PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungNationalmannschaftDer Sieg des Julian NagelsmannStand: 23:05 UhrLesedauer: 5 MinutenMit seiner „Noch“-Aussage über Julian Nagelsmanns Zukunft hatte Jürgen Klopp für ordentlich Wirbel gesorgt. Nun hat sich Klopp mit deutlichen Worten beim DFB-Trainer entschuldigt.So beeindruckend das 7:1 gegen Curaçao auch ist, sportlich hat der Sieg keinen großen Wert. Für Julian Nagelsmann hingegen sehr wohl. Er hat in der Bundestrainer-Schattendebatte mit seinen Personal-Entscheidungen ein Statement gesetzt.Als der Abpfiff ertönte, drehte er sich zu seinen Assistenten um. Julian Nagelsmann klatschte sie ab, ehe der Bundestrainer auf den Rasen ging und den Spielern gratulierte. 7:1 (3:1) hatte die Nationalmannschaft gegen Curaçao im ersten Gruppenspiel der WM gewonnen. Ein Sieg, es war übrigens der zehnte in Folge, der wichtig für das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis ist – insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bei den zwei vorangegangenen WM-Turnieren zum Auftakt jeweils eine Niederlage gab. 2018 in Russland verlor Deutschland 0:1 gegen Mexiko, vier Jahre später in Katar 1:2 gegen Japan. Was jeweils folgte, war ein blamables Vorrunden-Aus. Auch wenn der Fifa-Weltranglistenzehnte (Deutschland) gegen die Nummer 82 spielte, hat der Erfolg von Houston allein schon deshalb eine gewisse Aussagekraft. Und viele Spieler haben sich individuell Erfolgserlebnisse abgeholt. Die sieben Treffer verteilten sich auf sechs verschiedene Schützen: Kai Havertz (2), Nico Schlotterbeck, Jamal Musiala, Felix Nmecha, Nathaniel Brown und Deniz Undav.Lesen Sie auchNur eben nicht die eine, die wirklich Aufschluss über das wahre sportliche Leistungsvermögen der Nationalmannschaft gibt. In den anstehenden Spielen gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni und Ecuador am 25. Juni werden die deutschen Nationalspieler viel mehr gefordert sein.Lesen Sie auchEr mag als Bundestrainer in der Beliebtheitsskala weit hinter einigen Vorgängern rangieren, wie etwa Franz Beckenbauer, Rudi Völler oder auch Joachim Löw, nachdem er 2014 den WM-Titel gewonnen hatte. Dennoch muss man sich vor Augen halten, was das mit einem jungen Coach wohl macht, wenn rund um den WM-Auftakt – es ist übrigens Nagelsmanns erste WM-Teilnahme – kein sportliches Thema öffentlich heiß diskutiert wird. Sondern stattdessen die Schatten-Bundestrainer-Debatte um Jürgen Klopp die Schlagzeilen, Einschaltquoten oder Abrufe im Netz bestimmt.Aus dem Inner Circle des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist zu hören, dass die Stimmung in der Mannschaft gut ist, auch mit Blick auf das Verhältnis zwischen den Spielern und dem Bundestrainer. Aber natürlich gibt es Effekte auf die Gruppe, wenn diese all die Nebengeräusche außerhalb der DFB-Blase wahrnimmt. Bei WM- oder EM-Turnieren vor 20 oder 30 Jahren mussten die Spieler in der Ferne noch auf ein Fax mit Zeitungsartikeln oder einen Anruf von Freunden oder Familienmitgliedern auf dem Hoteltelefon warten, um sich ein Stimmungsbild machen zu können. Heute reichen ein, zwei Klicks auf dem Smartphone – und schon ist man informiert. Zudem laufen deutsche TV-Sender im WM-Quartier. Was also die Experten zum Besten geben, erfahren die Nationalspieler in Echtzeit. Klopps Sätze schweben über dem NationalteamJeder beim DFB dürfte also aufgehorcht haben, als Klopp am vergangenen Donnerstag in Bezug auf die Aufstellungswünsche von Thomas Müller bei MagentaTV sagte er: „Völlig überraschend hält Thomas Müller nicht mit seiner Meinung hinterm Berg. Und zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch, noch.