Der längste Sommer der 1970er war der kürzeste Sommer der vergangenen zehn JahreDie Hitzewellen werden immer stärker, und sie dauern immer länger, wie eine globale Auswertung zeigt. In Europa beginnt starker Hitzestress neuerdings schon Mitte Juni und hält sich bis Ende August.22.06.2026, 17.01 Uhr3 LeseminutenHeiss war es am Montag auch im Schlosspark von Versailles.Thibault Camus / APÜber Westeuropa wölbt sich derzeit eine riesige Hitzeglocke. Sie bringt die Menschen bei Höchsttemperaturen bis weit über 35 Grad Celsius gewaltig ins Schwitzen. In Frankreich wurden in mehreren Regionen sogar Schulen geschlossen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Weltweit nimmt die Belastung durch Hitze immer mehr zu. Forscher vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) haben sich diese Entwicklung jetzt etwas genauer angeschaut. Um die tatsächliche Wirkung der Hitze zu erfassen, analysierten sie aber nicht nur die Temperaturen.Vielmehr basiert die Untersuchung, die im Fachjournal «Nature Climate Change» nachzulesen ist, auf einer speziellen Kennzahl für gefühlte Hitze: Der Universal Thermal Climate Index (UTCI) wird aus der Lufttemperatur, der Luftfeuchtigkeit, dem Wind und der Sonneneinstrahlung berechnet und in Grad Celsius ausgedrückt.Die Forscher wollten die vom Klimawandel geprägte weltweite Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nachzeichnen; darum verglichen sie die Dekade von 2015 bis 2024 mit den 1970er Jahren.Der Hitzestress nimmt zu, und er hält im Sommer länger anDie gefühlte Hitze hat laut der Studie überall zugenommen. Das zeigt sich zum Beispiel an einem Trend, den die Autoren an den zehn wärmsten Tagen im Jahr beobachtet haben: Am meisten stieg der maximale UTCI an diesen Tagen in Europa, Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel – nämlich um bis zu vier Grad, punktuell sogar um fünf. Überall sonst lag die Zunahme zwischen einem und drei Grad.Weltweit gibt es auch immer mehr Tage mit hohem Hitzestress, auf die tropische Nächte folgen – also Nächte mit einer Tiefsttemperatur über 20 Grad. Dieser Trend ist vor allem in Afrika sehr stark ausgeprägt, aber auch in Nordamerika und Europa klar zu beobachten.Die Sommerhitze dauert ausserdem immer länger. Die Autoren der Studie berechneten, wie viel Zeit zwischen dem ersten und dem letzten Tag im Jahr mit einem UTCI-Wert über einer bestimmten Schwelle verstrich. Starker Hitzestress mit einem Index über 32 Grad Celsius beginnt in Europa im Schnitt inzwischen Mitte Juni statt Anfang Juli. Anders als früher hält die Hitzebelastung fast bis Ende August an statt bis Mitte August.Das Risiko durch Hitze hänge davon ab, wie der menschliche Körper die Umgebung tatsächlich wahrnehme, und nicht nur vom Thermometerwert, erklärt Maria Pyrina von der Universität Bern, die nicht an der Studie mitgearbeitet hat. Die Lufttemperatur lasse mehrere Faktoren ausser acht, die Hitzestress verursachten – vor allem die Luftfeuchtigkeit, die die Schweissverdunstung einschränke, den Wind, der die Abkühlung beeinflusse, und die Strahlung, die zu einer erheblichen Wärmebelastung beitragen könne. Darum sei in der Studie der Universal Thermal Climate Index verwendet worden.Der UTCI könne erheblich von der Lufttemperatur abweichen, sagt Claudia Di Napoli vom EZMW, eine der Autorinnen der Studie, gemäss einer Medienmitteilung. Zum Beispiel habe der Index während der jüngsten Hitzewelle in Europa im Mai 2026 tagsüber oft Werte erreicht, die vier Grad über der Lufttemperatur gelegen hätten. Einem besonders hohen Hitzestress sind Menschen bei stickig-schwüler Luft in der prallen Sonne ausgesetzt – also wenn Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung hoch sind, während eine Flaute herrscht.Der Klimawandel steigert den HitzestressDie Autoren der Studie schreiben auch, dass neuerdings ein immer grösserer Anteil der Weltbevölkerung eine hohe Hitzebelastung erlebe. In den 1970er Jahren seien 55 Prozent pro Jahr mindestens 90 Tage starkem Hitzestress ausgesetzt gewesen. Im vergangenen Jahrzehnt seien es bereits 70 Prozent gewesen. Diese Entwicklung werde nicht nur durch das Bevölkerungswachstum, sondern auch durch den Klimawandel angetrieben.Streng genommen sind die auf die Weltbevölkerung bezogenen Zahlen für die Praxis nur mässig relevant. Denn seit den 1970ern wurden weltweit Millionen von Klimaanlagen installiert, die den Hitzestress lindern. Wer aber in gekühlten Gebäuden bleibt, erlebt die hohen Temperaturen nicht.Trotzdem: Die Zunahme der von Hitzestress betroffenen Weltbevölkerung macht sehr deutlich, dass der Druck zur Anpassung an die steigenden Temperaturen rasch wächst. In Westeuropa – unter der Hitzeglocke – spürt man diesen Druck gegenwärtig jeden Tag.Passend zum Artikel
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Die Hitzewellen werden immer stärker, und sie dauern immer länger, wie eine globale Auswertung zeigt. In Europa beginnt starker Hitzestress neuerdings schon Mitte Juni und hält sich bis Ende August.













