Der Ehefrau des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez ist der Reisepass entzogen worden. Begoña Gómez darf zudem laut dem Beschluss eines Ermittlungsrichters Spanien nicht verlassen und muss sich zweimal im Monat bei Gericht melden. Zuletzt hatte sie Sánchez bei seinem Besuch in China begleitet.Große Empörung rief unter anderem im Innenministerium und bei der Polizei die Begründung hervor: Ermittlungsrichter Juan Carlos Peinado rechtfertigte den Passentzug damit, dass Personenschützer der Polizei Gómez bei einer möglichen Flucht helfen könnten. Sie lebt mit Sánchez im schwer bewachten Moncloa-Palast in Madrid. Der Generalrat der Justiz berät mittlerweile darüber, ein Disziplinarverfahren gegen Richter Peinado zu eröffnen.In einer Erklärung des Büros des Ministerpräsidenten heißt es, dieser unverhältnismäßige Schritt bestätige die „Besessenheit“ eines von politischen Motiven getriebenen Richters, dessen Ermittlungen „jeglicher Rechtsgrundlage entbehren“. Mitglieder seiner Linksregierung beklagen schon länger eine juristische Hexenjagd, die Teil einer Kampagne der rechten Opposition sei.„Der Fall erinnert an ein absolutistisches Regime“Peinado wirft Begoña Gómez vor, sie habe ihre Position als Ehefrau des Ministerpräsidenten ausgenutzt, um persönliche Vorteile zu erlangen – „ein Fall, der eher typisch für absolutistische Regime zu sein scheint“, heißt es in seinem Beschluss. Konkret geht es um die Einrichtung eines Master-Programms an der Madrider Complutense-Universität, deren Ko-Leitung Gómez übernommen hatte.Nach Abschluss der umstrittenen Ermittlungen soll ihr nun wegen Korruption, Unterschlagung, Veruntreuung und Einflussnahme voraussichtlich 2027 der Prozess vor einem Geschworenengericht gemacht werden. Er könnte dann in den spanischen Parlamentswahlkampf fallen.Anders als in Gómez' Fall hatte der Oberste Strafgerichtshof am Mittwoch darauf verzichtet, den Pass des früheren Regierungschefs José Luis Zapatero einzuziehen: Dessen „öffentliche Bekanntheit“ mache eine Flucht unmöglich. Gegen Zapatero erhebt die Justiz schwere Korruptionsvorwürfe. In seinem Tresor wurde Schmuck im Wert von 1,3 Millionen Euro gefunden.