Es war ein heißer Abend in Berlin, und parallel lief das WM-Spiel zwischen Österreich und Argentinien. Trotzdem war der Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften voll besetzt. Das Publikum hatte sich entschieden, auf Lionel Messi zu verzichten und stattdessen der vermeintlichen politischen Lichtgestalt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zu lauschen. Die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung hatte ihn zu einem Vortrag über die Sicherheitspolitik eingeladen.

Der ehemalige SPD-Finanzminister Peer Steinbrück zog als Einführungsredner den Vergleich des Abends gleich zu Beginn. Er würdigte Helmut Schmidt als einen der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts, als einen Politiker-Typ, von dem wir uns alle wünschen, „wir hätten mehr davon“. Boris Pistorius, so Steinbrück weiter, sei „aus ähnlichem Holz geschnitzt“. Historische Vergleiche solle man zwar nicht überstrapazieren, weil sie meist hinkten – „aber was hinkt, das geht.“

Pistorius: „Bedrohungslage geht vor Kassenlage“

Boris Pistorius begann seinen Vortrag mit einem persönlichen Bekenntnis: Der Namensgeber der Stiftung sei für ihn ein politisches Vorbild gewesen. Wegen Helmut Schmidt sei er in die SPD eingetreten. Schmidt habe man viele Errungenschaften in der Verteidigung zu verdanken, unter anderem die Bundeswehruniversitäten. Und damals sei eine Sache anders gewesen: Der Partner diesseits des Eisernen Vorhangs war klar aufgestellt. „Alle wissen, was damit gemeint ist.“