Es gibt Nationalmannschaften bei der WM, die betreten den Rasen wie eine sehr gut gelaunte Provokation gegen textile Zurückhaltung. Brasilien schimmert gelb wie ein Sommertag in Überlänge. Die Niederlande kommen in Orange, als habe jemand den Farbtopf nicht umgestoßen, sondern feierlich geopfert. Kroatien trägt Schachbrett, womit selbst das Trikot dort aussieht, als plane man schon den nächsten Spielzug. Argentinien erscheint in Himmelblau-Weiß, dieser Mischung aus Nationalmythos, Nostalgie und Fernweh. Und Curaçao? Curaçao läuft in Blau auf, als sei die Karibik selbst aus dem Meer gestiegen, kurz abgetropft und dann zum Anstoß erschienen.

Und dann sind da die Männer von Julian Nagelsmann. Sie tragen Weiß. Dazu Schwarz. Das war’s. Kein Gold, das an vergangene Triumphe erinnert. Kein Rot, das nach Leidenschaft aussieht. Kein Farbton, der auch nur entfernt auf die Idee käme, gute Laune zu verbreiten. Stattdessen: Schwarz-Weiß. Wie ein Behördenschreiben. Wie die Speisekarte einer Kantine. Wie ein Formular, das in dreifacher Ausfertigung eingereicht werden muss. Während andere Mannschaften aussehen, als hätten sie ihre Kultur, ihre Geschichte und ein wenig Lebensfreude auf Stoff gedruckt, läuft Deutschland wieder auf wie die grafische Umsetzung einer Verwaltungsvorschrift. Mehr optische Emotionen traut sich der DFB bei großen Turnieren offenbar weiterhin nicht zu.