Blumenkränze, Knäckebrot, Köttbullar: Das schwedische Midsommarfest erfüllt jedes landestypische Klischee. Überrascht wird unsere Autorin trotzdem.
Rund um den mit Zweigen dekorierten Pfahl ist zur Sommersonnenwende den ganzen Tag Programm
Oscar Olsson/TT/imago
Auf dem Holztisch in der sonnendurchfluteten Küche drängeln sich Quiche, Würstchen, Käse, Knäckebrot und Kartoffelsalat, thronen Krabben auf halbierten gekochten Eiern, konkurrieren eingelegte Heringe und gebeizter Räucherlachs mit einer üppigen Erdbeersahnetorte. Schaue ich aus dem Fenster, blicke ich auf einen See – so endlos groß wie ein Meer.
Ich bin in Schweden, in der Region Värmland, zu Gast bei der Mutter meiner Schwägerin. Barbro, wie sie in diesem Text heißen soll, ist Anfang siebzig und die gelebte Gastfreundschaft. Sie hat in ihr Sommerhaus am sandigen Nordufer des Vänern, dem größten See des Landes, geladen, um mit einem guten Dutzend Verwandten aus drei Generationen Midsommar zu feiern. Das ist in Schweden das wichtigste Fest nach Weihnachten und wird – die Schwed*innen sind pragmatisch – immer am Freitag zwischen dem 20. und 26. Juni begangen. Klar hatte ich bestimmte Vorstellungen von diesem Tag, der nicht weniger feiert als die Sonne und das Licht: bunte Blumenkränze für alle, sommerlich geschmückte Birkenstämme überall und drumherum ausgelassene, angetrunkene Erwachsene, die ununterbrochen singen und Hand in Hand im Kreis tanzen.













