Ein Zurück zur regelbasierten Weltordnung gibt es nicht – die Machtpolitik der USA nachzuahmen ist aber ein Fehler. Doch Berlin hat noch eine andere Option.
D ie krachende Niederlage Deutschlands bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats für die Amtsperiode 2027–2028 steht emblematisch für den Machtverlust der Bundesrepublik im Kontext einer sich wandelnden Weltordnung. Lange Zeit profitierte Deutschland von seiner zentralen Position in einer liberal ausgerichteten, regelbasierten internationalen Ordnung. Die Bundesrepublik war in der Lage, die Verrechtlichung internationaler Wirtschaftsbeziehungen für sich zu nutzen und gleichzeitig als eine Macht, die bestimmte Werte vertritt, Einfluss auf internationale Politik zu nehmen.
Diese Weltordnung erodiert. Spätestens seit Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps in den USA ist klar, dass eine offen machtbasierte Logik zunehmend die internationale Politik prägt. Die internationalen Institutionen, die das Völkerrecht wahren sollen, werden an den Rand gedrängt. Großmächte machen zunehmend das Recht des Stärkeren in ihren jeweiligen Einflusssphären geltend.
Ob Russland gegenüber seinen südwestlichen Nachbarn, die USA im Nahen Osten und in Lateinamerika oder China im Südchinesischen Meer: Die geopolitischen Praktiken ähneln sich.







