PfadnavigationHomePolitikAuslandNahostkrieg„Tod dem ehrlosen Araghtschi“ – Proteste im Iran gegen Friedensabkommen mit den USAStand: 01:42 UhrLesedauer: 5 MinutenUSA und Iran stehen laut pakistanischer Vermittlung kurz vor einem Friedensabkommen. Teheran bestätigt Fortschritte, warnt aber vor zu hohen Erwartungen.Widersprüchliche Signale prägen die Gespräche über ein mögliches US‑Iran‑Abkommen: Während Donald Trump und Pakistans Premier eine Einigung binnen Stunden in Aussicht stellen, bremst der Iran. Dort kommt es zu Protesten gegen Außenminister Abbas Araghtschi.Im Iran haben am Samstag dutzende Menschen gegen eine Friedensvereinbarung mit den USA demonstriert. Sie riefen vor einem Büro des Außenministeriums in der Stadt Maschhad Parolen gegen Außenminister Abbas Araghtschi, der zuvor in einem Fernsehinterview über ein mögliches Abkommen gesprochen hatte. Auf einem Video, das die iranische Nachrichtenagentur Fars verbreitete, waren Frauen in schwarzen Umhängen zu sehen, die „Tod dem ehrlosen Araghtschi“ skandierten.Andere Videos in Online-Netzwerken, die sich zunächst nicht unabhängig verifizieren ließen, zeigten Menschen vor dem Außenministerium in Teheran, die „Araghtschi, tritt zurück“ und „Ghalibaf, tritt zurück“ skandierten. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf ist der iranische Verhandlungsführer in den von Pakistan vermittelten Gesprächen mit den USA.Araghtschi hatte am Freitag im iranischen Staatsfernsehen gesagt, der aktuelle Entwurf der Vereinbarung zwischen Teheran und Washington sehe die Aufhebung der von den USA verhängten Blockade iranischer Häfen vor. Die Verwaltung der Straße von Hormus werde zudem „nicht mehr so sein wie zuvor“, fügte Araghtschi hinzu. Die Zukunft der Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Streitpunkte in den Bemühungen um eine Friedenslösung. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag auf seiner Plattform Truth Social angekündigt, dass die Straße von Hormus unmittelbar nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung geöffnet werden solle. Er stellte diesen Sonntag als Zeitpunkt in Aussicht. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung gab es allerdings widersprüchliche Aussagen.Lesen Sie auchDie iranische Regierung schloss Staatsmedien zufolge die Unterzeichnung eines möglichen Friedensabkommens an diesem Wochenende aus. „Wir müssen abwarten, bis das genaue Datum der Unterzeichnung feststeht“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei, einige Stunden vor Trumps Post der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Das werde „nicht morgen, am Sonntag“, sondern eher „in den kommenden Tagen“ der Fall sein. Immerhin betonte Baghai die grundsätzliche Möglichkeit einer Übereinkunft mit den USA. „Wir waren noch nie so nah an einer Einigung“, sagte er.Lesen Sie auchZuvor hatte bereits der pakistanische Regierungschef Shehbaz Sharif, dessen Regierung zwischen Teheran und Washington vermittelt, im Onlinedienst X erklärt, eine Einigung werde „voraussichtlich in den nächsten 24 Stunden erwartet“. Pakistan bereite sich „auf die elektronische Unterzeichnung des Friedensabkommens direkt danach vor“, schrieb Sharif weiter. Danach sollten „technische Gespräche auf Fachebene in der kommenden Woche“ folgen. Neben Trump schrieb auch das pakistanische Außenministerium, eine elektronische Zeremonie zur Unterzeichnung sei für Sonntag geplant.Trump teilte einen Screenshot von Sharifs Post, was als Signal gedeutet werden könnte, dass er einer elektronischen Unterzeichnung nicht abgeneigt ist. Diese würde – falls es tatsächlich an diesem Sonntag dazu kommt – mit seinem 