KommentarDie Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den beiden Kontrahenten ist für die Berner Diplomatie ein Erfolg. Aber sie sollte mit dem über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauen sorgfältiger umgehen.16.06.2026, 16.59 Uhr3 LeseminutenNach der Ukraine-Konferenz im Jahr 2024 findet auf dem Bürgenstock erneut ein diplomatischer Grossanlass statt.Urs Flüeler / KeystoneAm Freitag dürfte die Schweiz im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit stehen. Die USA und Iran beabsichtigen, auf dem Bürgenstock ein Rahmenabkommen zu unterzeichnen, das das iranische Nuklearprogramm beenden soll. Das Aussendepartement (EDA) bestätigte am Dienstag entsprechende Berichte der NZZ und anderer Medien. Wie es sich für eine diskrete Gastgeberin gehört, äusserte sich das EDA zurückhaltend. Man schaffe die diplomatischen Voraussetzungen, damit das Treffen wie geplant stattfinden könne, hiess es. Der Verhandlungsort sei von den Mediatoren Pakistan und Katar sowie den Konfliktparteien vorgeschlagen worden. Ursprünglich war Genf als Schauplatz im Gespräch gewesen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dass die Schweiz ein diplomatisches Grossereignis auf dem Bürgenstock reibungslos organisieren kann, hat sie im Jahr 2024 mit der Ukraine-Konferenz bewiesen. Die involvierten Staaten zeigten sich damals hochzufrieden. Für die Berner Diplomatie bedeutet der Zuschlag einen willkommenen Erfolg. Im zerrütteten Verhältnis zwischen Washington und Teheran schien die Schweiz in den letzten Wochen kaum mehr eine Rolle zu spielen – und dies, obwohl Bern in Iran seit Jahrzehnten die amerikanischen Interessen vertritt. Dieses Schutzmachtmandat umfasst neben konsularischen Aufgaben einen vertraulichen Kommunikationskanal, den in den vergangenen Jahren auch das iranische Regime öfter nutzte.Dennoch wäre es unangebracht, sich auf die Schulter zu klopfen. Dem EDA unterliefen im Umgang mit Iran in letzter Zeit Fehler. Im März verliess Olivier Bangerter das Land. Der Schweizer Botschafter hatte sein Amt erst im Juli 2025 angetreten. Bern schloss die Vertretung aus Sicherheitsgründen. Bangerter, der nach einem früheren Einsatz in Kabul als krisenerprobt galt, hatte genug. Täglich hätten in Teheran 150 bis 200 Raketen der USA und Israels eingeschlagen, sagte er nach seiner Rückkehr. Das EDA beeilte sich zu betonen, dass der Kommunikationskanal zwischen den verfeindeten Staaten trotzdem offen sei.Die Berner Zentrale kann keinen Diplomaten zwingen, gegen seinen Willen in einem akuten Krisengebiet auszuharren. Dennoch sandte die Schweiz mit der Schliessung der Botschaft ein fragwürdiges Signal aus – zumal sie in Teheran ihr wichtigstes Schutzmachtmandat ausübt. Andere europäische Staaten, etwa skandinavische Länder, hielten ihre Vertretungen offen. Die Schweiz hätte zumindest symbolisch Präsenz durch einen Geschäftsträger markieren können.Zudem sprach Bangerter nach seiner Rückkehr zu viel. Er deutete an, der Schweizer Kommunikationskanal sei inaktiv. Und er erwähnte die Alkoholvorräte in der Teheraner Botschaft. Der «Blick» berichtete, dass dies Iran verärgert habe. Zwar wird in Teheran abseits der Öffentlichkeit Alkohol konsumiert. Dass westliche Botschaften bei Anlässen für ausländische Gäste Wein ausschenken, ist nicht unüblich. Doch ein Schweizer Missionschef in Iran müsste wissen, dass die Islamische Republik auf solche Aussagen empfindlich reagiert.Ende April kehrte ein kleines Team der Schweizer Botschaft mit einem Geschäftsträger nach Teheran zurück. Dass Olivier Bangerter nicht mehr dabei war, räumte das EDA erst auf Nachfrage der Zeitungen von CH Media ein. Der Botschafterposten in Iran ist verwaist, in einer schwierigen Lage.Die geplante Unterzeichnung des Rahmenabkommens auf dem Bürgenstock zeigt, dass die Schweiz nach wie vor das Vertrauen der Konfliktparteien geniesst. Es handelt sich um beste PR. Die Schweiz kann zeigen, dass die Neutralität nicht nur ihr selber nützt. Diese erleichtert Gute Dienste, auch wenn sie dafür keine Voraussetzung ist. Die Schweiz wird ihre Rolle trotz der kurzen Vorlaufzeit zweifellos gewohnt professionell ausfüllen. Aber sie sollte es vermeiden, erneut einen redseligen Diplomaten nach Iran zu entsenden, der sich als Fehlbesetzung erweist.Passend zum Artikel
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Die Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den beiden Kontrahenten ist für die Berner Diplomatie ein Erfolg. Aber sie sollte mit dem über Jahrzehnte aufgebauten Vertrauen sorgfältiger umgehen.











