PfadnavigationHomePolitikAuslandLitauens VerteidigungsministerBundeswehr-Brigade – „Meilenstein für die deutsch-litauischen Beziehungen“Stand: 06:37 UhrLesedauer: 3 MinutenPanzergrenadiere der Bundeswehr Mitte Juni bei der Gefechtsübung „Freedom Shield“ im litauischen PabradeQuelle: Kay Nietfeld/dpaZum Schutz der Ostflanke sollen knapp 5000 Soldaten dauerhaft in Litauen stationiert werden. Aus litauischer Sicht läuft alles gut, sagt Verteidigungsminister Kaunus – man liege sogar vor dem Zeitplan. Auf deutscher Seite gibt es allerdings ein Problem.Es ist eine Folge der „Zeitenwende“ in Deutschland: Erstmals in ihrer Geschichte wird die Bundeswehr eine große Zahl an Soldatinnen und Soldaten dauerhaft im Ausland stationieren – direkt an der Grenze zu Belarus, dessen Machthaber Alexander Lukaschenko mit dem Kreml-Herrscher Wladimir Putin eng verbündet ist. Wo kürzlich noch Wälder standen, entstehen in kurzer Zeit neue Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten und ärztliche Versorgungseinrichtungen. Die Arbeiten kommen offenbar gut voran. Nach Angaben von Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas liegen die Vorbereitungen zur Stationierung einer deutschen Brigade von knapp 5000 Soldaten in seinem Land vor dem Zeitplan. „Beim Aufbau der deutschen Brigade läuft alles nach Plan. Mit Blick auf die erste Aufbauphase liegen wir sogar zehn Monate vor dem Plan. Das heißt, dass wir sehr weit beim Aufbau der Infrastruktur sind und früher mit der zweiten Phase beginnen können“, sagte Kaunas WELT unmittelbar vor dem Besuch von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Litauen am Montag. Die geplante Stationierung der Brigade unter dem Kommando von Brigadegeneral Christian Huber bezeichnete Kaunas als „Meilenstein für die deutsch-litauischen Beziehungen“. Derzeit sind rund 1800 deutsche Soldatinnen und Soldaten vor Ort stationiert. Sie üben in diesem Monat in Pabrade, nur 20 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt, Abschreckung und Verteidigung an der Ostflanke. Lesen Sie auchDie Panzerbrigade 45 wird bei dieser Übung mit dem Namen „Freedom Shield“ (Schild der Freiheit) ergänzt vom Panzerbataillon 203 aus dem ostwestfälischen Augustdorf und von Teilen des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach in Bayern. Lesen Sie auchBeide Bataillone sollen nächstes Jahr dauerhaft nach Litauen umziehen. Laut Plan werden Ende 2027 rund 5000 deutsche Soldaten in Litauen dauerhaft stationiert sein. Minister Kaunas erklärte dazu: „Wir können davon ausgehen, dass Deutschland und Litauen auf jeden Fall Ende 2027 fertig sein werden, die Brigade voll ausgestattet und einsatzbereit sein wird, wenn nicht gar früher.“ Für die Abschreckung an der Ostflanke der Nato und für die Sicherheit Litauens und des gesamten Bündnisgebiets sei die Brigade „enorm wichtig“, so Kaunas. Die deutsche Brigade werde sich bereits im kommenden Herbst in der Stadt Rudnikai einrichten und die Soldaten würden dann auch dort, teilweise mit ihren Familien, leben. Priorität: Volle EinsatzbereitschaftWie die volle Einsatzbereitschaft bis Ende 2027 erreicht werden soll, ist allerdings noch unklar. In der Bundeswehr gilt die erstmalige Stationierung eines Großverbands im Ausland als „Leuchtturmprojekt“, das das Bekenntnis Deutschlands zu seinen Nato-Verpflichtungen unterstreichen soll. Lesen Sie auchNach einem Bericht von WELT vom vergangenen Freitag schließt die Bundeswehr bei der Besetzung der Litauen-Brigade Verpflichtungen von Soldaten nun doch nicht mehr aus. „Oberstes Ziel aus Sicht des Heeres ist es, die volle Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen im kommenden Jahr zu erreichen“, sagte Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding WELT. „Dazu werden wir am leitenden Prinzip der Freiwilligkeit festhalten – und dort, wo erforderlich, auch um verpflichtende Maßnahmen ergänzen“, so Freuding. „Und das natürlich immer im Dialog mit den Betroffenen, so wie bei jeder anderen Personalmaßnahme auch.“ Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Verteidigungsministeriums: „Am Ende muss auch allen klar sein: Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit.“ Bisher hat die Bundeswehr das Prinzip der Freiwilligkeit betont. Ein „Spiegel“-Bericht über Probleme bei der personellen Aufstellung des Großverbands wurde im Februar zurückgewiesen. Am Wochenende berichtete das Magazin, dass es vor allem bei ausgebildeten Soldaten, wie in den Bereichen Informationstechnik, ABC-Abwehr (atomar, biologisch, chemisch) und Aufklärung, Lücken gebe. Angeblich liegen die Zahlen in einigen Bereichen sogar „unter 50 Prozent“. Philipp Fritz berichtet im Auftrag von WELT seit 2018 als freier Korrespondent in Warschau über Ost- und Mitteleuropa. Christoph B. Schiltz ist Korrespondent in Brüssel. Er berichtet unter anderem über Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU, die europäische Migrationspolitik, die Nato und Österreich.