Die modische Startelf des Turniers steht für uns fest – und Deutschland ist nicht dabei. Wir haben die Trikots der 48 Mannschaften (Heim/Auswärts) unter die Lupe genommen. Einige Teilnehmer haben modisch gesehen bereits vor dem Anpfiff den ersten Sieg gelandet.Bei dieser Weltmeisterschaft werden erstmals 48 Mannschaften antreten, 16 mehr als 2022. 48 Mannschaften bedeuten 96 Trikots, mindestens, wenn man nur die offiziellen Heim- und die Auswärtstrikots nimmt. Viele Mannschaften haben auch noch ein drittes, ein sogenanntes „Ausweichtrikot“. Fast 80 Prozent, nämlich 37 der 48 Teams, werden von den großen Dreien im Sport ausgerüstet: 14 Mannschaften von Adidas, 12 von Nike und 11 von Puma. Die restlichen elf von kleineren Ausrüstern wie Kelme (Bosnien-Herzegowina und Jordanien), Umbro, Jako, Kappa, aber auch lokalen Herstellern wie 7saber (Usbekistan) oder Saeta (Haiti). Fußballtrikots sind mittlerweile auch ein Modestatement, es gibt einen riesigen Markt für Vintage-Trikots, einige haben Legenden-Status. Zwischen 1,4 und 2,2 Milliarden Euro Umsatz sollen allein die offiziellen Trikots in allen Varianten einspielen, schätzen Analysten von Goldman Sachs und Barclays. Und da sind nicht all die Trikots eingerechnet, die auf den Märkten für kleineres Geld angeboten werden. Die offiziellen Trikots kosten in der nicht ganz so figurbetonten Fan-Version in etwas anderem Kunststoff (sie heißen „Replika“ oder „Performance“) 80–100 €, in der Version, die auch die Spieler tragen („Match“ oder „Authentic“) zwischen 135 und 160 €. Adidas-Spieltrikots („Authentic“) kosten in der Regel stolze 150 € (etwa die Deutschen), die von Puma ebenfalls (etwa Österreich). Die Nike-Trikots („Match“) sogar 160 € (etwa USA, England, Argentinien). Der Ausrüsterwechsel des DFB ab dem 1. Januar 2027 zu Nike kann die deutschen Fans also etwas teurer kommen.Wenn man sich nach Designtrends umschaut, dann steht die WM 2026 bei vielen Trikots ganz im Zeichen von Tradition. Ein Großteil ist sehr, sehr klassisch. Viele Retromodelle, auch viel Biederkeit und stilistisches Ball-flach-halten – besonders bei Teams aus Nordafrika und dem Nahen Osten. Zum Glück gibt es 2026 aber auch wieder Jerseys mit Mut und in kräftigen Farben (Südamerika!). Und, wie so oft, sind die Auswärtstrikots die modisch interessanteren. Hier dominieren 2026 gewagte florale Muster. Und damit zu unserer modischen Startelf für die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Ganz subjektiv, aber gut abgewägt.. Im Tor – Nummer 1: Mexiko (Heim-Torwarttrikot, Adidas)Das Schillernde: Die farbenprächtigsten Torwarttrikots kamen oft aus Amerika – und die schrillsten Torhüter (Jorge Campos; René Higuita). Guillermo „Memo“ Ochoa, wie Manuel Neuer 40 Jahre alt, geht in seine sechste WM (Neuer: 5.). Der Mexikaner wird ein knallpinkes Outfit tragen, das unten in geometrische Muster übergeht – und Neuer trotz Froschgrün erblassen lässt.Die Defensive – Mit der Nummer 2: Kap Verde (Heimtrikot, Capelli Sport)Bestes Exotika: Der Hai im Emblem als echter Hingucker, dazu ein sehr klassisches, zackig gemustertes Shirt in dunkelblauen Nationalfarben. Das Heimtrikot der Mannschaft von der Inselgruppe vor Afrika siegt damit knapp in der überraschend biederen Kategorie. Die zentrale Nummer 3: