Die Stadt Zürich will ihr Kita-Subventionsmodell bewahren – auch wenn es kompliziert istFamilien mit einem Einkommen von bis zu 200 000 Franken haben Anspruch auf einen subventionierten Kita-Platz. Diese gibt es allerdings nicht in allen Betreuungseinrichtungen. Die Wahlfreiheit der Eltern sei damit eingeschränkt, argumentiert die FDP – und will das ändern.18.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIn Bern erhalten subventionsberechtigte Eltern Betreuungsgutscheine. Die Mehrheit des Zürcher Gemeinderats findet das keine gangbare Lösung für die Stadt.KeystoneAngesichts der sinkenden Geburtenraten ist es in der Stadt Zürich zuletzt sehr viel einfacher geworden, einen Betreuungsplatz für sein Kind im Vorschulalter zu finden. Auch wenn die Zahl der Kitas ebenfalls zurückgeht, gibt es ein Überangebot. Unverändert kompliziert ist dagegen der Antrag für einen subventionierten Platz, auf den Eltern mit einem Gesamteinkommen von weniger als 200 000 Franken im Jahr Anspruch haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der hohe administrative Aufwand ist nur eines der Argumente der FDP, mit denen sie einen Wandel bei der Subventionierung fordert. Sie kritisiert das gegenwärtige System auch, weil es den Eltern keine echte Freiheit bei der Wahl der Kita lasse. Bekommen sie eine Zusage für staatliche Unterstützung, können sie ihr Kind nur in Einrichtungen anmelden, die auch subventionierte Plätze anbieten – und frei haben. Das staatliche Geld fliesst derzeit nämlich an die Kitas.Am Mittwochabend stellte Marita Verbali ihre Idee für eine Reform im Zürcher Stadtparlament vor. Demnach sollen unterstützungsberechtigte Eltern die Leistungen künftig in Form von Gutscheinen direkt vom Staat bekommen und diese in einer Kita ihrer Wahl einlösen können. Die Gutscheine sollen sich – wie die Subventionen – am Einkommen der Familie orientieren. Verbali verwies darauf, dass immer mehr Gemeinden das System einführten, und nicht zuletzt die Städte Bern und Luzern gute Erfahrungen damit machten. Selbst der Branchenverband Kibesuisse begrüsse das Modell, sagte Verbali.Die Ideologie bricht durchDie für Soziales zuständige Stadträtin Céline Widmer (SP) ging allerdings gar nicht gross auf das Argumentarium ein. Ihre Empfehlung, den Vorstoss abzulehnen, stützte sich vor allem auf die Annahme, dass die Stadt Zürich ein jahrelang gewachsenes, bewährtes System habe. Es gebe keinen Grund, dieses «auf den Kopf zu stellen». Der Stadtrat glaube nicht daran, dass sich der administrative Aufwand durch ein anderes System verringern würde. Am Schluss könne man weniger gut steuern, was die Eltern wirklich zahlen würden.Die SP wie auch die Grünen folgten der Stadträtin im Wesentlichen in ihrer Argumentation für den Erhalt eines «guten Systems». Hannah Locher (SP) brachte zudem die Bedenken ein, dass bei einem Wechsel die Qualitätssicherung sowie die Arbeitsbedingungen Kita-Angestellten nicht im gleichen Masse gewährleistet werden könnten – was Marita Verbali bestritt: Die Kitas müsse man, unabhängig von subventionierten Plätzen, auch jetzt auf diese Themen prüfen, sagte sie.Neben diesen Gegenarumenten zeigte sich, wie ideologisch die Debatte um die Kinderbetreuung gefärbt ist. Verbali hielt sich mit Hinweisen auf den wachsenden staatlichen Begehrlichkeiten im Kita-Wesen zurück – erst im April hatte der Gemeinderat die Verstaatlichung von einem Viertel der Zürcher Kitas beschlossen. Sie kamen schliesslich von der Ratskollegin der Mitte. Karin Stepinski stützte die Idee der Liberalen mitunter mit dem Argument, dass sie den staatlichen Arm ein bisschen verkürzen würde. «Wer die Subsidiarität ernst nimmt und den Familien vertraut, muss keine Angst haben vor den Betreuungsgutscheinen», sagte sie.Moritz Bögli von der Alternativen Linken warf der FDP denn auch vor, das Ziel des Vorstosses sei es, den Einfluss der Stadt beschneiden zu wollen. Bei dem Systemwechsel gehe es um möglichst viel Profit und möglichst wenig Kontrolle. Und er fügte hinzu: Die Stadt Bern und auch andere Gemeinden hätten das Modell mitnichten freiwillig eingeführt – sondern weil der Kanton es ihnen vorschreibe. Das Gutschein-Modell sei «in keinster Weise auf das Wohl des Kindes ausgelegt».Ein Modell auf juristisch «wackeligen Beinen»Zwar unterstützen neben der Mitte auch die SVP und ein Teil der Grünliberalen die Idee der FDP. Doch eine relativ knappe Mehrheit von 61 zu 57 Stimmen lehnte das Postulat ab. Dies hätte den Stadtrat verpflichtet, die Umsetzung innerhalb von zwei Jahren zu prüfen.Marita Verbali sagt, für sie sei das Thema noch nicht erledigt. Schon in der Debatte hatte sie erwähnt, dass das sogenannte Normkostenmodell, wie es in Zürich für die Subventionierung von Kita-Plätzen gelte, auf wackeligen Beinen stehe. Verbali bezieht sich dabei einerseits auf ein Rechtsgutachten, dass der Kita-Branchenverband Kibesuisse 2023 erstellen liess und das unter anderem auf die Stadt Zürich Bezug nimmt.Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Modell «vielfach gegen die in der Verfassung verankerte Wirtschaftsfreiheit verstosse». Verbali hat vor allem den Entscheid des Verwaltungsgerichts im Blick. Dieses muss über die Zukunft der im vergangenen November vom Bezirksrat sistierte neue Kita-Verordnung der Stadt entscheiden. Dort ging es primär darum, ob die Stadt Gehälter in privaten Kitas an das städtische Lohnniveau anpassen darf.Doch Verbali ist in der Argumentation des Bezirksrats nicht entgangen, wie oft dort von «Zwang» oder «Eingriff in die geschützte Vertragsfreiheit» durch das bestehende Modell die Rede ist. Wenn der Handlungsdruck auf die Stadt zunehme, könnte ihre Idee noch einmal auf den Tisch kommen, sagt sie.Passend zum Artikel
Zürich will sein Kita-Subventionierungsmodell bewahren - weil es der Stadt Einfluss sichert
Familien mit einem Einkommen von bis zu 200 000 Franken haben Anspruch auf einen subventionierten Kita-Platz. Diese gibt es allerdings nicht in allen Betreuungseinrichtungen. Die Wahlfreiheit der Eltern sei damit eingeschränkt, argumentiert die FDP – und will das ändern.








