Kaum ein deutscher Publizist polarisiert derzeit so stark wie Ulf Poschardt. Der frühere Chefredakteur und Herausgeber der Welt galt lange als Pop-Liberaler. Heute werfen ihm Linke vor, den rechten Kulturkampf publizistisch zu befördern, während ihm manche Stimmen rechts vorhalten, bei Themen wie Corona, Migration und Klima zu spät eine kritische Position bezogen zu haben. In seinem neuen Buch „Bückbürgertum“ greift Poschardt diese gesellschaftlichen Konfliktlinien auf. Das Interview mit der Berliner Zeitung dreht sich jedoch nicht nur um sein Werk, sondern auch um seinen persönlichen Wandel und die Kritik daran.Zum Gespräch empfängt Poschardt im Axel-Springer-Neubau. Sein Büro ist schmal, durch die großzügige Fensterfront fällt der Blick auf die gegenüberliegenden Büros und Luxuswohnungen. An der Wand steht ein überladenes Bücherregal: Jürgen Habermas, Elon Musk, dazwischen Bücher über Luxus, Mode und Autos. Poschardt wirkt gelöst. Er scherzt mit der ebenfalls tätowierten Fotografin über ein Totenkopf-Tattoo aus den 90er-Jahren, das er bis heute nicht bereut. „Journalisten haben oft einen Stock im …“, witzelt er und benutzt ein Schimpfwort.Poschardt geht ebenso gelassen wie ausführlich auf die Kritik an seiner Person ein. Er spricht über seine Haltung zur Corona-Zeit, den Vorwurf des Opportunismus, seine Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie über AfD und Linke – und erklärt, warum für ihn die Fähigkeit zur Selbstkritik wichtiger ist als der Anspruch, immer recht gehabt zu haben.
Ulf Poschardt: „Ich verschwende mein Leben nicht mit erwartbaren Haltungen“
Der einstige Pop-Liberale polarisiert heute zwischen linken und rechten Milieus: Ulf Poschardt spricht über sein Buch „Bückbürgertum“, über Opportunismus, Corona, Moral und Meinungsfreiheit.