Frankreich (Auswärtstrikot, Nike)Grande Nation, naturellement: Frankreich hat es einfach drauf – fußballerisch wie modisch! Dementsprechend sind beide Trikots (Heim- wie Auswärtstrikots) ähnlich wie die Mannschaft absolute Titelkandidaten. Eng auf den Körper geschnitten, aber mit dem Clou eines klassischen Polokragens – ein Detail, das man sonst fast nur noch bei Uruguay sieht – einer Truppe, die zwar auch für fußballerische Klasse, aber traditionell auch rustikales Einsteigen steht. Noch einen Tick besser als das dunkelblaue Heimtrikot der „Les Bleus“ ist das Auswärtstrikot. Dessen zartes, mattes Grün („Metallic Copper“) soll farblich an die oxidierte Kupfer-Patina der Freiheitsstatue erinnern – also an Zeiten, als sich Europa und USA noch Geschenke machten. Mit der Nummer 4: Ecuador (Auswärtstrikot, Marathon)Das Edelste: „Soñar, Trascender y Hacer Historia“ (Träumen, Übertreffen und Geschichte schreiben) steht auf allen drei Trikots, die Marathon für den deutschen Vorrunden-Gegner entworfen hat. Auch wenn wir das nicht hoffen: Die Trikots sind sehr clean, sehr figurbetont (und damit nichts für jeden). Während das knallgelbe Heimtrikot pure Emotion ausdrückt, ist das Auswärtstrikot besonders edel. Tiefdunkles Blau mit dezentem Muster, dazu ein schicker schwarzer Polokragen. Logo, Zitat und Nummern schimmern in mattem Bronze. Muy bueno.Das kreative Mittelfeld – Nummer 5: Südkorea (Auswärtstrikot, Nike)K-Pop deluxe: Alles, was aus Südkorea kommt, wird von Trendscouts in aller Welt gierig aufgesaugt. Wo Südkorea ist, ist vorn. Das gilt ästhetisch besonders für das floral-futureske Auswärtstrikot in hellem Lila des asiatischen Teams.Die Nummer 6: Argentinien (Auswärtstrikot, Adidas)Floraler Fashiontraum: Der Titelverteidiger, die „Albiceleste“ (Weiß-Himmelblauen), führt als Auswärtstrikot einen absoluten Traum für Modebewusste aufs Feld. Ein dunkelblaues Shirt mit „pulsierenden Mustern“ („Kunst trifft Fußball“, schwärmt Ausrüster Adidas). Tatsächlich ein Trikot für alle, denen der Style über alles geht.Mit der 7: Elfenbeinküste (Auswärtstrikot, Puma)Das Experimentelle: Unter den ungewohnt braven Trikots der afrikanischen Teilnehmer ragt dieses Shirt der Elfenbeinküste heraus. Nicht nur durch den trötenden Elefanten im Wappen, sondern durch die mutige Kombination diverser Elemente und Farben zum großen Trikotthema 2026: Natur in allen Mustern.Nummer 8: Belgien (Auswärtstrikot, Adidas)Das Zarteste, seit es die EU gibt: Belgien zeigt Flagge, oder besser: Kugeln. Belgien zeigt Kugeln! Inspiriert von den Kugeln René Magrittes, erinnert das Trikot auch an das Atomium in Brüssel, dem Wahrzeichen der „Hauptstadt Europas“. Kugeln zieren das in Zartblau und Rosa gehaltene Away-Trikot der „roten Teufel“. Die geben sich diesmal zahm-romantisch. Vielleicht, weil sie zur Abwechslung mal nicht der Geheimfavorit sind.Im Sturm – Nummer 9: Norwegen (Heimtrikot, Nike)Brachial klassisch: Das „nordische Kreuz“ auf der Brust, klar, kantig und auch in der Passform gerade (nicht zu Slim) geschnitten. Das Trikot, welches die norwegische Flagge in klassisch-modernes Design übersetzt, ist von einer ähnlich brachialen Coolness wie sein berühmtester Träger: Mittelstürmer Erling Haaland. Nummer 10: Brasilien (Heimtrikot, Nike)Die Ikone: