Die Argumente von RWE-Chef Markus Krebber, mit denen er die Rückkehr seines Konzerns ins Geschäft mit den Stromnetzen rechtfertigt, sind auf den ersten Blick logisch und nachvollziehbar. Die 55-Prozent-Mehrheit, die der Essener Stromriese künftig am Übertragungsnetzbetreiber Amprion halten wird, sichert Krebber einen vielversprechenden Vermögenswert. Schließlich gibt es in dem regulierten Geschäft mit den Stromautobahnen eine hohe Planungssicherheit, ein geringes Risiko und verlässliche Erträge.Außerdem bot sich ihm eine einzigartige Gelegenheit: RWE, das über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Private-Equity-Haus Apollo schon Amprion-Anteile hält, war in privilegierter Position für einen Kauf. Analysten schätzten den Preis von 3,6 Milliarden Euro als relativ günstig ein. Im „jetzigen Kapitalmarktumfeld“ sei es „hochattraktiv“ gewesen, den Deal zu machen, versichert Krebber.Auch für die Energiewende ist die Transaktion eine gute Nachricht: Ins Übertragungsnetz muss in den kommenden Jahren sehr viel Geld fließen. Die mächtige RWE mobilisiert Kapital – und immerhin investiert hier ein deutscher Konzern in kritische Infrastruktur hierzulande. Mit einer gewissen Einschränkung: Ankerinvestoren der Kapitalmaßnahme, die den Deal finanziert, sind Staatsfonds aus Qatar und Norwegen.Erzeugung und Netz wieder in einem KonzernZugleich bedeutet der Schritt für RWE eine doppelte Rolle rückwärts. Zum einen hatte sich Krebber erst im vergangenen Jahr mit Apollo zusammengetan, um den notwendigen Finanzierungsbedarf bei Amprion besser schultern zu können. Gerüchteweise hatte er zuvor sogar mit einem Komplettausstieg geliebäugelt. Nun geht er den umgekehrten Weg und will künftig viel Geld in den Netzausbau stecken.Zum anderen gilt das auch für die Vergangenheit von RWE: Im Zuge der Entflechtung der Energiemärkte hatte das Unternehmen einst entschieden, sich aus dem Geschäft mit Stromnetzen zurückzuziehen, anders als etwa die baden-württembergische ENBW, die lange Alleineigentümerin des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW blieb. Zwar versichert RWE, Amprion künftig weiterhin formal auf Distanz zu halten. Doch die Regulierungsbehörden sollten genau hinschauen.
Mehrheit an Amprion: RWE macht doppelte Rolle rückwärts
RWE kehrt mit einer Mehrheitsbeteiligung bei Amprion ins Stromnetzgeschäft zurück. Für den Vorstandsvorsitzenden Markus Krebber klingt das logisch. Trotzdem ist es eine Kehrtwende.











