Dass der S. Fischer Verlag Frankfurt verlässt, ist für die Stadt so einschneidend wie der Weggang von Suhrkamp. Dabei stand Fischer für viele Leser schon immer im Schatten des Verlages von Siegfried Unseld. Aber er und seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz machten auch mehr Aufhebens von sich als Fischer-Verlegerin Monika Schoeller und ihre Nachfolger. Sich selbst auf die Brust trommeln und Krawallschlagen sind eine eigene Form von Marketing. Von Frankfurt und der Suhrkamp-Kultur war oft die Rede, von einer Fischer-Kultur nie. Dabei gab es sie, von der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in der „Schwarzen Reihe“ bis zur Pflege von Verlagsklassikern wie Franz Kafka und Thomas Mann, der nach dem Krieg, als die Autoren wählen durften, nicht wie Brecht zu Suhrkamp ging, sondern bei Fischer blieb.Oliver Vogel, derzeitiger verlegerischer Geschäftsführer des Unternehmens, hat die Herausforderungen, denen Verlage sich gegenübersehen, klar benannt. Weniger überzeugend hat er erklärt, warum ausgerechnet der Umzug nach Berlin die Lösung im Kampf gegen den Schwenk der Leser vom Buch zum Smartphone sein soll. Andere Verlage ziehen inmitten sinkender Absatzzahlen auch nicht gleich um. Im Gegenteil, sie bleiben am alten Ort. Aber auf anderen Wiesen wirkt das Gras oft frischer. Fischer sucht nun am grünen Strand der Spree nach einer besseren Zukunft.Dieser Umzug wurde nicht in Frankfurt beschlossenDahinter mag sich eine persönliche Vorliebe Vogels und der restlichen Verlagsspitze verbergen. Klar ist aber auch, dass eine solche Entscheidung im Holtzbrinck-Konzern, zu dem auch Kiepenheuer & Witsch in Köln und Rowohlt in Hamburg gehören, nicht ohne die Zentrale in Stuttgart getroffen wird. Dieser Umzug ist eine Konzernentscheidung. Vermutlich wollte man eine Hauptstadtpräsenz. Es ist deswegen vollkommen richtig, dass die Stadt Frankfurt und das Land Hessen in den vergangenen Jahren, anders als beim Kampf um Suhrkamp im Jahr 2009, kein Millionenpaket geschnürt haben, um Fischer zu halten. Das Geld der öffentlichen Hand ist nicht für Konzernverlage da. Zudem hat Fischer nach allem, was man hört, auch nie den Geldbeutel aufgehalten.In der Verlagsgruppe selbst aber tat sich viel. Vor zwei Jahren führte Holtzbrinck mehrere Kinderbuch-Marken aus Hamburg und Frankfurt unter neuem Namen am Main zusammen. Das seit Langem zu bemerkende Herumschrauben an der eigenen Hardware geht nun weiter. Erst wurde in Hamburg Barbara Laugwitz vergrault, die jetzt nicht bei Rowohlt, sondern bei der Konkurrenz von dtv einen Erfolgs-Mix aus Literatur und Unterhaltung auf den Markt bringt, dann sollte Siv Bublitz in Frankfurt Fischer aufmischen, wurde aber schon nach drei Jahren wieder vor die Tür gesetzt und durch den zuvor nach Berlin vertriebenen Vogel ersetzt. Dem im August 2025 Christina Dohmann als Vorsitzende der Geschäftsführung vor die Nase gesetzt wurde. Stete Hand und Überblick sind bei Holtzbrinck nicht immer offensichtlich.Frankfurt als Stadt der Debatten wird den Umzug kaum bemerken. Über Bücher und Meinungen wird von der Paulskirche über das Literaturhaus bis zum Schauspiel auch weiterhin gestritten werden. Aber auch die Frankfurter Buchmesse spürt die Branchenkrise und erfindet sich für den Herbst 2026 mit einem veränderten Besucherkonzept gerade neu.Es ist gut, dass der Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung davon spricht, die Zusammenarbeit mit ihr zu intensivieren. Sie und ihr Veranstalter, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, stehen zusammen mit Stadt und Land als Eigentümern der Messe Frankfurt für die Glaubwürdigkeit des verblassenden Labels als Buchstadt, von dem alle profitieren. Wer jetzt noch da ist, muss zusammenhalten.
Wegzug des Verlags S. Fischer trifft Frankfurt schwer
Schwer vorstellbar, dass der Ortswechsel von S. Fischer dem Verlag hilft. Frankfurt bleibt allein zurück. Kann die Stadt etwas tun?












