Schauen Sie sich dieses Foto genau an: Deutschlands Nationalspieler Berti Vogts im Duell mit Italiens Luigi Riva im Jahrhundertspiel der WM 1970 in Mexiko. Fällt es Ihnen auf? Nein, es wurde nicht mit Künstlicher Intelligenz verfälscht. Es ist tatsächlich so: Die Bandenwerbung im Hintergrund mit der Aufschrift ORWO sticht beim zweiten Blick ins Auge.

ORWO, Pentacon, Carl Zeiss und Pneumant bei der WM

Es gibt unzählige Archivbilder mit diesen Werbebannern für hochwertige DDR-Produkte: Carl Zeiss (Optik), Pneumant (Reifen), Pentacon (Kamera) und eben ORWO (Fotografie-Filme). Die DDR war mittendrin, als eine WM zum ersten Mal kommerzialisiert wurde. Und zwar in der ersten Reihe an den Bildschirmen in der ganzen Welt. Ganz entgegen der SED-Ideologie, die kapitalistische Werbung verteufelte. Wie war das damals möglich?

Die Spuren führen zur Interwerbung GmbH der DDR

Die Spuren führen nach Berlin in die Tucholskystraße 40 in Mitte. Dort hatte zu DDR-Zeiten die Interwerbung GmbH im Hinterhof ihren Sitz. Der offizielle Name war lang und umständlich: Gesellschaft für Werbung und Auslandsmessen der DDR. Sie gehörte als Außenstelle zum bis heute undurchsichtigen Geflecht zwischen dem Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski, seiner KoKo, dem Außenhandelsministerium und der Stasi.