Ein so richtig beeindruckendes Jubiläum ist es noch nicht, sie feiern es trotzdem. Und gleich noch den Umzug in den neuen Firmensitz: schicke, offene Kreativ-Räumlichkeiten mit Balken- und Backsteincharme in einem ehemaligen Heidelberger Bahnbetriebswerk. Sehr lässig.Die moderne Umgebung an historischem Ort scheint wie gemacht für das noch recht junge Unternehmen, das so viel Wert auf Stil legt und nun doch schon seit 15 Jahren besteht. Zwei Fahrradkuriere im Physikstudium gründeten es, um E-Bikes herzustellen, die nicht wie typische E-Bikes aussehen und sich durch geringes Gewicht auszeichnen. Leichtigkeit, auch fürs Auge. Um einen Namen zu finden, experimentierten sie mit Silben herum, bis am Ende Coboc herauskam, offiziell coboc mit kleinem c am Anfang. Der Kunstname, ein vorwärts wie rückwärts zu lesendes Palindrom, soll den Purismus widerspiegeln, den die Produkte ausstrahlen.Drehmomentsensoren für „natürliches“ FahrverhaltenSeinerzeit war das außergewöhnlich: schlanke E-Bikes als Gegenentwurf zu klobigen Geräten, mit denen sich kein cooler Fahrradkurier blicken lassen möchte. Mit dem Coboc Electric Drive wurde ein eigenes Antriebssystem entwickelt, bestehend aus Nabenmotor im Hinterrad, Akkupaket und Steuerelektronik unsichtbar im Unterrohr des Rahmens, Bluetooth, Starttaste und minimalistischer LED-Anzeige auf dem Oberrohr. Coboc verbaut grundsätzlich Drehmomentsensoren zur Kadenz- und Trittkraftmessung, um ein „natürliches“ Fahrverhalten und eine feinfühlige Kraftentfaltung zu gewährleisten. Das ist spürbar: Je mehr man tritt, desto mehr Hilfe kommt von unten. Höchst angenehm, sofern man es mag, aktiv Impulse zu geben, anstatt bloß den Motor machen zu lassen. Auf höchste Leistung ist das Konzept nicht ausgerichtet. Es geht eher um eingebauten Anti-Gegenwind.Walter WilleAuf riesige Batteriekapazitäten, auf höchste Maximalleistung ist das Konzept nicht ausgerichtet. Es geht eher um eingebauten Rückenwind oder Anti-Gegenwind, für Nahverkehr und Tagestour allemal ausreichend. Mit herausnehmbaren Akkus kann Coboc nicht dienen. Den Speicher zum Laden mit in die Wohnung nehmen, das geht halt nicht und kostet Coboc den einen oder anderen Kunden, wie Annalena Horsch einräumt. Sie führt das Unternehmen gemeinsam mit David Horsch, einem der beiden Gründer, von denen der zweite inzwischen ausgeschieden ist. Fällt der Name Horsch, horchen Kenner der Landwirtschaft auf. Einer der großen deutschen Landmaschinenhersteller ist das Familienunternehmen Horsch aus Schwandorf in der Oberpfalz. Annalena und David Horsch entstammen dieser Familie, der Landtechnikkonzern wiederum hält Anteile am Fahrradhersteller. Für die Montage der E-Bikes wurde ein Gemeinschaftsunternehmen installiert, sie findet in Schwandorf in unmittelbarer Nähe des Landmaschinenwerks statt. „Wir profitieren vom Horsch-Know-how“, sagt Annalena Horsch.Annalena und David HorschCobocViele Komponenten stammen aus TaiwanViele Komponenten werden, wie in der Fahrradbranche üblich, von taiwanesischen Zulieferern bezogen. Aus Taichung, dem „Silicon Valley der Radindustrie“, wo rund 2000 Zulieferer ansässig sein sollen, stammen Rahmen, Laufräder, Gabel, Vorbauten, Sattel und dergleichen. Als während der Covid-Zeit die Teileversorgung zusammenbrach, hat Coboc „schwer gelitten“, wie sich Annalena Horsch erinnert. Daraus wurden Lehren gezogen. Im Jahr 2021 wurde die Coboc Taiwan Ltd. gegründet, eine Tochtergesellschaft, die Lieferketten stabilisieren und den Zugriff auf Komponenten sicherstellen soll. Das tue sie mit Erfolg, heißt es.Die einstige Nische leichter E-Bikes ist keine mehr, längst tummeln sich etliche Anbieter in diesem Segment, sodass sich das neue Skye City gegen diverse Widersacher behaupten muss. Erstmals setzt Coboc nicht auf den eigenen Hinterradmotor, sondern ein Bosch-System mit Mittelmotor. „Beim Performance Line SX handelt es sich um den ersten Mittelmotor, der unsere Kriterien erfüllt.