung der irregulären Migration». Sie könnten aber ein zusätzliches Tool beim Wegweisungsvollzug in schwierigen Konstellationen sein. Die Schweiz solle sich in diesem Fall aber mit anderen Ländern zusammentun und Pilotprojekte durchführen.Extrem hohe Kosten zu erwartenDas Thema wird auch deshalb wieder auf der Traktandenliste landen, weil die nun beschlossene EU-Rückkehrverordnung Teil des Schengen-Besitzstandes ist und von der Schweiz übernommen werden muss. Dies schrieb der Bundesrat im April in einem weiteren Bericht. Ausdrücklich befürwortete die Landesregierung, eine gemeinsame Grundlage für Return-Hubs zu schaffen. Die neue Rückkehrverordnung dürfte «neuen Spielraum geben, den die Schweiz – wo zweckmässig – konsequent nutzen sollte». Als mögliche Zielgruppe nennt der Expertenbericht abgewiesene Asylsuchende aus Staaten, bei welchen eine Rückführung in den Heimatstaat zwar grundsätzlich möglich ist, aber der Vollzugsprozess besonders lange dauert.Eine andere Frage ist, inwiefern sich ein solcher Kraftakt für die Schweiz lohnt: Die italienische Regierung hat die Kosten für den Bau und den fünfjährigen Betrieb zweier ähnlicher Zentren in Albanien mit rund 3000 Plätzen auf bis zu 800 Millionen Euro veranschlagt. Das zeigt, dass Return-Hubs extrem teuer wären. Eine Beteiligung der Schweiz wäre interessant, falls dadurch die Rückkehrquote spürbar erhöht werden könnte. Die Schweiz setzt hier bis anhin vor allem auf Rückübernahme- und Migrationsabkommen mit Herkunftsländern, von denen sie mehrere Dutzend abgeschlossen hat. Sie steht damit nicht schlecht da: Die Rückkehrquote ist mit 50 bis 60 Prozent rund doppelt so hoch wie in der EU.Passend zum Artikel