Es ist eine heikle Premiere: Zum ersten Mal verhandelt die EU mit einem Land im Krieg – der Ukraine – über den Beitritt. Zum ersten Mal sollen EU-Normen und -Standards unter massiver Bedrohung und Bombenhagel eingeführt werden, während die Europäer Geld und Waffen nach Kiew schicken, um das Land gegen Russland zu verteidigen.

Geht das? Und kann das gutgehen? Präsident Wolodymyr Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wollen keine Zweifel aufkommen lassen. Die Ukraine mache einen „gewaltigen Schritt nach vorn“, sagte von der Leyen zum Start der Beitrittsverhandlungen am Montag in Luxemburg. Europa sei nicht zu stoppen, meint Selenskyj. Der ukrainische Staatschef sieht sein Land schon am 1. Januar 2027 in der EU.

Ukraine in die EU? Historischer Schritt mit ungewissem Ausgang

Doch so schnell wird es nicht gehen, da sind sich alle Experten einig. Auch Moldau, mit dem die Europäer nun ebenfalls über den Beitritt verhandeln, wird sich noch gedulden müssen. Schon jetzt liegen die beiden osteuropäischen Länder zwei Jahre hinter dem Plan. Ein Veto des früheren ungarischen Regierungschefs Viktor Orban hatte den Start der EU-Gespräche verhindert.

Nach dem Abgang von Orban ist der Weg nun zwar frei, der Startschuss ist mit viel Tamtam erfolgt. Doch die Hürden zum Beitritt sind so groß, dass die Ukraine und Moldau normalerweise noch viele Jahre warten müssen. Dies zeigen die Länder des Westbalkans. Sie warten schon seit mehr als 20 Jahren auf das begehrte Ticket für die EU, den Neuankömmlingen dürfte es kaum besser gehen.