80. Geburtstag zusammenfallen. Das US-Nachrichtenportal „Axios“ berichtete, US-Beamte und Quellen in den Vermittlerstaaten hätten bestätigt, dass die Unterzeichnung virtuell stattfinden soll. Das hat demnach vor allem logistische Gründe. Andernfalls hätte es Vizepräsident JD Vance, der die US-Delegation anführt, nicht geschafft, rechtzeitig in die USA zurückzukehren, bevor Trump am Montagmorgen zum G7-Gipfel nach Frankreich aufbricht.Das Rahmenabkommen umfasst laut einem hochrangigen US-Beamten neben der Öffnung der Straße von Hormus die Aufhebung der US-Seeblockade gegen iranische Häfen. Sie beinhaltet demnach auch die Zusage des Irans, dass sein Atomprogramm zurückgebaut werden soll. „Drittens führt sie dazu, dass die Vereinigten Staaten das angereicherte Material erhalten. Wir treffen eine Vereinbarung, dass dieses Material vor Ort vernichtet und anschließend aus dem Land gebracht wird.“ Wie genau das stattfinden solle, sei Gegenstand weiterer Verhandlungen, die demnach binnen 60 Tagen stattfinden sollen.Eingefrorene iranische Vermögenswerte im Ausland könnten freigegeben werden – jedoch nach US-Darstellung nur dann, wenn das Land zuvor Gegenleistungen erbracht hat. Demnach würden bei der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens noch keine Vermögenswerte freigegeben. Bei entsprechender Kooperation aus Teheran wären im weiteren Verlauf auch Lockerungen von Sanktionen denkbar. Die Finanzierung terroristischer Gruppen sei Teheran fortan verboten.Ob es in geplanten vertieften Verhandlungen danach tatsächlich zu einer Einigung über das umstrittene iranische Atomprogramm kommt, gilt keineswegs als gesichert. Ähnliche Verhandlungen über das bisher letzte große Abkommen mit dem Iran, den Atomdeal von 2015, dauerten fast zwei Jahre. Auch Trump gab in seinem Truth-Social-Post zu erkennen, dass nicht alle Fallstricke aus dem Weg geräumt sind: Die USA freuten sich auf eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Iran und dem gesamten Nahen Osten, schrieb er – und fügte hinzu: „Hoffentlich wird dieser Prozess schnell, einfach und reibungslos verlaufen. Falls nicht, haben wir die ultimative Alternative, die hoffentlich nie wieder zum Einsatz kommen wird!“Beisetzung von Ali Chamenei am 9. JuliDie USA und Israel hatten den Iran am 28. Februar angegriffen und am ersten Tag des Krieges den obersten Führer des Landes, Ali Chamenei, getötet. Mehr als hundert Tage nach der Tötung soll nun während des islamischen Trauermonats Muharram das Begräbnis stattfinden. Die offizielle Beisetzung des getöteten religiösen und politischen Oberhaupts ist für den 9. Juli in Chameneis Geburtsstadt Maschhad im Nordosten Irans geplant – neben dem Mausoleum von Resa, dem achten schiitischen Imam. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna sollen jedoch bereits am 4. und 5. Juli Millionen Menschen in der Hauptstadt Teheran sowie am 6. Juli in der schiitischen Pilgerstadt Ghom Abschied von dem Ajatollah nehmen.Chameneis Bestattung war ursprünglich deutlich früher geplant, wurde jedoch mehrfach aus Sicherheitsgründen verschoben, auch weil die gesamte politische Führung an den Zeremonien teilnehmen müsste. Unklar ist zudem, ob sein Sohn und Nachfolger Modschtaba an der Beisetzung teilnehmen wird. dpa/AFP/nw/luwi
Krieg in Nahost: „Tod dem ehrlosen Araghtschi“ – Proteste im Iran gegen Friedensabkommen - WELT
Widersprüchliche Signale prägen die Gespräche über ein mögliches US‑Iran‑Abkommen: Während Donald Trump und Pakistans Premier eine Einigung binnen Stunden in Aussicht stellen, bremst der Iran. Dort kommt es zu Protesten gegen Außenminister Abbas Araghtschi.















