Tropisch fühlen sich die Tage und vor allem die Nächte in dieser zweiten Junihälfte an, mancher wird sagen: nicht mehr auszuhalten. Das ist das ungute Gefühl, wenn der Körper nicht nur unter den hohen Temperaturen leidet, sondern zusätzlich belastet wird – durch hohe Luftfeuchtigkeit etwa, stehende Luft oder durch zu viel direkte Sonnenstrahlung. Für diese „gefühlten Temperaturen“ gibt es einen Index, den „Universal Thermal Climate Index“, der das physiologische Wohlbefinden an Hitzetagen sehr viel besser erfasst als die reinen Lufttemperaturen – und darüber hinaus auch sehr viel stärker mit den durch Hitzestress ausgelösten Folgen von Herz-Kreislauf-Beschwerden bis zum Schlaganfall korreliert.Dieser für viele Menschen mitunter lebensgefährliche chronische Hitzestress war Gegenstand einer globalen Studie von Rebecca Emerton und ihren Kollegen am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen in Reading, Großbritannien, und in Bonn. Ihr Fazit: Der Hitzestress nimmt seit Anfang der 1970er-Jahre weltweit stark zu, und zwar sowohl mit Blick auf Intensität und Häufigkeit der Hitzetage als auch, was die Zahl der tropischen Nächte von mehr als 20 Grad angeht.Konkret: Alle zehn Jahre haben die gefühlten Temperaturen im globalen Mittel tagsüber um etwa 0,27 Grad zugenommen, nachts sogar um circa 0,32 Grad. Das bedeutet, dass tags wie nachts die gefühlte Temperatur an Hitzetagen um deutlich über ein Grad zugenommen hat. In Tagen mit Hitzestress gerechnet: Alle zehn Jahre sind seit 1970 mindestens zwei zusätzliche Tropennächte und zwei Tage mit gefühlten Temperaturen jenseits der 32 Grad hinzugekommen.Selbstverständlich gibt es deutliche regionale Unterschiede, wie die Forscher in ihrer Veröffentlichung in „Nature Climate Change“ berichten. Aber wie im Fall von Europa ist die Belastung fast überall in zweierlei Hinsicht gestiegen: höhere Werte und längere Dauer. Die Jahreszeit mit den ersten Hitzestresstagen lag in Europa im Jahr 1970 noch zwischen Anfang Juni und Anfang September. Inzwischen kann der erste Hitzestress schon Mitte Mai auftreten und die letzten Hitzestresstage Mitte September.In die Berechnung des weltweit verteilten UTCI-Index sind neben den hoch aufgelösten meteorologischen Daten auch die demographischen Daten eingeflossen, um so der jeweiligen gesundheitlichen Situation Rechnung zu tragen und die Zahl der Betroffenen in den einzelnen Regionen zu erfassen. Und auch hier zeigen sich insgesamt eher negative Entwicklungen. 1970 erlebten demnach 55 Prozent der Weltbevölkerung an mindestens 90 Tagen im Jahr einen UTCI-Index von mindestens 32 Grad (starker Hitzestress), heute sind es 70 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen, die in mindestens drei Monaten extreme Hitzestresstage (jenseits 46 Grad) haben, von 16 auf 22 Prozent der Weltbevölkerung gestiegen. Das heißt: Heute sind rund eine Milliarde mehr Menschen von extremem Hitzestress betroffen.„Diese Veränderungen zeigen, wie die Gefahren für die Gesundheit, die Wohnsituation und die wirtschaftliche Produktivität eskalieren“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung; die Reduzierung klimaschädlicher Gase und Anpassungsmaßnahmen müssten dringend forciert werden.Frühere Zuordnungsstudien haben gezeigt, dass mindestens ein Viertel der zwischen 2000 und 2019 aufgetretenen Hitzewellen mit dem entsprechenden Hitzestress praktisch unmöglich wären ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel.
Eine Milliarde mehr Menschen leben mit extremem Hitzestress
Wie sich Hitze anfühlt und wie sie den Körper belastet, hängt von vier Faktoren ab. Forscher haben nun gezeigt, dass diese Hitzebelastung seit 1970 weltweit zugenommen hat. Vor allem die Nächte werden zur Qual.
ECMWF-Studie: Extreme Hitzestress seit 1970 verdoppelt – 1 Mrd. Menschen über 3+ Monate mit >46°C; +0,27°C/Jahrzehnt tagsüber, +0,32°C nachts. Strategisch kritisch: Workforce-Ausfälle in Tropenzonen, Data-Center-Kühlung und Supply-Chain-Risiken sind jetzt ESG-Compliance-Pflicht.












