Er hat viele Anhänger und weckt große Sehnsüchte: der schwedische Sommer. Die langen Nächte, das helle Licht, die dichten grünen Wälder. Lagerfeuer in den Schären, Baden, Bootfahren, die Hitze ist überschaubar. Und dann natürlich: Picknicken, lange Kaffeepausen, Fika genannt, die schwedische Küche, die einfach ist und auf Naturprodukte setzt. Zimtschnecken mit Hagelzucker gehören dazu, Blaubeerkuchen, eingelegter Hering, Holunderblütensirup.Die schwedische Kochkunst ist mehr als reines Essen, sie ist ein Lebensgefühl mit einigen ganz eigenen Ritualen. Und dass diese Küche in Deutschland so populär ist, hat auch viel mit einer Schriftstellerin zu tun: Astrid Lindgren, die Erfinderin von Pippi Langstrumpf, Madita, Ronja Räubertochter, Michel aus Lönneberga und Kalle Blomquist. Wie wohl keine Zweite hat sie unser Schweden-Bild geprägt.Schwedischer Klassiker: Brennnesselsuppe mit wachsweichen EiernLina Eidenberg AdamoStändig wird in ihren Kinderbüchern gegessen oder über das Essen gesprochen. Kaffeekränzchen werden abgehalten, Beeren gesammelt, Süßigkeiten gekauft. Barsche müssen gefischt, Brote für Ausflüge geschmiert, Pfifferlinge gesammelt werden. Lindgrens Enkelin Annika schwärmt bis heute von langen Tagen mit ihrer Großmutter in deren Sommerhaus, an denen sich alles ums Essen drehte. „Ich erinnere mich gut an die Picknickkörbe“, schreibt die Enkelin. „Großmutter muss frühmorgens angefangen haben, Pfannkuchen zu backen!“Annika Lindgrens Erinnerungen an diese Zeit finden sich nun in einem Kochbuch. „So schmeckt mein Sommer – Astrid Lindgrens Kochbuch“ ist bei Oetinger erschienen, dem Verlag, der schon immer Lindgrens Bücher in Deutschland herausbrachte und die Autorin hierzulande zum Star machte. Ein klassisches Kochbuch darf man dabei allerdings nicht erwarten. „So schmeckt mein Sommer“ versammelt Erinnerungen an die berühmte Kinderbuchautorin, Hintergründe zur schwedischen Küchenkultur und Auszüge aus Lindgrens Büchern, die um das Essen oder skandinavische Sommergepflogenheiten kreisen.Astrid Lindgrens LieblingsmarmeladeIn dem Buch lässt sich hervorragend stöbern, die Mischung aus Geschichten, Rezepten und Anekdoten funktioniert gut. Schön gestaltet ist es außerdem: Illustrationen aus den Kinderbüchern von Lindgren, historische Fotografien und ansprechende Aufnahmen der Gerichte von Food-Fotografin Lina Eidenberg Adamo wechseln sich ab.Oetinger VerlagDie Rezepte stammen von dem bekannten schwedischen Koch Fredrik Eriksson. Er betreibt das Restaurant im Nationalmuseum in Stockholm und, etwas südlich der Hauptstadt, das „Långbro Värdshus“, wo er die ländliche schwedische Küche mit französischen Einflüssen kombiniert. Und Eriksson gehört auch zu der Handvoll Köche, die mitreden dürfen, wenn das Menü für das berühmte Nobelpreis-Dinner zusammengestellt wird.Der Koch hat sich von den Gerichten inspirieren lassen, die in Lindgrens Büchern auftauchen, und sie für das Kochbuch vorsichtig modernisiert. Die Rezepte sind verständlich und klar geschrieben. Schritt für Schritt beschreibt Eriksson, wie gebeizter Lachs mit Kartoffeln, grüne Erbsensuppe oder Speckpfannkuchen zubereitet werden.Das Buch hält auch viele schöne Backrezepte parat: eine Marzipantorte, die mit Spinatpulver eingefärbt wird und so eine hellgrüne Farbe bekommt, traditionelle Mandelklötzchen oder die beliebten Zimtschnecken. Unbedingt nachkochen sollte man auch die leicht bittere Orangenmarmelade, die Astrid Lindgren das ganze Jahr über zum Frühstück gegessen hat. Weil das originale Rezept recht aufwendig war, hat Eriksson es vereinfacht. So kommt man schneller zur Marmelade – und richtig gut schmeckt sie trotzdem.Fredrik Eriksson/Lina Eidenberg Adamo: „So schmeckt mein Sommer – Astrid Lindgrens Kochbuch“. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2026, 256 Seiten, 25 Euro.
Schwedisches Kochbuch: So hat Astrid Lindgren gekocht
Der schwedische Sommer weckt Sehnsüchte. Und er steht für Zimtschnecken, Holundersaft und eingelegten Hering. Ein neues Kochbuch bringt Rezepte und Geschichten von Astrid Lindgren zusammen.








