Der Journalist Ulf Poschardt hat einen neuen Job. Zum 1. Juli wird er freier, oder wie der Springer-Verlag schreibt, „freiester“ Mitarbeiter der „Premium“-Gruppe des Konzerns. Seine bisherige Aufgabe als Herausgeber von „Welt“, „Politico Deutschland“ und „Business Insider Deutschland“ gibt Poschardt ab. Als „freiester“ Mitarbeiter werde er auch für die anderen Titel von Springer schreiben.Hinter der „freien“ Mitarbeit verbirgt sich freilich etwas anderes als das, was man mit dem Begriff gemeinhin verbindet: Poschardt bekommt maximale Beinfreiheit und wird zu seiner eigenen Marke – zu der er sich als Kommentator in den vergangenen Jahren längst aufgeschwungen hat. In seiner neuen Rolle werde er als „Autor, Podcaster und Creator maximale journalistische Freiheit nutzen und ganz auf ihn zugeschnittene Formate entwickeln“, teilt Springer mit. Dazu gehörten tägliche Drei-Fragen-drei-Antworten-Clips für alle Social-Media-Plattformen oder eine 1:1-Talkshow bei „Welt TV“, auch bei „Bild“ werde Poschardt auftauchen. Er werde, so formuliert es Springer, „ein zentraler Baustein in der Creator-Strategie“ des Konzerns.Es gebe „wenige Autoren, deren Beiträge so leidenschaftlich diskutiert werden wie die von Ulf Poschardt“, sagte der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner. Er erreiche ein Millionenpublikum. Dafür wolle man ihm nun „den Raum geben, den er braucht, um seine Reichweite und Wirkung auszubauen. Kurz: Wir wollen mehr Ulf Poschardt.“Im Laufe des vergangenen Jahres, ergänzt der Markenbildner Poschardt selbst, habe er festgestellt, dass er für seine publizistische Arbeit „mehr Freiheit braucht, die sich mit einer formalen Funktion nicht immer vereinbaren lässt“. Er sei auf Mathias Döpfner zugegangen, und man habe eine „perfekte neue Rolle gefunden“.Poschardt kam 2008 als stellvertretender Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ zu Springer, 2016 wurde er Chefredakteur der „Welt“-Gruppe und im vergangenen Jahr Herausgeber der sogenannten „Premium“-Titel („Welt“, „Politico“ und „Business Insider“ Deutschland). Davor war er Gründungschefredakteur der deutschen Ausgabe von „Vanity Fair“ und Chefredakteur des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“.