Für die Hardliner in Iran ist das geplante Abkommen ein AffrontViele Regierungsanhänger hatten sich schon gefreut, dass der Krieg mit den USA weitergeht. Doch dann kam die Wende. Nun speien sie Feuer und Flammen.Omide Azadi, Teheran14.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenAuf dem Enghelab-Platz freuten sich am Montag die Regimeanhänger über den Angriff auf Israel.Fatemeh Bahrami / GettyOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Montagnacht auf dem Enghelab-Platz in der Innenstadt Teherans über Lautsprecher ein «iranischer Raketenangriff auf Israel» verkündet wurde, brachen die versammelten Regierungsanhänger in frenetische Jubelrufe aus. Die Waffenruhe schien zu Ende, ein neuerlicher Kriegsbeginn wahrscheinlich. Und genau das wollten sie, angestachelt von den Revolutionswächtern, der mächtigen Armee im Land.Wie anders war die Stimmung jedoch ein paar Tage später, als klarwurde, dass Iran und die USA kurz davor sind, ein Rahmenabkommen zu unterzeichnen: «Wenn ihr eine Einigung erzielt, sagt uns wenigstens, was das Ergebnis ist, damit wir auf der Strasse unsere Pflicht tun können!», erklärte ein Sprecher an einer Kundgebung Freitagnacht auf demselben Platz. Tausende hatten sich versammelt, hoben Bilder vom ermordeten Führer Ali Khamenei und von seinem Nachfolger Mojtaba Khamenei in die Luft, schwenkten Hizbullah-Fahnen und riefen: «Tod für Amerika!»Die Anhänger des Regimes und vor allem die Hardliner unter den Revolutionswächtern sind gegen jede Einigung mit den USA. Sie sind der Überzeugung, dass die iranischen Streitkräfte die USA und Israel besiegt haben. Ein Einlenken wäre deshalb ein grosser Fehler.Dementsprechend harsch fielen die Reaktionen auf das nun bevorstehende Abkommen selbst aus, das die Aufhebung der Blockade der Strasse von Hormuz vorsieht, von amerikanischer wie iranischer Seite. Die den Revolutionswächtern nahestehende Nachrichtenagentur Mehr schrieb allerdings, dass das Abkommen nicht vorsehe, dass Iran sein eingefrorenes Vermögen im Ausland zurückerhalte. Die Zeitung «Kayhan», deren Chefredaktor vom Obersten Führer Irans ernannt wird, schrieb in der Folge: «Die Kontrolle über die Strasse von Hormuz bedeutet, den Fuss auf der Kehle des Feindes zu halten . . . Sobald die Meerenge wieder geöffnet wird, wird der Feind seine Aggression noch brutaler fortsetzen.» Seyyed Mahmoud Naboyan, ein Abgeordneter im iranischen Parlament, sagte in einem Interview: «Sie (die iranischen Vertreter des Verhandlungsteams, Anmerkung d. Red.) wollen diesen schädlichen Text als Sieg verkaufen. Dabei geht die Kontrolle über Hormuz verloren, die Sanktionen werden nicht aufgehoben und die eingefrorenen Gelder nicht freigegeben.»Als Reaktion auf die laute Kritik an einer Einigung versuchen die moderaten Vertreter der Regierung zu beschwichtigen. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi trat am Freitagabend in einem Fernsehinterview auf und verteidigte das Abkommen, das der Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und der iranische Präsident, Masud Pezeshkian, ausgehandelt hatten: «Die Verwaltung der Strasse von Hormuz wird nicht so sein wie vor dem Krieg», versicherte er. Iran und Oman würden in Kürze eine gemeinsame Erklärung zur Verwaltung der Strasse von Hormuz abgeben. Ausserdem werde Iran für die durchfahrenden Schiffe künftig «Serviceleistungen» verlangen.Für die Gegner des Regimes, die einst grosse Hoffnungen in Donald Trumps Krieg gesetzt hatten, ändert sich durch das Abkommen wenig. Denn ein Ende des Krieges wird kein Ende des Regimes bedeuten. Besonders enttäuscht sind sie vom amerikanischen Präsidenten, der sich zu Beginn des Krieges noch als ihr Retter inszeniert hatte. «Er hat keines seiner Versprechen eingehalten, sondern den Revolutionswächtern und ihren Anhängern ein Gefühl der Macht vermittelt», sagt ein Oppositioneller in Teheran. Kaum jemand kann die Worte des amerikanischen Präsidenten mehr ernst nehmen. Im Moment machen sich viele Oppositionelle auf Social Media aber lustig über das Regime, da es trotz der Dauerverteufelung des Feindes einem Abkommen zustimmen müssen wird. Es ist ein schwacher Trost.Eine weitere Frage bleibt für viele in Iran offen: Wie steht der neue iranische Führer, Mojtaba Khamenei, zum Text dieses Abkommens? Und warum gibt er seine Meinung nicht in einer Erklärung bekannt, damit allen klar ist, was zu tun ist? Will er tatsächlich ein Abkommen mit dem Mörder seines Vaters, seiner Frau und mehrerer Familienmitglieder unterzeichnen?Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Hardliner in Iran kritisieren Abkommen mit den USA
Viele Regierungsanhänger hatten sich schon gefreut, dass der Krieg mit den USA weitergeht. Doch dann kam die Wende. Nun speien sie Feuer und Flammen.