Brasilien hat sich wie andere „große“ Fußballnationen (Spanien, Portugal, England, Argentinien) bei den Heimtrikots auf die Magie der Tradition verlassen. Setzt also auf den Klassiker. Ohne Schnörkel. Ohne Kompromisse. Brasilien pur. Kann man öde finden. Will man aber nicht anders sehen.Die dynamische Nummer 11: USA (Heimtrikot, Nike)Streifen, die bewegen: Auch in liberalen Hochburgen der USA ist es üblich, dass die „Stars & Stripes“ wehen. Die Fahne vereint und bewegt alle Amerikaner. Passend dazu hat der Ausrüster ein Trikot entworfen, das Patriotismus in Bewegung übersetzt und tatsächlich Wogen der „Soccer“-Begeisterung im Gastgeberland auslösen sollte. Die Ersatzbank: Und was machen die Deutschen?Die beiden deutschen Trikots für die WM 2026 haben es bei uns nicht in die Startelf geschafft. Auf der Ersatzbank sitzen Japan (Auswärts; weiß mit bunten, schmalen, unterbrochenen Längsstreifen), dazu Neuseeland (Heim; die „All Whites“ gehen – wie die berühmteren Rugby-Brüder – als „All Blacks“ mit weißem Farn). Zudem sitzen dort Portugal, England und Spanien in ihren sehr klassisch schnörkellosen Heimtrikots. Dazu Schweden im verspielten Auswärtsdress (dunkelblau mit interessantem Tapetenmuster). Und, ja, doch, auch Deutschland im Heimtrikot. Am Heimtrikot scheiden sich die Geister – und Generationen. Das Trikot mit den breiten Schwarz-Rot-Goldenen Streifen von Schulter zur Brustmitte ist eine Hommage an das WM-Sieg-Trikot von 1990, an die magische Final-„Nacht von Rom“. Aber eben auch ein wenig an die Blamage von 1994 in den USA (Viertelfinale, Kopfball Jordan Letschkow!). Anfang der 90er sahen die Trikots so eben aus. Lesen Sie auchDas deutsche Heimtrikot ist das nostalgischste Jersey von allen bei dieser WM! Aber, finden die unter uns, die sich an die frühen 90er noch erinnern können: Es war die Matten von Brehme, Matthäus und Völler – mehr pure Kraft als Eleganz. Der Fußball war trotz Erfolgen nicht immer schön anzusehen – die deutschen Trikots eben auch nicht. Interessanterweise finden die jungen Frauen in unserer Redaktion, nicht historisch vorbelastet, das deutsche Heimtrikot 2026 mehrheitlich „ganz gut“. Daher: Ersatzbank Das deutsche Auswärtstrikot wirkt auf den ersten Blick gefällig in seinem Dunkelblau mit den drei kleinen, grünen Rauten als Muster. Nicht schlecht, denkt man. Aber eben auch nicht wirklich gut. Vom letzten Freestyle-Trikot von Adidas, bevor Nike übernimmt, hätten wir einfach mehr erwartet. Das rosa Auswärtstrikot der EM 2024 hat gezeigt, wie man mit einem überraschenden, auch mutigen Shirt einen Publikumsrenner schafft. Wenn aber schon betont traditionslos (nichts erinnert an DFB oder Deutschland), dann bitte doch etwas mutiger. Das brave Auswärtstrikot erinnert uns an einen Kinderschlafanzug. Ganz kuschelig. Aber wer will schon im „Schlafi“ ins Stadion?Das Eröffnungsspiel findet am Donnerstag, den 11. Juni, in Mexiko-Stadt zwischen Mexiko und Südafrika statt.
Das sind die schönsten Trikots der Fußball-WM 2026 - WELT
Die modische Startelf des Turniers steht für uns fest – und Deutschland ist nicht dabei. Wir haben die Trikots der 48 Mannschaften (Heim/Auswärts) unter die Lupe genommen. Einige Teilnehmer haben modisch gesehen bereits vor dem Anpfiff den ersten Sieg gelandet.













