In Großbritannien steht die irische Billigfluglinie Ryanair unter Beobachtung: Die Wettbewerbsbehörde CMA überprüft die Praxis, Eltern, die neben ihren Kindern sitzen wollen, eine Gebühr für einen sogenannten Familienplatz zu berechnen. Auch in Deutschland gibt es eine solche Gebühr.Deutsche Verbraucher haben sich über diese Praxis bislang allerdings nicht beschwert, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. „Derzeit gibt es keine entsprechenden Überlegungen, die Praxis zu überprüfen“, sagte ein Sprecher. „Der Verbraucherzentrale Bundesverband behält sich aber vor, problematische Entwicklungen zulasten der Verbraucher und Verbraucherinnen jederzeit rechtlich zu prüfen und bei Bedarf von Gerichten bewerten zu lassen“, hieß es weiter. Flugreisende seien dazu eingeladen, Probleme mit Airlines auf der Internetseite des Verbandes zu melden. Alle Airlines sollten sich da familien- und kinderfreundlich aufstellen.Sprecher der Verbraucherzentrale BundesverbandAuch wenn es derzeit keine Beschwerden diesbezüglich gibt, sieht die Verbraucherzentrale in der Angelegenheit „unbedingt Handlungsbedarf“, sagte der Sprecher weiter. Der europäische Dachverband habe berechnet, dass die Mehrbelastungen für Familien im dreistelligen Eurobereich liegen können. „Das ist eine absolute Frechheit“, sagte der Sprecher. „Es ist schade, dass man sich mit derartigen Selbstverständlichkeiten, wie dem kostenfreien Zusammensitzen, befassen muss. Alle Airlines sollten sich da familien- und kinderfreundlich aufstellen.“ Europäische Verbraucherschützer bemängeln Gebühren Die Gebühr gibt es nicht nur bei Ryanair. Eine Analyse von 29 Fluggesellschaften habe ergeben, dass vierköpfige Familien einen durchschnittlichen Aufpreis von 80 bis 200 Euro für Sitzplatzgebühren zahlen, teilte der Europäische Verbraucherverband BEUC im April 2026 mit. In einem Fall sei sogar eine Gebühr von 300 Euro erhoben worden. Der Gesamtaufpreis für Sitzplatzgebühren könne 30 bis 50 Prozent des ursprünglichen Ticketpreises betragen, kritisiert BEUC und empfiehlt: „Fluggesellschaften sollten verhindern, dass Passagiere derselben Buchung Gebühren für das Zusammensitzen erheben, insbesondere Familien mit Kindern. Diese Gebühren sind unfair und können die Sicherheit gefährden.“Auch Ryanair argumentiert mit Sicherheit. Auf der Internetseite des irischen Billigfliegers heißt es: „Aus Sicherheitsgründen müssen Kinder unter 12 Jahren neben einem begleitenden Erwachsenen sitzen und Kleinkinder (im Alter von 8 Tagen bis einschließlich 23 Monaten) auf dem Schoß eines begleitenden Erwachsenen.“Die erwachsene Person muss dazu einen kostenpflichtigen Sitzplatz reservieren. Bis zu vier Kinder erhalten daraufhin kostenlose Sitzplätze. Die Gebühren belaufen sich auf sechs bis zehn Euro pro Flug. In Italien ist die Praxis bereits 2021 verboten worden. Der Tagesspiegel hat Ryanair um eine Stellungnahme gebeten.Erst am 12. Juni einigte sich die EU auf die Pflicht für Fluganbieter, Preise standardmäßig „inklusive Handgepäck“ anzuzeigen. Die Flugreisenden sollen weiterhin entscheiden können, ob sie kostenpflichtiges Handgepäck mitbuchen wollen, der Preis dafür soll aber transparenter dargestellt werden.Die Verbraucherzentrale forderte im Vorfeld der Verhandlungen, dass „ein großes, praxistaugliches Handgepäck im Ticketpreis enthalten sein muss“. Abgeordnete des Europaparlaments, die diese Auffassung ebenfalls vertreten, konnten sich allerdings nicht durchsetzen. Die neue Regelung kommt allerdings zu spät für die kommende Reisesaison während der Sommerferien. Wenn das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten die Reform voraussichtlich am Montag annehmen, haben die Fluggesellschaften zwölf Monate Zeit, die neue Regelung umzusetzen.
„Absolute Frechheit“: Verbraucherschützer kritisieren Ryanair-Gebühr für Familiensitzplatz
Eltern neben ihren Kindern sitzen zu lassen, kostet bei Ryanair Geld. Die britische Wettbewerbsbehörde überprüft die Praxis – und auch deutsche Verbraucherschützer sehen dringenden Handlungsbedarf.











