Um zu erkennen, was man besser machen muss, ist erst einmal eine schonungslose Analyse wichtig. Eine, die Fehler und Unzulänglichkeiten der Vergangenheit benennt. Es ist gut, dass sich ein großer Teil der nun vorgelegten Strategie für die Belebung des Start-up-Ökosystems in Hessen diesen Themen widmet.Und es geht sehr nachvollziehbar weiter. Um zu verstehen, wo der Schuh drückt, reicht es nicht, in ministeriellen Kämmerchen Ferndiagnosen auszustellen. Man muss ran an die, die im Feld arbeiten. Die Befragung von mehr als 80 Akteuren schafft ein klares Bild über den Bedarf.Eitelkeiten zurückstellen, Mainz nicht vergessenSich dann in der Frage der Ziele an erfolgreichen Hubs zu orientieren – allen voran München – und zu schauen, wie deren Erfolgsfaktoren für Hessen anwendbar sind, ergibt ebenfalls Sinn. Die Strategie hat das Potential, dem Bundesland einen ordentlichen Schub zu geben und die kraftvolle Rhein-Main-Region zusammen mit dem Defence-Cluster in Kassel an die Spitze nationaler Start-up-Zentren zu bringen.Abzuwarten bleibt die Verwirklichung. Hier bestehen noch eine Reihe von Hindernissen. Zum einen sieht die Strategie die Bündelung bestehender Ressourcen vor und eine zum Teil vertikale Integration bestehender Hubs in ein großes Ganzes mit Regionalclustern, deren Kern in Frankfurt rund um Futury und das Tech Quartier entstehen soll. Diese enger kooperieren zu lassen, vielleicht sogar zusammenzulegen und zu bündeln, ist richtig, um Redundanzen abzubauen. Es müssen aber alle Akteure an einem Strang ziehen, und es darf nicht auf Besitzstandswahrung gepocht werden.Zum anderen wird es wichtig sein, wer die zentralen Köpfe der hessischen Strategie werden. In München gibt es Führungspersonen, die den Hub rund um die Factory UnternehmerTUM seit vielen Jahren repräsentieren: Susanne Klatten, Helmut Schöneberger und Wolfgang Herrmann. Köpfe gibt es in Hessen viele. Dieses zentrale Gremium muss aber repräsentativ sein und die Menschen, die dazugehören, müssen die Gesichter hinter der Start-up-Strategie werden.Zudem braucht es eine ressortübergreifende Zusammenarbeit in den hessischen Ministerien, unabhängig von individuellen Eitelkeiten, sich Erfolge auf die eigenen Fahnen zu schreiben. Vergessen werden darf zudem nicht Mainz als wichtiger Standort der Region, der, nur weil er auf der anderen Seite des Rheins und damit im anderen Bundesland liegt, in der Strategie nicht auftaucht. Die Uni Mainz ist Teil von Futury, Mainz als Standort ist ein integraler Bestandteil für einen Schub des Start-up-Systems in der Region. Dennoch zeigt die Strategie: In Hessen kann künftig Großes entstehen.
Hessens Start-up-Strategie ist begründet ambitioniert
Die Start-up-Strategie des Landes Hessen ist ambitioniert, aber gut ausgearbeitet. Nun kommt es darauf an, Besitzstandswahrung zu unterlassen und gemeinsam ans Arbeiten zu kommen.







