Grafik der WocheDie Chinesen kaufen im Mai erstmals seit der Covid-Pandemie weniger ein. Die Schwäche des Konsums im wichtigen Markt trifft Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland. Die Firmen aus der Volksrepublik suchen ihr Heil im Export.Einkaufsstrasse in SchanghaiMargo Evardson / UnsplashDer lange Zeit wichtigste Wachstumsmarkt für viele Schweizer und deutsche Unternehmen schrumpft und bringt damit die europäischen Profiteure des langjährigen Booms in Schwierigkeiten. Chinas Detailhandelsumsatz ist im Mai um 0,6% gesunken im Vergleich zum Mai 2025. Erstmals seit der Covid-Pandemie kauften die Chinesen in einem Monat weniger als in der Vorjahresperiode. Das teilte das Nationale Statistikamt der Volksrepublik bereits am Dienstag mit. Der letzte Rückgang hatte sich im Dezember 2022 ereignet. Im Monat darauf hob die Regierung die Zero-Covid-Politik mit den harten Lockdowns auf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Noch ein weiterer Wirtschaftsindikator deutet auf einen Abschwung hin. Die Anlageinvestitionen sanken in den ersten fünf Monaten des Jahres um 4,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. «Die chinesische Wirtschaft tut sich insgesamt noch schwer», sagt Lynn Song, Chefökonomin für Greater China bei der Bank ING.Chinas Produktion und Exporte wachsen schier unaufhaltsamDie chinesischen Unternehmen weiten trotz der schwachen einheimischen Nachfrage die Fertigung weiter stark aus. Die Industrieproduktion wuchs im Mai um 4,5% zum Vorjahr.Chinas zwischen schwacher Binnennachfrage und boomendem Export gespaltene Wirtschaft setzt Europas Unternehmen von zwei Seiten unter Druck. Einerseits verkaufen sie weniger Konsumgüter als erhofft. Andererseits versuchen die chinesischen Konkurrenten noch vehementer, ihre daheim unverkäuflichen Produkte im Ausland loszuwerden. Der Wert der Exporte stieg im Mai um 19,4%.Die Situation hat bereits Auswirkungen auf die Unternehmen in Europa. Vor allem auch wegen des schwachen Geschäfts in China hat der Autohersteller BMW am Dienstagabend die Jahresprognose stark gesenkt. Der Aktienkurs brach daraufhin am Mittwoch um 8% ein.Die Nachfrageflaute in der Volksrepublik und die Exportförderung von Staats- und Parteichef Xi Jinping verschärfen die Konkurrenz auch auf Drittmärkten der europäischen Unternehmen. Noch dazu geraten diese auf dem Heimatmarkt unter immer grösseren Druck. Dies gilt auch für Deutschlands jahrzehntelange Paradebranche, die Autoindustrie.Chinesische Hersteller erobern immer grössere Anteile des Absatzes von Neuwagen aller Antriebsarten in Westeuropa. Bei den Neuzulassungen im zweiten Quartal stammten bereits 8,7% der verkauften neuen PKW in Westeuropa von chinesischen Autokonzernen, zeigen Daten von Schmidt Automotive Research. «Weil sich das Wachstum am chinesischen Automarkt mit alarmierender Geschwindigkeit verlangsamt, werden die chinesischen Autohersteller nun noch stärker andere Absatzmärkte wie die in Europa suchen», sagt Branchenexperte Matthias Schmidt.Chinas Wirtschaftspolitik bleibt unerbittlich auf Export gepoltErleichterung für die europäischen Unternehmen von Seiten der chinesischen Wirtschaftspolitik ist nicht in Sicht. «China versorgt weiter die eigenen Unternehmen und tut wenig dafür, die Binnennachfrage zu stärken», sagt Esther Goreichy, Visiting Fellow am China-Forschungsinstitut Merics in Berlin. Das Handelsdefizit der Europäischen Union (EU) mit der Volksrepublik erreichte im ersten Quartal einen Rekordstand von 98 Mrd. €.In der EU diskutieren die Regierungschefs der Staaten über Schutzzölle vor unfairer Konkurrenz durch chinesische Unternehmen, die aufgrund günstiger Kredite und subventionierter Energiekosten zu Niedrigpreisen anbieten kann. «Die zunehmenden Exporte der chinesischen Überkapazitäten, oft technologisch anspruchsvolle Produkte zu niedrigen Preisen, bedrohen die industrielle Basis in Europa», warnt China-Expertin Goreichy. «Wenn die EU ihre Politik nicht an Chinas offensive Handelspolitik anpasst, gerät ihr Modell des fairen und transparenten Wettbewerbs in Gefahr», fügte sie hinzu.
China-Flaute: Die Konsumflaute in der Volksrepublik trifft Europas Konzerne
China-Schock: Die Konsumflaute in der Volksrepublik trifft Europas Konzerne und verschärft den Konkurrenzdruck













