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Trinkpausen bei Fußball-WM: Warum kurze Pausen die Produktivität steigern WM-Trinkpause als Vorbild: Wie gezielte kleine Pausen Leistung und Gesundheit steigern – und auch Arbeitgeber davon profitieren können.

Nico Maturo 15.06.2026 - 08:21 Uhr Erste Trainingseinheit der deutschen Nationalmannschaft auf dem Adidas-Sportplatz am 28.05.2026. Foto: IMAGO/MISBei der diesjährigen Fußball-WM gibt es eine Neuerung: Bei jedem Spiel sollen zwei feste Trinkpausen von jeweils drei Minuten in der Mitte der jeweiligen Halbzeit stattfinden, um die Spieler vor der großen Belastung durch das heiße Wetter in den WM-Spielorten in den USA, Mexiko und Kanada zu schützen.Gilt das, was für Fußballprofis gilt, womöglich auch im Arbeitsalltag? Kurze Pausen im Büro oder in der Fabrik sind selten gern gesehen – obwohl die Forschung seit Jahren das Gegenteil nahelegt.Wer über längere Zeit stark belastet wird, braucht regelmäßige Pausen, um leistungsfähig zu bleiben. Und wer zu selten innehält, verliert die Konzentration und riskiert sogar seine Gesundheit. Pausen sind also alles andere als vertane Zeit.Hitzewelle So bleiben Sie bei hohen Temperaturen produktiv im Job von Anabel SchröterIn Zahlen drückt sich das so aus: Bei einem Arbeitszeitverlust durch Pausen von etwa neun Prozent, steigt die Qualität der getanen Arbeit ebenfalls um neun Prozent und die Menge der geschafften Arbeit um fünf Prozent. Zu diesem Ergebnis kam Otto Graf vom Max-Planck-Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund bereits in den 1950er Jahren.Otto Graf (1893–1962) war Mediziner und Arbeitsphysiologe. Er erforschte die Auswirkungen von Pausen auf die Leistungsfähigkeit direkt in den damaligen Industriebetrieben des Ruhrgebiets – also an Fließbändern und in Fertigungshallen.Mikropausen: „Vergleichbarer Effekt wie Urlaub“Seine Erkenntnisse mögen veraltet klingen, zumal sich die Arbeitswelt seitdem stark verändert hat. Und doch sind sie erstaunlich aktuell: Neuere Untersuchungen des Wirtschafts- und Sozialinstituts der Hans-Böckler-Stiftung belegen den gleichen Zusammenhang – in Ländern mit kürzeren Gesamtarbeitszeiten liegt die Produktivität pro Stunde höher.Mehr reine Arbeitszeit bedeutet demnach nicht automatisch mehr Leistung – manchmal bedeutet sie sogar das Gegenteil. Auch fühlen sich die Angestellten durch regelmäßige Mikro-Pausen physisch wie psychisch fitter.Selbst wenn die eingelegten Pausen nur kurz sind, haben sie einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden. Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Analyse der Universität Timișoara in Rumänien aus dem Jahr 2022. Pausen unter zehn Minuten können die Energie steigern und die Müdigkeit senken.Manchmal muss man nur mal kurz Pause machen. Foto: dpaÜberraschend dabei: Für den positiven Effekt der kurzen Pausen scheint weniger entscheidend zu sein, wie sie verbracht werden. Ob kurzer Spaziergang, Kaffee holen oder einfach kurz aus dem Fenster schauen – schon das vorübergehende Ausklinken aus der Arbeit kann positive Effekte mit sich bringen.Warum kurze Pausen produktiver machenDie Erschöpfungskurve während der Arbeit, so sagt Johannes Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), steige exponentiell – wird also mit längerer Dauer intensiver. Bei der Pause verhält es sich genau andersherum, denn die stärkste Erholung findet am Anfang statt. So können kurze Pausen eine Überlastung verhindern.Hinzu kommt, dass Beschäftigte sich mehr anstrengen, wenn sie kürzere Arbeitsphasen erwarten, wie eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Und der Experte Wendsche betont, dass Mikropausen sogar einen vergleichbaren Effekt auf das Wohlbefinden haben können wie Urlaub.Was sollten Arbeitgeber tun?Unternehmen sollten also ihre Pausenkultur auf Basis solcher Forschungsergebnisse überdenken. Um der allgegenwärtigen „Always-on“-Kultur, in der es selbstverständlich ist, auch außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar zu sein, entgegenzuwirken, müssen Führungskräfte ihre Mitarbeiter zu Mikropausen ermutigen. Da kurze Arbeitsunterbrechungen im Kollegen- oder Vorgesetztenkreis oft fälschlicherweise als Faulheit wahrgenommen werden, ist ein klares Signal des Managements entscheidend.Das wussten laut Wendsche sogar schon die alten Ägypter: Beim Bau der Pyramiden waren die Arbeiter keine Sklaven, die ununterbrochen mit der Peitsche getrieben wurden. Sie hatten bereits regelmäßige, vorgeschriebene Pausenzeiten, um leistungsfähig bleiben zu können. Der Verzicht auf Pausen, um Ziele zu erreichen, scheint also eher ein Fehlverhalten unserer Zeit zu sein.Hitzewelle So bleiben Sie bei hohen Temperaturen produktiv im Job von Anabel Schröter„Inzwischen ist klar, dass vor allem hohe Arbeitsintensität dazu beiträgt, dass Beschäftigte auf Pausen verzichten müssen, um ihre Ziele zu erreichen“, sagt Wendsche. Das bestätigt auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Laut einer Befragung aus dem Jahr 2023 hält sich fast jeder Dritte hierzulande nicht an seine Pausenzeiten. Als einen der häufigsten Gründe dafür nannten sie den hohen Druck am Arbeitsplatz.Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt Unternehmen unter anderem Pausenerinnerungen am Bildschirm, feste Vertretungsregelungen und angenehm gestaltete Pausenräume – damit Erholung im Alltag nicht vergessen oder gar vermieden wird. Den größten Hebel haben aber Führungskräfte selbst: Wer sichtbar Pause macht, gibt dem Team die Erlaubnis, es auch zu tun.„Arbeitgeber können viel für die Erholung ihrer Beschäftigten tun – und das lohnt sich für sie durchaus“, betont Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Beispielsweise werden sogenannte verdeckte Pausen – also Zeit, in der vorgegeben wird zu arbeiten – durch Kurzpausen reduziert. Diese machen laut dem Experten sonst durchschnittlich etwa zehn bis 15 Prozent des Arbeitstages aus.Die Trinkpausen bei der Fußball-WM verdeutlichen damit ein Prinzip, das längst auch in der Arbeitswissenschaft belegt ist: Kurze Pausen sind keine verlorene Zeit, sondern eine wichtige Voraussetzung, um Leistung zu bringen. 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