Hitzewelle in Europa: warum es schon im Juni so extrem heiss ist und weshalb sich die glühende Luft so lange hältÜber Westeuropa hat sich eine Hitzeglocke aufgebaut. Vor allem in Frankreich herrschen rekordhohe Temperaturen. Dazu haben mehrere Faktoren beigetragen.25.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSchon am Montag war es in Rennes in der Bretagne extrem heiss.Jeremias Gonzalez / APEs ist heiss in Europa. Am Dienstag und Mittwoch purzelten in Frankreich die Temperaturrekorde gleich reihenweise. In Bordeaux an der Atlantikküste zum Beispiel kletterte das Thermometer bis auf 44 Grad Celsius. Der Dienstag sei an vielen Orten im Westen des Landes der heisseste Tag seit Beginn der Messungen gewesen, erklärte der Wetterdienst Météo France. Nachts sank die Temperatur vor allem in den grossen Städten, deren Betonmassen enorm viel Wärme speichern, oft nicht unter 25 Grad.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Météo France sprach am Mittwoch für fast zwei Drittel des Landes die höchste Hitzewarnstufe aus. Erinnerungen an den Hitzesommer von 2003 werden wach, als in Frankreich nach Schätzungen mehr als 10 000 Menschen starben. Eine Warnung vor extremer Hitze gab am Mittwoch sogar der britische Wetterdienst Met Office heraus – sie galt für London und grosse Gebiete westlich davon, wo Temperaturen über 35 Grad mutmasslich neue Rekorde für Juni aufstellen werden.Auch in der Schweiz und in Deutschland ist es jetzt mit Höchsttemperaturen zwischen 30 und 37 Grad sehr heiss – und Rekorde für Juni sind in Reichweite. Nun strömt die glühende Luft aus Frankreich nach Osten. Dadurch könnte am Wochenende in Deutschland lokal die 40-Grad-Marke erreicht werden. Für die Schweiz sind derzeit maximal 38 Grad vorhergesagt.Normalerweise treten die höchsten Temperaturen eines Sommers erst im Juli oder im August auf. Dass diese Hitzewelle schon im Juni so lange dauert und so viele Rekorde bricht, hat mehrere Gründe.Die Hitze hält lange an, weil das Hochdruckgebiet stabil istDa wäre zunächst schlicht die Wetterlage: Über Westeuropa hat sich in den vergangenen Tagen eine sogenannte Hitzeglocke aufgebaut. Die Luft ist bis in grosse Höhen sehr warm, die Nullgradgrenze liegt bei ungefähr 4,5 Kilometern. Da es sich um ein Hochdruckgebiet handelt, sinkt die Luft in der Hitzeglocke ab. Dabei wird sie komprimiert und heizt sich auf. Das verhindert, dass sich Wolken bilden.Das Hochdruckgebiet sei besonders stabil, so dass die Hitze sehr lang anhalte, sagt die Meteorologin Denise Praloran vom Vorhersagedienst Meteo Schweiz. Die Hitzewelle dauere nun schon sieben Tage. Normalerweise sei es damit im Juni nach zwei bis drei Tagen vorbei.Das Zentrum dieser Hitzeglocke lag Mitte der Woche noch über Westeuropa, es verlagert sich aber langsam ostwärts. Von der Hitze erfasst wird nun auch Mitteleuropa. Doch selbst das Baltikum und der Balkan werden den Hauch der Sommerhitze noch zu spüren bekommen.Belinda Hotz beschäftigt sich als Doktorandin an der ETH Zürich mit der Dynamik von Hitzewellen. Es falle in der Tat auf, dass die Hitze in West- und Mitteleuropa aussergewöhnlich lang andauere, sagt sie. Das hänge unter anderem mit einer Serie von Tiefdruckgebieten über dem Atlantik zusammen, welche das Hochdruckgebiet in Europa durch eine Fernwirkung immer wieder stabilisierten.«Es ist hier nicht heiss, weil die Luft aus der Sahara gekommen wäre», sagt Belinda Hotz. Vielmehr komme die Luft aus höheren Schichten der Atmosphäre und habe sich beim Absinken erwärmt. Grundsätzlich werde die Luft innerhalb einer Hitzewelle wie dieser immer wieder erneuert, erklärt sie. Ein grosser Teil der Luft stamme gegenwärtig vom Atlantik oder von der Iberischen Halbinsel. Diese Luft habe einen grossen Bogen im Uhrzeigersinn gemacht und sei dann bei uns gelandet.Wegen der Trockenheit erhitzt die Sonne die Luft schnellerEin weiterer wichtiger Grund für die ungewöhnlich grosse Hitze – neben der Wetterlage – ist die anhaltende Trockenheit. Im Frühling hat es in Frankreich laut Météo France 30 Prozent weniger geregnet als sonst. In der Schweiz und in Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Dafür, dass der Sommer gerade erst begonnen hat, sind die Böden und die Vegetation schon recht verdorrt.Wenn der Boden feuchter sei, gehe mehr von der Energie aus der Sonneneinstrahlung in die Verdunstung, sagt Denise Praloran. Durch die Trockenheit werde die Sonnenstrahlung nicht für Verdunstung verbraucht, sondern ganz in Wärme umgewandelt.Hinzu kommt der Faktor Meer. In diesem Jahr hat sich das Meerwasser besonders früh erwärmt, auch weil es bereits im Mai eine starke Hitzewelle gegeben hat. An der Atlantikküste und der Mittelmeerküste Frankreichs liegen die Wassertemperaturen gegenwärtig bis zu fünf Grad über dem Mittelwert der vergangenen Jahrzehnte.Je höher die Wassertemperaturen, desto weniger kann das Meer eine Hitzewelle lindern. Die ungewöhnliche Wärme an den Küsten Frankreichs wirkt also verstärkend.Auch der Klimawandel trägt zur Intensität der Hitzewelle beiAuch das Klima spielt selbstverständlich eine Rolle. Die Hitzewelle ist zwar zu einem grossen Teil ein Ergebnis des zufälligen Wettergeschehens. Doch ihre hohe Intensität ist zum Teil mit der allmählichen Aufheizung im Zuge des menschengemachten Klimawandels zu erklären.Am Samstag werde das Hochdruckgebiet schwächer, sagt Praloran. Dann drehe der Wind auf Südwest und bringe mehr Feuchtigkeit. Die Neigung zu Gewittern nehme zu. Auch im Flachland könne es Gewitter geben, und die könnten am Sonntag kräftig ausfallen.Zunächst fühlt sich die Luft durch die Feuchtigkeit noch wärmer an als zuvor. Eine Abschwächung der Hitzewelle ist in der Schweiz und in Deutschland dann aber spätestens am Montag in Sicht.Passend zum Artikel
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