«Gut für die Schweiz, gut für Italien»: Auch der Regionalpräsident der Lombardei lobt das Abstimmungsresultat zur 10-Millionen-InitiativeDie Lombardei grenzt direkt an die Schweiz, ein Ja zur SVP-Initiative wäre auch dort nicht ohne Konsequenzen geblieben. Attilio Fontana, der Präsident der Region, zeigt sich zufrieden mit dem Ausgang der Abstimmung.15.06.2026, 17.30 Uhr3 LeseminutenAttilio Fontana gilt in Italien als politisches Schwergewicht. Seit 2018 präsidiert der gemässigte Lega-Politiker die Region Lombardei.Manon Cruz / ReutersWenn Attilio Fontana etwas sagt, hört man ihm zu in Italien. Der 74-jährige Politiker steht seit 2018 an der Spitze der Lombardei, einer der wohlhabendsten Regionen des Landes. Er politisiert für die Lega und damit für eine der drei in der Regierung von Giorgia Meloni vertretenen Parteien. Im Unterschied zum Parteichef Matteo Salvini vertritt er aber in der Regel gemässigte Positionen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Präsident einer Region, die auf rund 390 Kilometern an die Schweiz grenzt, hat er die Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» am Sonntag genau verfolgt. Das Resultat bewertet er «als sehr positiv», wie er auf Anfrage der NZZ sagt. Die Schweiz sei eine «multikulturelle Gemeinschaft», in der viele Tätigkeiten von Menschen aus anderen Ländern und Gebieten ausgeübt würden. Eine mögliche Begrenzung auf zehn Millionen Einwohner hätte «eine grosse Einschränkung für die Schweiz bedeutet, so wie sie sich bis heute strukturiert und entwickelt hat», ist Fontana überzeugt.Noch mehr Grenzgänger befürchtetDoch auch aus italienischer Sicht sei es ein gutes Ergebnis. «Ich freue mich auch für Italien», sagt Attilio Fontana. Ein Ja hätte seiner Meinung nach zu einem weiteren Anstieg der Grenzgänger aus Italien geführt. Die Lombardei zählt derzeit rund 80 000 Grenzgänger, die täglich in die Schweiz pendeln.«Sicherlich besteht ein gegenseitiges Interesse, aber es ist unbestreitbar, dass die Grenzgänger auch eine Reihe von Problemen mit sich bringen. Würde die Zahl weiter steigen, würden die Probleme sich noch verschärfen», so Fontana. «Diese Menschen tragen wesentlich zum Wachstum im Tessin und in der Schweiz bei», ausserdem würden sie einen Teil der in der Schweiz verdienten finanziellen Mittel in Italien investieren. Dennoch könne man nicht über einige Probleme hinwegsehen, so zum Beispiel bei der Bewältigung der «Verkehrsströme und der damit verbundenen Dienstleistungen».Ausserdem stellen die höheren Gehälter in der Schweiz die Lombardei vor grosse Herausforderungen, vor allem im Gesundheitswesen. Die Schweiz übt hier eine starke Sogwirkung aus. «Für die Schweiz ist dies ein Vorteil, da sie andernfalls Schwierigkeiten hätte, ihr Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten. Für Italien hingegen wird dies angesichts des wachsenden Mangels an Pflegepersonal zu einem Problem», stellt der Präsident fest.Es sei nicht einfach, ein «Gleichgewicht zu finden, das diese Wanderbewegungen sowohl für die Schweiz als auch für Italien nützlich macht und verhindert, dass sie sich zu einem negativen Faktor entwickeln». Mit dem Nein zur SVP-Initiative und der Beibehaltung des Status quo ist dieses prekäre Gleichgewicht wohl eher gewährleistet. «Letztlich glaube ich also, dass es für alle gut ausgegangen ist», sagt Fontana.Laue ReaktionenDie italienischen Medien haben die Schweizer Abstimmungsvorlage im Vorfeld ausführlich thematisiert und ihr längere Artikel gewidmet. Bei einem Ja wären die Reaktionen wesentlich lauter ausgefallen als jetzt. Und der eine oder andere Hitzkopf hätte wohl auch einen Bezug zur Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana hergestellt, die das bilaterale Verhältnis zwischen Rom und Bern belastet.Doch als sich am Sonntag schon relativ früh ein Nein abzeichnete, fiel die Spannung rasch in sich zusammen. Von den italienischen Spitzenpolitikern gab es kaum nennenswerte Reaktionen. Die grossen Medien haben das Resultat nüchtern zusammengefasst.Einzig der frühere Ministerpräsident und ehemalige EU-Kommissar Paolo Gentiloni lobte noch am Sonntag auf X das Nein «zum Vorschlag, sich gegenüber Europa abzuschotten und eine Geschichte der Gastfreundschaft und Offenheit auszulöschen».Passend zum Artikel
Italien atmet auf: Lombardei begrüsst Resultat der Schweizer Abstimmung
Die Lombardei grenzt direkt an die Schweiz, ein Ja zur SVP-Initiative wäre auch dort nicht ohne Konsequenzen geblieben. Attilio Fontana, der Präsident der Region, zeigt sich zufrieden mit dem Ausgang der Abstimmung.
Der lombardische Präsident Fontana begrüsst das Nein zur Initiative, das die Zuwanderung begrenzt und das Gleichgewicht zwischen Schweiz und Italien bewahrt. Ein Ja hätte die 80.000 Grenzgänger erhöht und Italiens Infrastruktur und Gesundheitswesen belastet.














