Die Bundeswehr hat Probleme, Soldaten für die Litauen-Brigade zu gewinnen. Nun heißt es von einem Sprecher des Verteidigungsministeriums in der »Welt«: »Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit«. Auch Heeresinspekteur Generalleutnant Christian Freuding stellt »verpflichtende Maßnahmen« in Aussicht: »Oberstes Ziel aus Sicht des Heeres ist es, die volle Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen im kommenden Jahr zu erreichen«, zitiert ihn die »Welt« . »Dazu werden wir am leitenden Prinzip der Freiwilligkeit festhalten – und dort, wo erforderlich, auch um verpflichtende Maßnahmen ergänzen.« Das solle demnach im Dialog mit den Betroffenen geschehen.Für Minister Boris Pistorius und seinen Generalinspekteur Carsten Breuer ist der Kursschwenk eine empfindliche Niederlage. Als die beiden im Jahr 2023 überraschend mitteilten, gut 5000 Soldatinnen und Soldaten dauerhaft in Litauen zu stationieren, legten sie sich gleichzeitig fest, dass man ausreichend Freiwillige für den Einsatz findet. Eine verpflichtende Beorderung, die überall in der Nato der Standard ist, wollten Pistorius und Breuer unbedingt vermeiden.Als der SPIEGEL Anfang des Jahres enthüllte , dass die Zahl der Freiwilligen für die Litauen-Mission weit unter den Erwartungen lag, übte sich das Haus von Pistorius in Vorneverteidigung. Statt die Tatsachen anzuerkennen, die in internen Papieren schonungslos geschildert wurden, sprach das Ministerium von Zwischenständen, die nicht aussagekräftig seien. Der Minister selbst verbreitete immer wieder die Linie, man werde es schon schaffen.