Die Chinesen kaufen weniger ein. Die Schwäche des Konsums im wichtigen Markt belastet Börsenwerte aus Deutschland und der Schweiz teilweise schwer. Die Firmen aus der Volksrepublik suchen indes ihr Heil im Export und verstärken so den Konkurrenzdruck.20.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenKostenloses Vergnügen: Menschen bei einem Tanztreff unter freiem Himmel in der Altstadt von Hohhot, der Hauptstadt der Autonomen Region Innere Mongolei.Maxim Shemetov / ReutersDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der lange Zeit wichtigste Wachstumsmarkt für viele Schweizer und deutsche Unternehmen schrumpft und bringt damit die europäischen Profiteure des langjährigen Booms in Schwierigkeiten. Chinas Detailhandelsumsatz ist im Mai um 0,6 Prozent gesunken im Vergleich zum Mai 2025. Erstmals seit der Covid-Pandemie kauften die Chinesen in einem Monat weniger als in der Vorjahresperiode. Das teilte das Nationale Statistikamt der Volksrepublik bereits am Dienstag mit. Der letzte Rückgang hatte sich im Dezember 2022 ereignet. Im Monat darauf hob die Regierung die Zero-Covid-Politik mit den harten Lockdowns auf.Noch ein weiterer Wirtschaftsindikator deutet auf einen Abschwung hin. Die Anlageinvestitionen sanken in den ersten fünf Monaten des Jahres um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. «Die chinesische Wirtschaft tut sich insgesamt noch schwer», sagt Lynn Song, Chefökonomin für Greater China bei der Bank ING.Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenChinas Produktion und Exporte wachsen schier unaufhaltsamDie chinesischen Unternehmen weiten trotz der schwachen einheimischen Nachfrage die Fertigung weiter stark aus. Die Industrieproduktion wuchs im Mai um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.Chinas zwischen schwacher Binnennachfrage und boomendem Export gespaltene Wirtschaft setzt Europas Unternehmen von zwei Seiten unter Druck. Einerseits verkaufen sie weniger Konsumgüter als erhofft. Andererseits versuchen die chinesischen Konkurrenten noch vehementer, ihre daheim unverkäuflichen Produkte im Ausland loszuwerden. Der Wert der Exporte stieg im Mai um 19,4 Prozent.Die Situation hat bereits Auswirkungen auf die Unternehmen in Europa. Vor allem auch wegen des schwachen Geschäfts in China hat der Autohersteller BMW am Dienstagabend die Jahresprognose stark gesenkt. Der Aktienkurs brach daraufhin am Mittwoch um 8 Prozent ein.Die Nachfrageflaute in der Volksrepublik und die Exportförderung von Staats- und Parteichef Xi Jinping verschärfen die Konkurrenz auch auf Drittmärkten der europäischen Unternehmen. Noch dazu geraten diese auf dem Heimatmarkt unter immer grösseren Druck. Dies gilt auch für Deutschlands jahrzehntelange Paradebranche, die Autoindustrie.Chinesische Hersteller erobern immer grössere Anteile des Absatzes von Neuwagen aller Antriebsarten in Westeuropa. Bei den Neuzulassungen im zweiten Quartal stammten bereits 8,7 Prozent der verkauften neuen Pkw in Westeuropa von chinesischen Autokonzernen, wie Daten von Schmidt Automotive Research zeigen. «Weil sich das Wachstum am chinesischen Automarkt mit alarmierender Geschwindigkeit verlangsamt, werden die chinesischen Autohersteller nun noch stärker andere Absatzmärkte wie die in Europa suchen», sagt der Branchenexperte Matthias Schmidt.Chinas Wirtschaftspolitik bleibt unerbittlich auf Export gepoltErleichterung für die europäischen Unternehmen vonseiten der chinesischen Wirtschaftspolitik ist nicht in Sicht. «China versorgt weiter die eigenen Unternehmen und tut wenig dafür, die Binnennachfrage zu stärken», sagt Esther Goreichy, Visiting Fellow am China-Forschungsinstitut Merics in Berlin. Das Handelsdefizit der Europäischen Union (EU) mit der Volksrepublik erreichte im ersten Quartal einen Rekordstand von 98 Milliarden Euro.In der EU diskutieren die Regierungschefs der Staaten über Schutzzölle gegen unfaire Konkurrenz durch chinesische Unternehmen, die aufgrund günstiger Kredite und subventionierter Energiekosten Produkte zu Niedrigpreisen anbieten können. «Die zunehmenden Exporte der chinesischen Überkapazitäten, oft technologisch anspruchsvolle Produkte zu niedrigen Preisen, bedrohen die industrielle Basis in Europa», warnt China-Expertin Goreichy. «Wenn die EU ihre Politik nicht an Chinas offensive Handelspolitik anpasst, gerät ihr Modell des fairen und transparenten Wettbewerbs in Gefahr», fügte sie hinzu.
Chinas Konsumflaute trifft die deutschen Unternehmen
Die Chinesen kaufen weniger ein. Die Schwäche des Konsums im wichtigen Markt belastet Börsenwerte aus Deutschland und der Schweiz teilweise schwer. Die Firmen aus der Volksrepublik suchen indes ihr Heil im Export und verstärken so den Konkurrenzdruck.
Chinas Mai-Konsumnachfrage fiel -0,6% YoY (erstes Post-Covid Minus), doch Exporte stiegen +19,4%: die Overcapacity-Offensive presst europäische Hersteller über Dumping-Preise. Ohne EU-Gegenzölle erodiert das tech-intensive Export-Flooding die Industriebasis Europas.













