In Frankreich wurden neue Werke von Wolfgang Amadeus Mozart entdeckt. Es sind Übungen für die Herzogin1778 reiste Mozart nach Paris, um seine Karriere in Schwung zu bringen. Dort komponierte er ein Konzert, eine Sinfonie – und kleine Stücke, die bisher verschollen waren.23.06.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Wenn hier ein Ort wäre, wo die Leute Ohren hätten»: Wolfgang Amadeus Mozart auf einem Porträt von Barbara Krafft aus dem Jahr 1819.Hulton Fine Art CollectionFür Flöte komponierte Mozart ungern. Und für Harfe hat er nur ein einziges Stück geschrieben. Er werde halt immer «gleich stuff», wenn er für ein Instrument komponieren müsse, das er nicht leiden könne, schrieb er seinem Vater im Februar 1778. Ein halbes Jahr später entstand das Konzert für Flöte, Harfe und Orchester. Und eine Reihe weiterer Stücke für die beiden ungeliebten Instrumente.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Konzert gehört bei Wunschkonzerten am Radio zu den Dauerbrennern. Von den kleinen Stücken wusste dagegen niemand etwas. Bis vor kurzem. Im Februar entdeckte der Musikwissenschafter François-Pierre Goy in der Bibliothèque nationale de France in Paris ein in marmoriertes Papier gebundenes Büchlein mit Noten, deren Schreibweise ihm bekannt vorkam. Die Bassschlüssel waren anders notiert, als es in Frankreich üblich ist, und die Violinschlüssel neigten sich leicht nach vorn.Mozarts Handschrift, so war Goy überzeugt. Vergleiche mit anderen Manuskripten und das Papier, auf dem die Stücke notiert waren, deuteten darauf hin, dass er recht hatte. Das Mozarteum in Salzburg bestätigte den Befund: Das vierundvierzig Seiten umfassende Büchlein enthält Kompositionen von Mozart.«Unter lauter Viechern und Bestien»Allerdings keine grossen Werke, die das Mozart-Bild verändern würden. Es sind sieben Stücke und ein paar Kompositionsübungen, die im Unterricht entstanden. Im Sommer 1778. Mozart war damals zweiundzwanzig und zusammen mit seiner Mutter nach Paris gefahren, um seiner Karriere Schwung zu verleihen. Paris war eine der Metropolen der Musik. Da lockten Auftritte, Kompositionsaufträge – und vielleicht sogar eine gut bezahlte Anstellung als Kapellmeister.Doch es war alles viel schwieriger als gedacht. Man hatte nicht auf den jungen Mann aus Österreich gewartet, die Türen blieben Mozart verschlossen. «Wenn hier ein Ort wäre, wo die Leute Ohren hätten, ein Herz zu empfinden», schrieb er im Juni seinem Vater, «aber so bin ich unter lauter Viechern und Bestien, was die Musik angeht!»Immerhin, nach ein paar Wochen wurde er als Lehrer verpflichtet. Von Adrien-Louis de Bonnières, dem Herzog von Guînes, der ein begeisterter Flötist war. Mozart sollte dessen Tochter Marie-Louise-Philippine unterrichten, die als talentierte Harfenistin galt. Dabei entstanden die Stücke, die im neu entdeckten Heft festgehalten sind.Notizen aus dem Kompositionsunterricht: eine Seite aus dem neu entdeckten Heft mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart.BNF«Dumm, und dann von Herzen faul»Zunächst tat er das mit hohen Erwartungen. Mozart war beeindruckt von der jungen Frau, vielleicht auch ein bisschen verliebt. Doch mit der Zeit trat Ernüchterung ein. Seine Schülerin sei «von Herzen dumm, und dann von Herzen faul», schrieb Mozart seinem Vater. Dass sie kaum Fortschritte machte, zeigt sich laut Ulrich Leisinger, dem wissenschaftlichen Leiter des Mozarteums Salzburg, auch in den Stücken.Die ersten Übungen seien anspruchsvoll, dann würden sie einfacher. Am Anfang bearbeitete Mozart die musikalischen Ideen seiner Schülerin nur leicht, später griff er immer mehr ein. «Am Ende steht tatsächlich fast nur noch Mozart auf dem Papier», sagte Leisinger dem ORF. Eine Übung blieb unvollendet, die letzten Seiten des Heftes sind leer. Am 26. Juli heiratete die junge Herzogin, da war keine Zeit mehr für Musikunterricht. Mozart musste sich eine neue Stelle suchen. In den Wirren der Französischen Revolution wurde der Besitz der Familie de Bonnières beschlagnahmt. Das Übungsheft kam in die Nationalbibliothek.Der Aufenthalt in Paris war eine Enttäuschung. Mozart war verärgert – und traurig. Drei Monate nach der Ankunft war seine Mutter gestorben. Über der Jagd nach Aufträgen und dem Druck, Geld zu verdienen, hatte der Sohn kaum Zeit gehabt, sich um sie zu kümmern. Sie verbrachte die ganze Zeit in der kleinen, düsteren Wohnung, die Mozart gemietet hatte, ass kaum mehr, wurde immer schwächer. Anfang Juli starb sie. Ende September reiste Mozart zurück nach Salzburg.Passend zum Artikel
Übungen für die Herzogin: In Paris sind unbekannte Stücke von Mozart entdeckt worden
1778 reiste Mozart nach Paris, um seine Karriere in Schwung zu bringen. Dort komponierte er ein Konzert, eine Sinfonie – und kleine Stücke, die bisher verschollen waren.










