Jetzt also die andere Seite. Mit seinem Buch „Shitbürgertum“ gelang Ulf Poschardt, lange Chefredakteur und bis vor Kurzem Herausgeber der Welt, nun „freiester Mitarbeiter“ des Axel-Springer-Verlags, im vergangenen Jahr einer der Sachbuchbestseller des Jahres. „Shitbürgertum“ war eine wüste, mitunter unverhohlen lustvoll vulgäre Abrechnung mit dem Denken und Handeln des „linksliberalen Milieus“ des Landes. Dessen seiner Ansicht nach naive Staatsgläubigkeit, moralische Überheblichkeit, ausschweifende Reglementierungslust, gedankenlose Wirtschaftsfeindlichkeit und selbstvergessene Migrationspolitik sind für Poschardt, der einst ein linker Pop-Journalist war, nicht weniger als der Urgrund der tiefen politischen und kulturellen Krise des Landes. Wobei das die politische Kultur so fatal prägende linksliberale Milieu für ihn nicht bei den Grünen und der SPD endet, sondern bis tief hinein in die CDU von Merkel und Friedrich Merz reichte und reicht.