Dem australischen Schiedsrichter Shaun Evans, der beim WM-Spiel zwischen Deutschland und Curaçao zum Video-Schiedsrichter-Team gehörte, wird vorgeworfen, bei seiner Vorstellung vor dem Spiel mit seinen Fingern eine rassistische Botschaft gesandt zu haben.Die TV-Übertragung aus dem Raum im texanischen Dallas, in dem die VAR-Schiedsrichter die WM-Spiele verfolgen, fing ein, wie der 38 Jahre alte Evans mit den Fingern seiner rechten Hand, die er eng am rechten Oberschenkel hält, ein Zeichen formt: Daumen und Zeigefinger schließen sich zu einem Kreis, Mittel-, Ring- und seinen kleinen Finger hält Evans steif nach unten. Er verharrt ungefähr sieben Sekunden in der Pose und wendet sich erst nach den beiden anderen VAR-Schiedsrichtern den Bildschirmen zu.Die Organisation FARE, vormals als Football Against Racism Europe bekannt, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzt, sieht in Evans' Handzeichen ein „White Power“-Symbol. „Unsere Experten sehen darin einen klaren Fall, in dem das nach unten gezeigte „O.k.“-Handzeichen als „White Power“-Symbol verwendet wird, wie es in global vernetzten rechtsextremen Kreisen geschieht. Warum zeigt ein VAR-Schiedsrichter dieses Zeichen just in dem Moment, in dem er weiß, dass er von der Kamera eingefangen wird? Es kann nur so sein, dass er absichtlich ein rechtsextremes Neonazi-Zeichen senden will“, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation.Ein Zeichen mit verschiedenen BedeutungenFARE verweist zudem darauf, dass bei den später am Sonntag ausgetragenen Spielen, Elfenbeinküste gegen Ecuador und Schweden gegen Tunesien, auf die Einblendung der VAR-Schiedsrichter verzichtet wurde. Diese war seit dem Eröffnungsspiel am vergangenen Donnerstag bei jedem Spiel Teil der WM-Übertragungen.„Eine weltweite Zuschauerschaft, die sich auf die Übertragung eines Fußballspiels vorbereitet, sollte nicht Rechtsextremisten ausgesetzt werden, die Neonazisymbole verwenden. Dieser Offizielle sollte eindeutig bei dieser WM keine Rolle mehr spielen“, heißt es weiter.Das von Evans verwendete Handzeichen wird seit Jahren als rechtsextreme Botschaft gewertet, allerdings weisen Anti-Diskriminierungs-Organisationen darauf hin, dass die Bewertung des Symbols kontextabhängig ist. Mit nach oben gestreckten Fingern bedeutet sie unter Tauchern, dass alles in Ordnung ist. Unter Kindern wiederum wird sie als Teil eines Spiels verwendet, bei dem geneckt wird, wer auf die Finger schaut, ohne dass der Handgeste eine weitere Bedeutung zugeschrieben wird.Zugleich ist die Bedeutung der Geste insbesondere bei der digitalen Verbreitung zum Beispiel in der Meme-Kultur und in Messageboards wie 4chan eindeutig: Die von Evans verwendete Geste hatte auch der rechtsextreme Terrorist Brenton Tarrant, der 2019 bei einem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland 51 Menschen ermordet hat, aus dem Gerichtssaal gesendet, als er dem Haftrichter vorgeführt wurde.Weder von Evans noch von der FIFA gibt es bislang eine Stellungnahme zu der Geste, auch eine Anfrage der F.A.Z. an den Internationalen Fußball-Verband und an Evans wurde bislang nicht beantwortet.
Fußball-WM 2026: Zeigte ein australischer Schiedsrichter den „White-Power“-Gruß?
Bei der Übertragung des Auftaktspiels der deutschen Mannschaft zeigt ein Mitglied des VAR-Teams ein mutmaßliches „White Power“-Symbol vor der Kamera. Jetzt wird der Ausschluss des Schiedsrichters gefordert.