“ Es folgte ein kurzes Gelächter, ehe Müller sagte: „Kloppo, wir haben Juni. Du bist schon im September.“ In jenem Monat finden die ersten Länderspiele nach der WM statt.Es waren Sätze, die nun über dieser Mannschaft und ihrer Mission schweben. Über dem Team, aber vor allem über dem Bundestrainer, der in der Branche keine große Lobby genießt. In Andreas Möller und Stefan Effenberg sprangen ihm am Sonntag schon weit vor dem Anpfiff zwei ehemalige erfolgreiche Nationalspieler zur Seite und kritisierten die Aussagen von Müller sowie Klopp. Kurz vor dem Anpfiff gab es dann auch noch verbale Rückendeckung von Rudi Völler, den Sportdirektor des DFB, als er bei MagentaTV an die Adresse des Experten-Duos Folgendes richtete: „Vielleicht haben wir ja auch die Gelegenheit, dass wir uns nochmal zusammensetzen und mal was Grundsätzliches besprechen. Tut ganz gut, glaube ich.“Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist das auch gar nicht mehr nötig. Denn nach dem Sieg der deutschen Mannschaft fand Klopp entschuldigende Worte. „Das Unwort meines Jahres habe ich bereits gefunden. Das ist „Noch“. Ich hätte mir dafür aufs Maul hauen können, aber es war schon zu spät und ich war im Fernsehen. Es ist flapsig herausgerutscht und hat gar keine Relevanz. Ich hoffe, dass es alle draußen verstehen.“ Man sei, sagte er an die Adresse des Bundestrainers, auf dessen Seite: „Und was auch immer ihr damit macht: Nichts kommt von uns, das den Ablauf hier stören soll.“ Der weitere Turnierverlauf wird es zeigen. Fest steht, dass das 7:1 nicht überbewertet werden darf, da auf die Mannschaft viele größere Herausforderungen warten – und auf ihren Trainer. Doch Julian Nagelsmann hat zum Auftakt ganz viel richtig gemacht. Er hat links in der Abwehrkette Nathaniel Brown den Vorzug gegenüber David Raum gegeben, der viel erfahrener ist. Brown zahlte das Vertrauen mit einem starken Spiel, einer Vorlage und einem Tor zurück. Im Mittelfeld überragte der Dortmunder Felix Nmecha. Der Bundestrainer hält große Stücke auf ihn, traut ihm den Aufstieg zu einem Weltklassespieler zu. Für Leon Goretzka dürfte es schwierig werden, an ihm vorbeizukommen.Und auch mit seinen Einwechslungen lag Nagelsmann richtig. Er brachte Deniz Undav als erste frische Kraft ins Spiel. Der Stuttgarter, den der Coach im März noch angegangen war, dankte es mit drei Scorerpunkten binnen 24 Minuten. Die von Nagelsmann eingestellte Mannschaft machte ein gutes Spiel. Die Mischung stimmt. Sechs verschiedene Torschützen sprechen für einen ausgewogenen Kader. Für den es nun gilt, gegen einen deutlichen stärkeren Gegner nachzulegen: Am Samstag um 22.00 Uhr deutscher Zeit steht das Duell mit der Elfenbeinküste an. Lars Gartenschläger ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit Anfang Juni ist er für die Redaktion in den USA und schreibt von dort aus über die WM der deutschen Auswahl. Es ist seine sechste WM-Teilnahme.
WM 2026: Der Sieg des Julian Nagelsmann - WELT
So beeindruckend das 7:1 gegen Curaçao auch ist, sportlich hat der Sieg keinen großen Wert. Für Julian Nagelsmann hingegen sehr wohl. Er hat in der Bundestrainer-Schattendebatte mit seinen Personal-Entscheidungen ein Statement gesetzt.















