Aus der Wette wird ein Experiment. Und aus Don Alfonso, dem Ältesten auf der Bühne von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Così fan tutte“, ein Professor. Der Zyniker wettet mit den beiden jungen Männern Guglielmo und Ferrando um die Treue ihrer Partnerinnen, der Schwestern Fiordiligi und Dorabella. Die soll auf die Probe gestellt werden, indem sich beide Männer verkleiden und so getarnt versuchen, die Freundin des jeweils anderen zu erobern. Die französische Regisseurin Marie-Ève Signeyrole sah sich davon offensichtlich an harte sozialpsychologische Experimente wie jenes erinnert, als 1971 Studenten der Universität Stanford, in Gefangene und Wärter eingeteilt, diese Rollen bis hin zu gewaltsamen Exzessen einnahmen und der Versuch entgleiste. Auch in ihrer Inszenierung, die sie im vergangenen Jahr für die Oper Lyon erarbeitet hatte und die nun im Staatstheater Wiesbaden neu einstudiert wurde, hinterlässt Don Alfonsos Menschenversuch an allen Beteiligten gewiss Narben.