Pius Amrein / CH MediaDer Bürgenstock wird erneut zum Zauberberg der Weltpolitik. Doch hinter den Kulissen des Abkommens pokert Katar auf eigenem Terrain.17.06.2026, 16.03 Uhr6 LeseminutenEs ist ein Szenario ganz nach dem Geschmack von Donald Trump: Erst wird im Lakeview Ballroom des Bürgenstock-Resorts das Abkommen mit Iran unterzeichnet, dann geht es sofort auf den direkt danebengelegenen Alpine-Bürgenstock-Golfplatz. Doch der US-Präsident wird am Freitag voraussichtlich nicht persönlich in der Innerschweiz abschlagen. Er wird diesen zeremoniellen Akt wohl seinem Vizepräsidenten J. D. Vance überlassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Unabhängig davon, ob Trump oder seine Nummer zwei am Freitag die Grundsatzerklärung unterschreiben wird: Die Mitarbeiter des Secret Service, die für den Personenschutz von Präsident und Vize zuständig sind, kennen die Gegebenheiten auf dem Bürgenstock genau. Sie waren nämlich vor fast genau zwei Jahren schon einmal hier.Im Juni 2024 hat die Ukraine-Konferenz mit fast hundert Staatschefs die lange, glanzvolle Tradition des Bürgenstocks als Ort der diskreten Diplomatie wiederbelebt. Nun steht die Hotelanlage für einen Tag erneut im Fokus der Weltöffentlichkeit. Das aus rund 30 Gebäuden bestehende Resort thront 440 Meter über dem Vierwaldstättersee, lässt sich leicht abriegeln und bietet einen erstklassigen Service für die hochkarätigen politischen Gäste.Das freut auch den Secret Service. Bei der Konferenz 2024 auf dem Nidwaldner Hotelberg vertrat die damalige Vizepräsidentin Kamala Harris die USA. Damals griff das volle Schutzprogramm der amerikanischen Bundesbehörde. Das Luxusresort wurde logistisch abgeriegelt. Gemeinsam mit dem Hotelmanagement und den Schweizer Behörden sorgte der Secret Service dafür, dass von der Bettwäsche bis zu den Lebensmitteln alles bereits Wochen im Voraus logistisch geplant und die Lieferketten streng überprüft wurden.Die damalige US-Vizepräsidentin Kamala Harris neben Wolodimir Selenski an der Ukraine-Friedenskonferenz.Michael Buholzer / KeystoneDie Nidwaldner Bergwelt bildete eine prächtige Kulisse für das Gruppenfoto an der Ukraine-Friedenskonferenz.Michael Buholzer / KeystoneDas Treffen zwischen Iran und den USA ist kurzfristig einberufen worden. Trotz nur kurzer Vorbereitungszeit dürfte erneut jeder der über 1000 Hotel- und Service-Mitarbeiter streng überprüft werden. Während Schweizer Polizisten die äusseren Ringe und die Zufahrtsstrassen sichern, übernimmt der Secret Service den unmittelbaren Personenschutz rund um die US-Delegation.Wie bereits bei der Ukraine-Friedenskonferenz wird auch die Schweizer Armee am kommenden Freitag im Einsatz sein. Das Staatssekretariat für Sicherheit hat mitgeteilt, dass der Bundesrat den Einsatz von maximal 2000 Armeeangehörigen genehmigt hat. Sie werden die Kantonspolizei Nidwalden bei Aufgaben in den Bereichen Objektschutz, Überwachung, Erkundung, Transport und Logistik unterstützen. Zudem soll der Luftraum rund um den Bürgenstock in einem Radius von 46 Kilometern eingeschränkt werden.Die sagenumwobenen Bilderberg-Konferenzen fanden dreimal auf dem Bürgenstock statt: 1960, 1981 und 1995. Dabei traf sich die internationale Elite aus Politik, Wirtschaft und Militär zu informellen Gesprächen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit debattierten sie hoch über dem Vierwaldstättersee über die geopolitischen Herausforderungen des Kalten Krieges.2002 nutzte die Schweiz die zwischen 1873 und 1903 erbaute Hotelanlage erstmals als Ort für ihre Guten Dienste. Auf dem Bürgenstock wurde ein Abkommen zwischen der sudanesischen Regierung und der Rebellenarmee der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung ausgehandelt. Der dort unterzeichnete Waffenstillstand für die Nuba-Berge ebnete den Weg für das spätere Friedensabkommen und beendete den verheerenden, jahrzehntelangen Bürgerkrieg.Der Deal zwischen den USA und Iran wird wohl mit Blick auf die Innerschweiz unterzeichnet.Pius Amrein / CH MediaWährend der Ukraine-Konferenz 2024 sperrte die Armee ganze Landstriche in Nidwalden mit Stacheldraht ab.CH MediaIm März 2004 trafen sich unter der Leitung des damaligen Uno-Generalsekretärs Kofi Annan im März 2004 die Spitzenvertreter der griechischen und türkischen Zyprioten sowie die Aussenminister Griechenlands und der Türkei auf dem Bürgenstock. Ziel war es, die festgefahrenen Verhandlungen zu lösen und die geteilte Insel rechtzeitig vor dem EU-Beitritt wieder zu vereinigen.Adenauers SommerfrischeAuch wenn gerade keine internationale Konferenz stattfand, war der Bürgenstock über viele Jahrzehnte hinweg ein Tummelplatz für Staatschefs und hochrangige Politiker aus der ganzen Welt. Als Rückzugsort entdeckt und