Der deutschen Pharmaindustrie drohen neue Belastungen durch ein Zollverfahren der amerikanischen Regierung. Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat ein Verfahren nach Section 301 des Handelsgesetzes gegen Deutschland eingeleitet. Geprüft werden soll, ob Deutschland innovative Arzneimittel dauerhaft zu niedrig vergütet – und ob diese Praxis diskriminierend ist und den amerikanischen Handel belastet oder behindert. Der Schritt erfolgt, während in Berlin eine Reform des deutschen Krankenversicherungssystems im Parlament zur Abstimmung steht, die unter anderem darauf zielt, die Ausgaben für Medikamente zu senken.Nach Angaben des Handelsbeauftragten Greer gingen der Einleitung des Zollverfahrens monatelange Gespräche mit deutschen Partnern voraus, die offenbar nicht zum Ziel geführt haben. Ziel sei es, den Streit beizulegen, hieß es. Die amerikanische Regierung stört sich daran, dass die Vereinigten Staaten einen unverhältnismäßig hohen Anteil der globalen Forschungs- und Entwicklungskosten für neue Medikamente tragen. Sollte es nicht zu einer Verständigung kommen, drohen Zölle oder andere Handelsrestriktionen.Trump: Amerikaner zahlen zu viel für Pharmaentwicklung„Präsident Trump hat klargemacht: Amerikanische Patienten dürfen nicht einen unverhältnismäßig hohen Anteil der weltweiten Forschung und Entwicklung für Arzneimittel schultern“, sagte Greer. „Besonders besorgt bin ich über Berichte, wonach Deutschland ein Gesetz beschleunigt, das die Ausgaben für innovative Medikamente weiter senken würde.“Die amerikanische Regierung drückt in der Mitteilung ihre Hoffnung aus, den Konflikt beilegen zu können. „Wir glauben, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland einen Weg finden können: Die Deutschen sollen besseren Zugang zu den innovativsten Medikamenten erhalten, und amerikanische Hersteller sollen fair vergütet werden“, lässt sich Greer zitieren.Der Handelsbeauftragte verweist auf ein Abkommen hin, das die USA mit Großbritannien geschlossen haben, um Investitionen und Innovation in beiden Ländern zu fördern. „Deutschland sollte diesem Beispiel folgen und konstruktiv über den Abbau dieses Ungleichgewichts verhandeln.“62 bis 78 Prozent der globalen PharmagewinneUS-Regierungen stören sich schon länger daran, dass amerikanische Patienten und Steuerzahler ihrer Wahrnehmung nach das Gros der weltweiten pharmazeutischen Forschung und Entwicklung finanzieren. Anders als viele Industrieländer setzen sie Medikamentenpreise kaum zentral fest. Pharmaunternehmen können ihre Preise weitgehend selbst bestimmen und legen demzufolge die hohen Fixkosten für Forschung und Entwicklung vor allem auf amerikanische Patienten um.Nach Darstellung des Weißen Hauses produziert der amerikanische Markt zwischen 62 bis 78 Prozent der globalen Pharmagewinne, obwohl hier nur fünf Prozent der Weltbevölkerung leben. Überdies tragen amerikanische Steuerzahler über das National Institute of Health einen erheblichen Teil der frühen Grundlagenforschung.Andere reiche Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Kanada drücken die Preise über zentrale staatliche Vorgaben. Das hält die Kosten für ihre Gesundheitssysteme niedrig. Aus amerikanischer Sicht agieren sie damit als Trittbrettfahrer.Trump hat schon mit einem Präsidentendekret versucht, günstigere Preise in den USA durchzusetzen. Er forderte im Juli 2025 die Chefs von 17 Biopharmaunternehmen schriftlich auf, amerikanischen Patienten sogenannte Meistbegünstigungspreise anzubieten. Gemeint sind Preise, die sich an den niedrigsten in anderen Ländern gezahlten Preisen orientieren.Pharmakonzerne haben daraufhin einige Preise gesenkt und zugleich mit Investitionszusagen für neue Produktions- und Forschungsstätten in den USA mögliche Sanktionen vermieden.