PfadnavigationHomeSportFußballWMBei Deutschland-Spiel„Neonazistische“ Geste? Schiedsrichter wehrt sich gegen die Vorwürfe, Fifa spricht ihn freiStand: 03:53 UhrLesedauer: 3 MinutenEin australischer Video-Schiedsrichter steht bei der WM im Mittelpunkt einer Kontroverse. Das Antirassismus-Netzwerk Fare fordert seine Absetzung. Es geht um eine Handgeste vor dem Spiel Deutschland-Curaçao.Ein australischer Video-Schiedsrichter steht bei der WM im Mittelpunkt einer Kontroverse. Das Antirassismus-Netzwerk Fare fordert seine Absetzung. Es geht um eine Handgeste. Der Beschuldigte beteuert seine Unschuld. Die Fifa fällt ein Urteil.Bei der Weltmeisterschaft hat ein Vorfall abseits des Rasens die Fifa beschäftigt. Das internationale Antirassismus-Netzwerk Fare forderte die Absetzung des australischen Video-Schiedsrichters Shaun Evans. Hintergrund ist eine Handgeste, die während der TV-Übertragung des deutschen Auftaktspiels gegen Curaçao zu sehen war und von der Organisation als mögliches rechtsextremes Symbol interpretiert wurde.Der Vorfall ereignete sich kurz vor dem Anpfiff der Partie am Sonntag in Houston. Während der offiziellen Übertragung schaltete die Regie zu den Video-Assistenten im WM-Übertragungszentrum in Dallas. Dabei war Evans für wenige Sekunden im Bild zu sehen. Der 38-jährige Australier formte mit Daumen und Zeigefinger ein „OK“-Zeichen und hielt die Hand vor sein rechtes Bein. Aufnahmen der Szene verbreiteten sich anschließend in sozialen Medien. Am Montag reagierte Fare mit einer Stellungnahme und forderte Konsequenzen.„Unsere Experten kommen zu dem Schluss, dass die verwendete Geste eindeutig einem umgedrehten ‚OK‘-Handzeichen ähnelt, das in rechtsextremen Kreisen weltweit als ‚White Power‘-Symbol verwendet wird“, erklärte das Netzwerk. Fare arbeitet seit Jahren mit Fifa und Uefa zusammen und dokumentiert bei internationalen Turnieren rassistische und diskriminierende Vorfälle. Die Organisation forderte die Fifa auf, Evans von weiteren Einsätzen bei der Weltmeisterschaft auszuschließen. „Dieser Offizielle sollte bei dieser Weltmeisterschaft eindeutig keine weitere Rolle mehr spielen“, hieß es in der Stellungnahme. Fare bezeichnete das Zeichen zudem als „neonazistisch“.Evans wehrte sich einige Stunden später: „Ich möchte klarstellen, dass ich weder absichtlich eine Handgeste noch ein Symbol verwendet habe, um irgendeine Botschaft, Zugehörigkeit, ein Spiel oder eine Überzeugung zu vermitteln“, wurde Evans in einer Mitteilung der Fifa zitiert. Evans gehört zu den 30 Video-Schiedsrichtern, die von der Fifa für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ausgewählt wurden.„Natürlich verstehe ich, wie die Geste interpretiert wurde, und ich bedaure dies. Dennoch möchte ich unmissverständlich und kategorisch erklären, dass ich das besagte Handsymbol weder wissentlich noch absichtlich gezeigt habe“, sagte er. Die Berichterstattung im Anschluss an diesen Vorfall spiegele „einfach nicht wider, wer ich bin“.Lesen Sie auchEr selbst habe nur eine Erklärung für die Szene: Es müsse sich „bei der Bewegung um ein unwillkürliches, unterbewusstes Zucken“ gehandelt haben, über das er sich „in diesem Moment gar nicht bewusst war, sie ausgeführt zu haben.“ Von der Fifa gab es keine Konsequenzen. Das unabhängige Disziplinarkomitee habe die Angelegenheit geprüft und keinen Beweis für einen Verstoß gegen den FIFA-Disziplinarcode festgestellt.Das „OK“-Zeichen wird weltweit häufig als alltägliche Geste genutzt. Gleichzeitig griffen rechtsextreme Gruppen es in den vergangenen Jahren als Erkennungszeichen auf. Die Anti-Defamation League (ADL), eine US-Organisation zur Beobachtung von Extremismus und Antisemitismus, nahm das Symbol deshalb 2019 in ihre Datenbank möglicher Hasssymbole auf.Wer hinsieht, hat verloren ...Zugleich betonte die ADL damals, dass der Kontext entscheidend sei. Das Zeichen werde weiterhin überwiegend ohne politischen Hintergrund verwendet. Oren Segal, Direktor des ADL-Zentrums für Extremismus, erklärte seinerzeit, die Aufnahme sei erfolgt, weil es inzwischen genügend Beispiele für eine Nutzung in extremistischen Zusammenhängen gebe.Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Das umgedrehte „OK“-Zeichen ist seit Jahrzehnten Bestandteil des sogenannten „Circle Game“, eines vor allem in den USA und Australien verbreiteten Kinderspiels. Dabei hält eine Person das Symbol unterhalb der Hüfte. Wer hinsieht, hat verloren und bekommt scherzhaft einen Schlag auf den Arm oder die Schulter.skaya1/luwi mit AP/dpa