berühmt gemacht hat den abgeschiedenen Hotelberg der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer. Dreimal verbrachte «der Alte», wie er respektvoll genannt wurde, nach 1950 seine Sommerferien hoch über dem Vierwaldstättersee. Dabei interpretierte er den Begriff Urlaub eigenwillig. Denn Adenauer verlegte den Regierungssitz vom beschaulichen Bonn auf den noch viel beschaulicheren Bürgenstock. Von hier aus machte sein «fliegendes Kabinett» Weltpolitik.Zudem gaben sich deutsche Staatsmänner wie Theodor Heuss, Walter Scheel und Helmut Schmidt ebenso die Klinke in die Hand wie die israelische Politprominenz um Staatsgründer David Ben Gurion und Ministerpräsidentin Golda Meir. Auch Indien war prominent vertreten, und zwar durch Premierminister Jawaharlal Nehru und seine Tochter Indira Gandhi. In dem Luxusresort verzichtete man gern auf steife, offizielle Treffen – die entscheidenden Gespräche liefen ungezwungen am Rande des legendären nierenförmigen Pools. Der Bürgenstock wurde zum Zauberberg der Diplomatie.Der Bürgenstock lebte jedoch nicht allein von der Politik. Nach 1953 gestaltete der damalige Besitzer Fritz Frey die Hotelanlage um. Es entstand eine Mischung aus Märchenwelt im Heidiland und Swinging Fifties. Der alpine Golfplatz und die Tennisplätze sorgten für ein gewisses Palm-Springs-Feeling. So traf sich die Hollywood-Prominenz an diesem Ort, an dem Diskretion Ehrensache war.Für Glanz und Glamour sorgte unter anderem die italienische Filmgöttin Sophia Loren. Sie lebte mit ihrem Mann, dem Regisseur Carlo Ponti, mehrere Jahre lang in einem Haus, das zum Resort gehörte. In ihrer Nähe lebte mit Audrey Hepburn eine weitere Hollywood-Ikone. Hepburn und ihr Mann, der Schauspieler Mel Ferrer, wohnten über neun Jahre lang in der Villa Bethania, einem Landhaus in der Nähe des Resorts. Die Villa ist heute in Privatbesitz. Für die Mitglieder der amerikanischen Delegation lohnt sich am Freitag ein Besuch der kleinen Kapelle im Resort. Dort gaben sich Hepburn und Ferrer nämlich am 24. September 1954 das Jawort.Die grosse Ära des Hollywood-Glamours und des internationalen Jetsets ging in den späten 1970er Jahren zu Ende. Die Hotels lebten noch einige Jahre von ihrem Prestige, aber die Substanz begann zu bröckeln. 1996 verkaufte die Familie Frey das Resort, das sich fast 75 Jahre in ihrem Besitz befand. Drei Jahre später kollabierte das Finanzkonstrukt hinter dem Resort. Die Grossbank UBS musste den Bürgenstock mitsamt einem riesigen Schuldenberg für den symbolischen Betrag von einem Franken übernehmen, um den Betrieb vor dem Konkurs zu retten.2006 mussten die Hotels geschlossen werden. Die Rettung für die historische Anlage, die langsam zu zerfallen drohte, kam aus dem Nahen Osten. 2007 wurde der Bürgenstock mangels Schweizer Investoren an das Emirat Katar verkauft. Der Staatsfonds Katara Hospitality investierte mehr als 550 Millionen Franken, um ein Luxusresort der Spitzenklasse zu schaffen. 2017 wurde die Anlage wiedereröffnet.Der katarische Staatsfonds investierte über 550 Millionen Franken in die Erneuerung der Hotelanlage.Corinne Glanzmann / Neue Luzerner ZeitungAuf dem Bürgenstock trifft Luxus auf Landwirtschaft.Michael Buholzer / KeystoneDie für Freitag vorgesehene Unterzeichnung des Memorandum of Understanding wird daher zu einem Heimspiel für Katar. Das Emirat hat gemeinsam mit Pakistan die entscheidende Rolle des Chefvermittlers eingenommen. Der Bürgenstock bietet sich als Konferenzort an, da Katar hier nicht nur als diplomatischer, sondern quasi auch als physischer Gastgeber auf eigenem Terrain agieren kann.Die Schweiz stellt eigentlich nur die neutralen diplomatischen Rahmenbedingungen. Diese Aufgabe hat es jedoch in sich. Muss doch die Schweiz innerhalb weniger Tage eine politisch hochbrisante Konferenz organisieren und das notwendige Aufgebot von Polizei und Militär stellen.Verkaufsgerüchte machten die RundeDennoch scheinen die Katarer scheinen mit ihrem Luxusresort in der Innerschweiz nicht ganz glücklich zu sein. Vor der Durchführung der Ukraine-Konferenz 2024 machten mehrmals Gerüchte die Runde, dass der Staatsfonds sein Investment abstossen wolle.Laut Informationen der NZZ liess sich die katarische Herrscherfamilie in den letzten Monaten nur selten auf dem Bürgenstock blicken. Während der Kriegshandlungen zwischen dem Iran und den USA suchte sie vor allem in London Zuflucht. Ob ein Mitglied der Herrscherfamilie am Freitag bei der Zeremonie anwesend sein wird, ist noch unklar. Auch die Zusammensetzung der Delegationen der USA, des Iran, Pakistans und Katars war am Mittwoch noch nicht bekannt.Das Hotelresort bei Nacht.Michael Buholzer / KeystonePassend zum Artikel
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