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G7-Gipfel: Milde Töne von Trump – Évian ist Macrons letzter Coup Während er innenpolitisch angezählt ist, glänzt Frankreichs Staatschef Macron auf internationaler Bühne. Er inszeniert sich als Gastgeber, der US-Präsident Trump bändigen kann.

Friederike Hofmann 17.06.2026 - 18:03 Uhr Artikel anhörenDaumen nach oben: Für Macron geht es in Évian auch um sein politisches Erbe. Foto: REUTERSÉvian-les-Bains. In Paris schwindet seine Autorität, in Évian gibt Emmanuel Macron noch einmal den Takt vor. Für den französischen Präsidenten ist der G7-Gipfel am Genfer See wahrscheinlich der letzte Auftritt dieser Größe als Gastgeber. Im Mai kommenden Jahres endet seine Amtszeit. Entsprechend groß war der Druck, dass dieses Treffen gelingt.Als am Mittwochmorgen die Staats- und Regierungschefs bereits im Sitzungsraum versammelt sind, fehlt noch einer: Donald Trump. Als der US-Präsident den Raum betritt und der Runde „I am the boss“ zuruft, entgleisen dem indischen Premier Narendra Modi kurz die Gesichtszüge.Macron dagegen bleibt gelassen. „Wie geht’s?“, ruft er Trump zu – und fängt den Moment damit demonstrativ auf. Macron setzte in Évian alles daran, den unberechenbaren US-Präsidenten im Zaum zu halten. Denn für den französischen Präsidenten ist der Erfolg des Gipfels auch mit seinem politischen Vermächtnis verknüpft.Die Strategie ging auf. Trump, der Macron in der Vergangenheit wiederholt verspottet hatte, schlug in Évian ungewohnt milde Töne an und nannte den französischen Präsidenten einen „zufällig sehr netten Mann“.Vor allem aber erwies sich die Gruppe der sieben führenden westlichen Staaten (G7) erstmals seit Langem wieder als handlungsfähig: Die Staats- und Regierungschefs konnten sich auf eine gemeinsame Erklärung zur Ukraine und zum Iran verständigen – etwas, das viele zuvor für unmöglich gehalten hatten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war voll des Lobes: „Es hat sich gelohnt“, sagte er am Mittwoch.Auf dem G7-Gipfel gelang ihm, was in der innenpolitischen Landschaft Frankreichs nicht mehr funktioniert: unvereinbare Positionen zusammenzuführen. Möglich wurde das nicht nur durch Diplomatie und Timing, sondern auch durch eine Reihe kluger taktischer und psychologischer Schachzüge. Die wichtigsten im Überblick.Diplomatie der kleinen GestenIn sozialen Medien inszenierte Gastgeber Macron seine Begegnungen mit den Gipfelgästen in kurzen Videos. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte dabei die „landestypische“ Musik, die er den einzelnen Auftritten unterlegte.Beim Empfang von Bundeskanzler Merz und dessen Frau lief ausgerechnet das Lied der deutschen Sängerin Namika „Lieblingsmensch“. Darin heißt es: „Bei dir kann ich ich sein, verträumt und verrückt sein. Danke, Lieblingsmensch.“Angesichts des zuletzt eher angespannten deutsch-französischen Verhältnisses wirkt diese Musikauswahl überraschend. Das Aus des gemeinsamen Kampfjetprojekts hatte die Beziehungen zuletzt deutlich belastet. Aber als „Lieblingsmensch“ kann man ja nicht lange böse sein.Gespür für Trumps Vorlieben„Ich bin ein Fan schöner Orte“, schwärmte Trump am Dienstag. Macron wusste offenbar genau, worauf er bei dem US-Präsidenten setzen musste. Damit Trump nicht wie beim vorherigen G7-Treffen vorzeitig abreist, lud ihn der französische Präsident für den Abend des letzten Gipfeltags zu einem prunkvollen Dinner anlässlich des Jubiläums der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung nach Versailles ein.Macron machte auch öffentlich kein Geheimnis daraus, worum es ihm ging. Trump müsse bis zum Ende bleiben, um die Vereinbarungen auszuarbeiten, sagte er am Rande des Gipfels – auch mit Blick auf die Gespräche über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz am Mittwoch. Dass in Trumps Nähe offenbar überall dessen Lieblingsgetränk Diet Coke verfügbar war und selbst der Golfplatz in der Umgebung noch einmal herausgeputzt wurde, dürfte ebenfalls kaum Zufall gewesen sein.Im Gegenzug hielt Macron Themen zurück, die den US-Präsidenten erfahrungsgemäß schnell auf Distanz bringen. Heikle Punkte wie der Kampf gegen die Folgen des Klimawandels tauchten auf der Tagesordnung jedenfalls nicht auf.Kalkulierte ZugeständnisseUrsprünglich sollte der Gipfel früher stattfinden. Doch der Termin kollidierte mit Donald Trumps Geburtstag. Macron verlegte das Treffen eigens, damit der US-Präsident seinen 80. Geburtstag in Washington feiern konnte – ein kleines, aber gezieltes Zugeständnis. Trump reiste so nicht nur mit dem angekündigten Rahmenabkommen zum Irankrieg nach Europa, sondern auch in demonstrativ guter Laune.G7-Gipfel: Macron hat seinen amerikanischen Gast am Genfer See fest im Griff. Foto: AP Photo/Julia Demaree NikhinsonGanz anders fiel das Signal beim Empfang in Évian aus. Eigentlich sollte Macron Trump nach offizieller Planung vor den Kameras vor dem Hotel begrüßen. Doch als der US-Präsident am Montag vor dem „Hôtel Royal“ aus dem Auto steigt, steht Trump zunächst allein auf dem roten Teppich. Nur der Protokollchef des Élysée eilt an seine Seite, Macron trifft ihn erst im Inneren des Hotels. Die Botschaft: Trump wird umworben, aber nicht demonstrativ über die anderen Staats- und Regierungschefs gestellt. Verwandte Themen Donald TrumpEmmanuel MacronG7-GipfelIranFriedrich MerzInnenpolitikDemonstrative GelassenheitKurz vor Beginn des Gipfels hatte Donald Trump Frankreich noch mit Zöllen von 100 Prozent auf Wein gedroht – für den Fall, dass Paris an seiner Digitalsteuer festhält. Macron reagierte darauf öffentlich nicht und empfing den US-Präsidenten in Évian dennoch mit dem Zeremoniell eines Staatsbesuchs.Auch beim Iran-Abkommen hielt Macron die Fassade der Einigkeit aufrecht. Er begrüßte die Vereinbarung, pochte zugleich auf die Sanktionsprinzipien der EU und signalisierte Bereitschaft zu einem Militäreinsatz zur Sicherung der Straße von Hormus. Macron vermied so den offenen Konflikt, ohne französische und europäische Positionen preiszugeben. 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