Inspektoren, ein Krisenstab und eingefrorene Guthaben: Auf dem Bürgenstock gab es wenigstens ein bisschen FortschrittNach dem Treffen in der Innerschweiz zeigen sich alle Beteiligten erfreut. Trotzdem gelang bei den Verhandlungen zwischen Iran und Amerika aber kein grosser Durchbruch. Vor allem in Libanon bleibt die Lage angespannt.22.06.2026, 16.30 Uhr3 LeseminutenEr hatte gute Neuigkeiten zu verkünden: Der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance am Montag auf dem Bürgenstock.Nathan Howard / ReutersEinen Erfolg konnten die Vermittler aus Katar und Pakistan für sich verbuchen: Der Gipfel zwischen Iran und Amerika auf dem Bürgenstock fand nicht nur statt – er wurde auch ordentlich zu Ende geführt. Dabei sah es vorübergehend ganz anders aus: Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump während der laufenden Gespräche mit neuen Angriffen auf Iran gedroht hatte, erwog die iranische Delegation eine vorzeitige Abreise.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Schluss konnten Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Aussenminister Abbas Araghchi nicht nur zum Bleiben überredet werden: Sie verliessen den idyllischen Bergrücken in der Innerschweiz am Montag sogar mit einem Lächeln. Die Unterredungen seien sehr gut verlaufen, sagten alle Beteiligten später. Nicht nur die Katarer und Pakistaner bezeichneten sie als produktiv.Die Atominspektoren kehren zurückDie Verhandlungen in der Schweiz würden die Grundlage für ein erfolgreiches Abkommen legen, sagte auch der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance, der die Delegation aus Washington auf dem Bürgenstock anführte. Zwar brachte das Treffen wie erwartet nicht den grossen Durchbruch. Immerhin erklärte sich Iran laut Vance aber angeblich bereit, die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wieder in ihr Land zu lassen.Die Inspektoren waren zuletzt im Sommer 2025 dort gewesen. Die Rückkehr der Nuklearüberwacher ist ein erster Vertrauensbeweis zwischen den beiden Kriegsparteien. Schliesslich war Irans Atomprogramm – neben Trumps ausdrücklichem Wunsch, das Teheraner Regime zu stürzen – einer der zentralen Kriegsgründe gewesen.Zudem einigten sich beide Seiten auf eine Art Roadmap, mit deren Hilfe in den nächsten 60 Tagen Lösungen für die übrigen Streitpunkte gefunden werden sollen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Strasse von Hormuz offen bleibt. Der Seeweg im Persischen Golf war kurz nach den Angriffen Amerikas und Israels auf Iran von den Revolutionswächtern gesperrt worden. Nicht zuletzt hob Washington vorerst die Sanktionen auf iranische Ölexporte auf.Ein Krisenstab für LibanonAndere Fragen bleiben ungelöst. Zwar überlegen die Amerikaner, eingefrorene Guthaben Irans freizugeben. Genaueres ist dazu aber noch nicht bekannt. Daneben ist es vor allem Libanon, welches den Beteiligten Kopfzerbrechen bereitet. Im Levante-Staat kämpft Amerikas Verbündeter Israel immer noch gegen die proiranische Hizbullah-Miliz. Teheran will, dass sich Jerusalems Armee aus dem Land zurückzieht. Israel weigert sich jedoch.Libanon war auch der Grund für den einzigen Eklat auf dem Bürgenstock: Donald Trump hatte aus der Ferne von Teheran gefordert, den Hizbullah an die Kandare zu nehmen, und im Verweigerungsfall mit Gewalt gedroht. Daraufhin verliessen die Iraner kurzerhand den Verhandlungsraum. Am Ende einigten sich die Unterhändler auf einen Krisenstab für das kaputte Mittelmeerland.Ob dieser neue Mechanismus zur Deeskalation – über dessen genaue Funktionsweise nichts bekannt ist – an der Lage im Land etwas ändern kann, ist fraglich. Weder Israel noch der Hizbullah waren an den Verhandlungen beteiligt. Während die Schiitenmiliz inzwischen fast vollständig iranhörig geworden ist, fahren die Israeli einen eigenen Kurs. Nur mit viel Mühe konnte Trump seine Verbündeten am Wochenende von einer Waffenruhe überzeugen.Die Regierung in Beirut hat die Kontrolle verlorenDerweil versucht Libanons Regierung verzweifelt, nicht ganz die Kontrolle über ihr Land zu verlieren. Am Montag kam Präsident Joseph Aoun immerhin in den Genuss eines Telefongesprächs mit Vance. In nächster Zeit soll er zudem nach Washington reisen. Was dort besprochen werden soll, ist unklar. Libanons schwache Armee kann weder das eigene Territorium gegen die Israeli verteidigen noch den Hizbullah entwaffnen.Als wäre das nicht schlimm genug, musste Aoun auch noch tatenlos zusehen, wie die Iraner über seinen Kopf hinweg über das Schicksal Libanons verhandelten. Zähneknirschend begrüsste er den von Teheran erzwungenen Waffenstillstand zwar, betonte aber, Libanon sei ein souveräner Staat und müsse selbst entscheiden. Aoun hatte als Reaktion auf den Krieg direkte Verhandlungen mit Israel aufgenommen – bisher allerdings ohne zählbaren Erfolg.Passend zum Artikel
Bürgenstock-Gipfel bringt Annäherung, aber keinen Durchbruch
Nach dem Treffen in der Innerschweiz zeigen sich alle Beteiligten erfreut. Trotzdem gelang bei den Verhandlungen zwischen Iran und Amerika aber kein grosser Durchbruch. Vor allem in Libanon bleibt die Lage angespannt.