“ Annalena Horsch verweist auf die Kompaktheit, das Kraftangebot speziell im Anstieg sowie den guten Ruf Boschs.Die Daten lauten: 60 Nm maximales Drehmoment, 250 Watt Dauer- und 600 Watt Spitzenleistung. Damit hält der zierliche Antrieb Abstand zu den Kraftprotzen im Markt, liefert aber ausreichend Kompetenz für den Ampelstart und soliden Schub am Berg. Schließlich hat er mit den 18,2 Kilo des Skye City Belt – so heißt die Ausführung mit Antriebsriemen und Nabenschaltung - leichtes Spiel. Diese Variante, die wir ausprobiert haben, kostet 5300 Euro. Die 500 Euro günstigere Version namens Skye City Chain mit Shimano-Kettenschaltung wiegt laut Datenblatt lediglich 17,4 Kilogramm.Übergang von Motor zu Muskel vollzieht sich fließendLetztere wäre wahrscheinlich unsere Wahl, weil leichter und erschwinglicher. Und weil Shimanos Alfine-Achtgang-Nabenschaltung zwar eine unkomplizierte Sache ist, oberhalb der 25-km/h-Elektroschwelle jedoch einen neunten und zehnten Gang vermissen lässt. Speziell in Geschwindigkeiten jenseits von 30 Sachen muss man zu schnell treten. Der zierliche Antrieb hält Abstand zu den Kraftprotzen am Markt.Walter WilleDer integrierte 400-Wh-Akku ist unserer Erfahrung nach für Reichweiten in der Nähe von 100 Kilometern gut – wie üblich stark abhängig von der Fahrweise und den äußeren Umständen. Solange es nicht gegen den Wind oder bergauf geht, lässt sich das Skye City auch locker ohne Elektrounterstützung bewegen. Der Übergang von Motor zu Muskel vollzieht sich erfreulich fließend, geradezu unmerklich. Für 469 Euro extra kann man sich als Zusatzakku den Bosch Power More 250 an den Rahmen schnallen. Vorteil: weitere 250 Wh an Bord, Reichweitenangst ade. Nachteil: anderthalb Kilo Extragewicht für ein ungraziöses Teil im Format einer Trinkflasche mit Kabel, dem es zudem an einer Diebstahlsicherung mangelt. Wer schön sein will, lässt das weg.In seiner schnörkellosen Art serviert das Coboc ein elegantes, direktes Fahrgefühl. Die Carbon-Gabel ist ungefedert, die Sattelstütze gleichfalls, der Seriensitz ein Bekenntnis zum Sport. Die dicken Reifen federn manches weg, doch kommuniziert das Rad trotzdem jederzeit in klarer Sprache mit dem Gesäß. Das ließe sich mit recht geringem Aufwand ändern, man könnte Komfort einbauen, doch bedeutete das, den Charakter zu verwässern, das Gewicht hochzuschrauben, den Anblick zu verändern und dem Auge wehzutun. Wer schön sein will, muss nicht leiden, jedoch eine asketische Grundeinstellung mitbringen.Immer wieder wohltuend ist der Anblick des schlanken Alu-Rahmens ganz ohne Akku-Bauch hinterm Steuerkopf. Verschliffene, unsichtbar unterm Lack verborgene Schweißnähte wären das i-Tüpfelchen, hier sollte Coboc nachlegen, das wäre wünschenswert in dieser Preisklasse und passend zu schicken Details wie der Ladeklappe aus Aluminium, den schwebenden Schutzblechen, teilweise innen verlegten Kabeln, den minimalistisch ausgeführten Coboc-Namensplaketten. Gepäckträger, Seitenstütze, Lichtanlage sind unauffällig zur Stelle. Verfügbar sind beide Varianten wahlweise mit Diamant- oder Tiefeinsteigerrahmen, in drei Rahmengrößen sowie den drei Metallicfarben Weiß, Schiefergrau und Ocean. Letztere schimmert je nach Lichteinfall tiefgrün bis dunkelblau, glitzert und erinnert damit mehr an einen aufwendigen Harley-Lack als an eine Landmaschine.