Große Sportereignisse sind ein günstiger Zeitpunkt, Sozialabbau zu betreiben, weil alle vor den Bildschirmen kleben. Folgt ein Fußballsommer der Sozialkürzungen?

I n den nächsten Wochen entscheidet sich das Schicksal der beiden wichtigsten Amtsträger des Landes. Am 1. Juli trifft sich die Bundesregierung zum Gipfel im Kanzleramt, zehn Tage später beginnt die parlamentarische Sommerpause. Bis dahin will, nein, muss Friedrich Merz zeigen, dass seine Regierung noch handlungsfähig ist und ihre vollmundig angekündigten Reformen beschließen kann. Gelingt ihm das nicht, dürfte er über die Landtagswahlen im Herbst hinaus nicht mehr lange Kanzler bleiben.

Mitte Juli endet auch die Fußballweltmeisterschaft der Männer. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss mindestens ins Viertelfinale kommen, um dem Anspruch seines Publikums gerecht zu werden. Gelingt das nicht, wird er wohl seinen Posten verlieren. Merz und Nagelsmann sind nicht zu beneiden. Viel zugetraut wird weder dem einen noch dem anderen. Niemand wird in den kommenden Wochen so im Rampenlicht und so in der Kritik stehen wie Kanzler und Coach.

Auch in ihren Schwächen ähneln sie sich. Beide reden viel und ungeschickt, anders als ihre wortkargen Vorgänger. Sie kündigen mit großen Worten einen Plan an, am liebsten viele Pläne gleichzeitig. Und überfordern ihre Zuhörer und sich selbst. Julian Nagelsmann hat selten mit der gleichen Mannschaft gespielt, er hat öffentlich Stammspieler auserkoren, die am Sonntag auf der Bank sitzen werden. Andere Spieler hat er in Interviews bloßgestellt.