In Hessen sind im ersten Halbjahr dieses Jahres 270 Start-ups und damit gut 80 Prozent mehr neu gegründet worden als im zweiten Halbjahr 2025 (148). Das geht aus dem Report „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“ hervor, der am Dienstag vom deutschen Startup-Verband veröffentlicht worden ist. Auch in Deutschland insgesamt legte die Zahl der Neugründungen deutlich zu. 3053 neue Start-ups registrierte der Verband in den ersten sechs Monaten des Jahres, das sind eineinhalbmal so viele wie im zweiten Halbjahr 2025 und mehr als im ganzen Jahr 2024. Die Zahl ist so hoch wie noch nie seit dem Beginn der Messungen 2019.Hessen liegt wie auch im Vorjahr bei den Start-up-Neugründungen je 100.000 Einwohner auf Rang vier der Bundesländer, hinter Berlin, Hamburg und Bayern. Das Bundesland konnte aber leicht von 3,9 Gründungen je 100.000 Einwohner im Gesamtjahr 2025 auf 4,3 im ersten Halbjahr 2026 zulegen und liegt damit in dieser Periode zusammen mit Bayern als einziges Flächenland über dem Bundesdurchschnitt von 3,7 Gründungen. Wie im Vorjahr bleibt der Abstand nach vorn jedoch groß. Berlin und Hamburg liegen mit jeweils gut elf Gründungen je 100.000 Einwohner an der Spitze, Bayern mit 4,7 auf Rang drei.Frankfurt holt auf, Darmstadt fällt abHessens Gründungen legen jedoch zusammen mit denen in Hamburg unter den Spitzenländern am dynamischsten zu. Die erwähnten 270 Neugründungen im ersten Halbjahr dieses Jahres sind schon mehr als im gesamten Jahr 2024 (247). Besonders Frankfurt konnte in Hessen aufholen. Nach Rang zwölf im Vorjahr beim Städteranking liegt Frankfurt in diesem Jahr hinter München, Berlin, Düsseldorf und Aachen auf Rang fünf mit 17,9 Neugründungen je 100.000 Einwohner. Darmstadt dagegen, im vergangenen Jahr die einzige hessische Stadt in den Top Ten, fällt von Rang sieben auf Rang 17 zurück.In der Rhein-Main-Region gibt es laut dem Report derzeit drei Unicorns, also Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. Dazu zählt das Laserfusions-Start-up Focused Energy, das jüngst eine Finanzierungsrunde über 250 Millionen Euro abgeschlossen hat. Zudem gehört in den erlesenen Kreis das Batterie-Start-up CMBlu aus Alzenau, das im Frühjahr eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro abgeschlossen hat. Als drittes führt der Report nach wie vor das digitale Versicherungsunternehmen Clark auf, das laut Medienberichten seinen Unicorn-Status eigentlich im Mai dieses Jahres verloren hatte. Deutschlandweit ist die Zahl der Unicorns seit 2020 von elf auf 37 gestiegen, allein 16 davon haben ihren Sitz in Berlin, elf in München. Im internationalen Vergleich klafft aber nach wie vor eine riesige Lücke. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es laut dem Report rund 900 dieser Einhörner.Der wichtigste Treiber des Gründungsbooms ist die Künstliche Intelligenz. „KI senkt die Hürden fürs Gründen deutlich, und immer mehr Menschen nutzen diese Chance“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des deutschen Startup-Verbands. 1038 der gut 3000 neu gegründeten Unternehmen lassen sich demnach dem KI-Sektor zuordnen, davon 844 allein im Software-Sektor.Allerdings müsse aus den zunehmenden Gründungszahlen nun Kapital geschlagen werden, die Unternehmen müssten also auch in Deutschland skalieren können, so Pausder. „Damit aus dem Gründungsboom auch ein Wachstumsboom wird, muss die Politik jetzt beim Thema Kapital liefern – sonst entstehen die Ideen hier und die Champions woanders.“Insbesondere brauche es einen europäischen Kapitalmarkt. Die Initiative für Wachstums- und Innovationskapital in Deutschland (WIN-Initiative), ein Bündnis von Politik, Wirtschaft, Start-ups und der Förderbank KfW, das die Finanzierung von Start-ups und Scale-ups stärken möchte, müsse im Regierungshandeln Priorität bekommen. „Bestehende steuerliche wie regulatorische Hindernisse für Venture-Capital müssen durch Anreize ersetzt werden“, so Pausder weiter. Wagniskapital müsse mit Blick auf die aktuelle Rentendebatte in allen drei Säulen der Altersvorsorge fest verankert werden.