Unter einer Seilbahn hindurch durch strömen die Fans zum Public Viewing im Kletterpark im Deutsche Bank Park. Die Kletterparcours interessieren jetzt nicht mehr, sie sind nur eine ungewöhnliche Kulisse für das gemeinsame Fußballschauen vor einer riesigen Leinwand. Das Publikum ist jung. Ein Mann trägt Basecap, Jeans und – wie viele hier – ein weißes Deutschlandtrikot. Er sagt, er brauche noch etwas Zeit, um in WM-Stimmung zu kommen. Deswegen sei er extra zum Public Viewing gegangen, um mehr Atmosphäre aufzusaugen. Und heute sei die Anstoßzeit auch noch kinderfreundlich, sagt er und tätschelt den Kopf seiner Tochter.Im Stadion ist während der Vorrunde und im Achtelfinale kein Platz für Public Viewing, weil dort andere Veranstaltungen stattfinden. Gerade wird noch abgebaut, die Ehrlich Brothers waren da, sagt eine Helferin beim Public Viewing an diesem Sonntagabend. Und dann wird wieder aufgebaut für Helene Fischer. Vom Viertelfinale an könnten die Deutschlandspiele dann auch im Stadion übertragen werden, sagt Patrik Meyer, Geschäftsführer der Eintracht Frankfurt Stadion GmbH, die auch den Kletterwald betreibt.Trinkpausen sind sinnvollAls die Nationalhymne ertönt, singen die meisten eher verhalten, etwa 15 Deutschlandflaggen wehen – und das, obwohl der DFB-Fanclub-Bus fleißig Flaggen an Zuschauer verteilt hat. Besser wird die Stimmung beim 1:0 in der sechsten Minute. „Ah, geile Sache“, sagt ein Mann und zieht an seinem Tabakverdampfer. Einige verpasste Chancen danach kommentiert das Publikum mit „ohhh“.Ausverkauft: Rund 2500 Zuschauer waren beim Public Viewing.Maximilian von LachnerAls Curaçao in der 21. Minute den Ausgleich schießt, dreht sich ein Mann von der Leinwand weg und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Ein anderer fragt mit Blick auf den Bierwagen: „Wo stellt man sich denn hier an?“ Ein halber Liter Bier kostet 7,50 Euro, trotzdem stehen Fans in meterlangen Schlangen.Was halten die Zuschauer von der Trinkpause für die Spieler? „Ich finde das gut, dass die Jungs sich hydrieren können“, sagt einer. „Für die Spieler ist das geil, für den Spielfluss aber nicht so gut“, sagt ein anderer.Als Deutschland das 2:1 schießt, fliegt ein Flugzeug über den Kletterwald, die Menge jubelt, klatscht und weht ihre DFB-Deutschlandfahnen. Ein Mann breitet seine Hände aus und schreit „Jaaa!“. Eine junge Frau schaut etwas angewidert auf Schlotterbecks Bizeps-Torjubel.Das Publikum schaut gespannt auf den Elfmeter, der Deutschland Ende der ersten Halbzeit zugesprochen wird. Ein junger Mann im rosa DFB-Trikot sitzt auf den Schultern eines Freundes, in einer Hand eine Deutschlandfahne, in der anderen filmt er mit seinem Handy. Havertz trifft, ein paar Meter vor der Leinwand wälzt sich ein kleiner Junge vor Jubel im Rindenmulch, der hier im Kletterwald den ganzen Boden bedeckt.Grundausstattung: Der Fanclub Nationalmannschaft verteilt Flaggen vor dem Spiel.Maximilian von LachnerHalbzeit, aus den Lautsprechern neben der Leinwand tönt „Schwarz-Weiß wie Schnee, das ist die SGE!“ Als der Reporter eine Freundesgruppe fragt, wie sie das Spiel bis jetzt findet, sagt einer, er habe nicht mit dem Gegentor gerechnet. Seine Freunde überbieten sich mit den Prognosen für die zweite Halbzeit, einer tippt 5:1, ein anderer 6:1, ein dritter bietet 7:1 an.Ein Fan zieht vor Freude das Trikot ausNach der Halbzeit ist das Publikum kaum wieder bereit für das Spiel, da schießt Musiala ein Tor. Wieder fliegt ein Flugzeug tief über die Menge, dem Flughafen in der Nähe sei Dank. Das Publikum jubelt zwischen Bäumen und einem Kletterturm.Als Undav eingewechselt wird, klatscht das Publikum, eine junge Frau formt mit ihren Händen ein Herz und hält es hoch. Beim 5:1 geben sich Männer mittleren Alters die Hand. Ein junger Mann hinter ihnen reagiert weniger gefasst: Er zieht sein Deutschlandtrikot aus, verschüttet dabei das Bier eines Freundes auf die Cowboystiefel einer Freundin.Nach dem Sieg: Deutschlandfans starten einen kleinen Autokorso.Maximilian von LachnerMit jedem weiteren Tor steigt auch die Stimmung: Als Undav das 6:1 schießt, wirft ein junger Mann seinen Freund in die Luft, eine junge Frau ruft „Geil!“, eine Gruppe stimmt einen „Undav“-Sprechgesang an. Zehn Minuten später, beim 7:1, klatschen zwei Frauen, ein Junge klettert aufs Geländer vor der Leinwand und schwenkt seine Deutschlandfahne.Nach dem Abpfiff stimmt ein Moderator das Publikum auf einen „Oh, wie ist das schön“-Gesang ein, der aber schnell verebbt. Zurück zum Mann in Basecap vom Anfang. Ist er jetzt in WM-Stimmung? „Ja, alles super“ – er müsse aber los, seinen Sohn finden. An ihm vorbei strömen Fans in Richtung Parkplatz und S-Bahn. Einige jubeln, andere starten einen Autokorso. Ein Auto mit französischen Kennzeichen fährt vorbei und stimmt ins Hupen und den Jubel ein.
DFB-Elf siegt bei Fußball-WM 2026 gegen Curacao: So war die Stimmung beim Public Viewing in Frankfurt
Der WM-Auftakt ist auch als Zuschauererlebnis geglückt. Rund 2500 Leute haben im Kletterwald am Waldstadion beim 7:1-Sieg der deutschen Nationalelf gegen Curaçao gemeinsam gejubelt.











