Der andere BlickDer Sender aus Mainz fällt immer wieder mit irreführenden Sendungen auf. Erst vergangene Woche warf er Musk ohne jeden Beleg vor, dieser rufe zu Menschenjagden auf. Die ideologische Schieflage hat beim ZDF System.16.06.2026, 18.00 Uhr4 LeseminutenIm «Heute-Journal» des ZDF ging es am Freitagabend um die Frage, warum Elon Musk die Proteste in Grossbritannien unterstützt. Die Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg liess sich zu abenteuerlichen Behauptungen hinreissen.Screenshot NZZSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Abend», heute von Nathan Giwerzew, Redaktor der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dass der amerikanische Tech-Unternehmer Elon Musk bei Deutschlands öffentlichrechtlichen Sendern einen schlechten Ruf hat, ist nichts Neues. Er gilt ihnen als Inbegriff des rechten Chaoten, der auf dem Rücken anderer Profit macht. Doch das «Heute-Journal» des ZDF ging am Freitag vergangener Woche noch weiter. Wer sich die Ausgabe ansah, hatte zwangsläufig den Eindruck: Dieser Mann will nichts Geringeres als den Bürgerkrieg.In der Sendung ging es um die nordirische Stadt Belfast, wo ein sudanesischer Asylbewerber auf offener Strasse versucht hatte, einem Anwohner den Kopf abzuschneiden. «Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten», sagte die Moderatorin Christina von Ungern-Sternberg und schob hinterher: «Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.»Sie raunte: «Welche Akteure haben ein Interesse daran, ein Gewaltverbrechen zu nutzen, um zum Bürgerkrieg aufzurufen?» Kurz darauf blendete der Sender Musks Porträt ein. Dass Musk rechtliche Schritte gegen das ZDF angekündigt hat, ist vor diesem Hintergrund verständlich. Das ZDF interpretiert sein Verhalten so tendenziös, dass es damit bereits die Grenze zur justiziablen Falschbehauptung überschritten haben könnte. Die Fakten geben die Unterstellung, Musk wolle den Bürgerkrieg, jedenfalls nicht her.Ursprünglich hatte der rechte Aktivist Tommy Robinson nach dem Mordversuch in Belfast auf der Plattform X zu landesweiten Protesten aufgerufen. Musk teilte Robinsons Aufruf mit den Worten, nur «durch wiederholten und lauten Protest» werde es «zu einer Veränderung kommen». Man kann mit guten Argumenten kritisieren, dass die Gewalttäter in Belfast Robinsons und Musks Beiträge nutzten, um ihre ausländerfeindlichen Übergriffe zu rechtfertigen. Aufrufe zur Menschenjagd waren das dennoch nicht.Viele ZDF-Berichte sind ideologisch eingefärbtSpäter räumte der Sender ein, dass die Formulierung zu Beginn des Beitrags «unpräzise und dadurch missverständlich» gewesen sei. Das mag sich aus Sicht der ZDF-Redaktoren so darstellen. Sie übersehen dabei aber den Balken im eigenen Auge: Ihre Berichte sind derart weltanschaulich eingefärbt, dass die Unterscheidung zwischen dem sachlichen Bericht und dem wertenden Kommentar immer mehr verschwimmt.Das ist ein Problem, denn das ZDF darf sich laut dem Rundfunkstaatsvertrag nicht in dieser Grauzone bewegen. Der Vertrag sieht vor, dass die öffentlichrechtlichen Sender nur dann Rundfunkgebühren verlangen dürfen, wenn sie ausgewogen und faktisch korrekt berichten.Diese Schieflage besteht beim ZDF schon länger. Besonders augenfällig wurde sie im Oktober 2022, als das Satiremagazin «ZDF Magazin Royale» eine Sendung über Arne Schönbohm ausstrahlte. Der Moderator Jan Böhmermann unterstellte dem damaligen Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Verbindungen zu russischen Geheimdiensten. Die damalige sozialdemokratische Innenministerin Nancy Faeser liess ihn von seinem Amt abberufen.Doch auch Inhalte von Satiresendungen müssen mit Fakten belegt sein. Weil Böhmermann für seine Vorwürfe keinen einzigen Beleg vorweisen konnte, verklagte ihn Schönbohm auf Unterlassung. Vor zwei Jahren verbot das Landgericht München Böhmermann vier von fünf Falschbehauptungen, die er in der Sendung getätigt hatte. Das Oberlandesgericht München bestätigte an diesem Dienstag dieses Urteil.KI-Fakes und falsche SteinigungsvorwürfeDie linksideologische Schlagseite des ZDF zeigt sich auch an der Berichterstattung seiner Journalisten aus den USA. Dort liess sich der Korrespondent Elmar Thevessen in der Talkshow «Markus Lanz» zu der Behauptung hinreissen, der im September ermordete nationalreligiöse Aktivist Charlie Kirk habe die Steinigung von Homosexuellen befürwortet. Tatsächlich hatte Kirk in einer Diskussion über Homosexualität nur eine entsprechende Bibelstelle zitiert.Weiter ging es im Februar mit einer Sendung des «Heute-Journals», die zeigen sollte, wie brutal die amerikanische Grenzkontrollbehörde ICE gegen Migranten vorgehe. Doch die Videos weinender Kinder, die das ZDF eingeblendet hatte, waren nicht echt. Sie waren die Erzeugnisse einer künstlichen Intelligenz. Nichts davon hatte sich in Wirklichkeit so ereignet, alle Personen waren frei erfunden. So weit hätte es nie kommen dürfen.Das ZDF hätte die Russland-Kontakte des von Schönbohm mitgegründeten Vereins «Cyber-Sicherheitsrat Deutschland» thematisieren können, ohne ihm diese persönlich in die Schuhe zu schieben. Es hätte Kirks christlichen Aktivismus kritisch einordnen können, ohne ihn zu dämonisieren. Und es hätte ohne falsches Videomaterial aufzeigen können, was an den Einsätzen der ICE-Behörde rechtsstaatlich fragwürdig war. Dass es all das unterliess, ist nur damit zu erklären, dass im ZDF besonders gern «Weltbild-Bestätigungs-Sendungen» produziert werden.Mit diesem gelungenen Ausdruck hatte einmal ein ZDF-Journalist in einer internen Aussprache seinen Arbeitgeber belegt. Doch dieser hat daraus offenkundig nichts gelernt. Dabei diskutieren deutsche Liberale und Konservative schon seit längerem über die Frage, wozu es neben dem riesigen Apparat der ARD noch einen zweiten grossen öffentlichrechtlichen Sender brauche. Schon im September könnte eine neue Landesregierung im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt den Rundfunkstaatsvertrag kündigen, falls dort die AfD die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament erringt. Den Verantwortlichen in Mainz sollte das eine Warnung sein.Passend zum Artikel
Falschbehauptungen über Musk und Schönbohm: Das ZDF lernt nichts aus seinen Skandalen
Der Sender aus Mainz fällt immer wieder mit irreführenden Sendungen auf. Erst vergangene Woche warf er Musk ohne jeden Beleg vor, dieser rufe zu Menschenjagden auf. Die ideologische Schieflage hat beim ZDF System.










