Ein Hammer ist zwar nicht nötig, das Fass des Sponsors ist bereits angezapft, aber die Botschaft des Rituals, mit dem am Freitagabend das „German House of Soccer“ eröffnet wird, ist auch so klar. Jetzt geht es so richtig los mit diesem Fußballfest, in dessen Verlauf nicht nur die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann Werbung für den deutschen Fußball machen soll.Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat mitten in Manhattan im Stadtteil Chelsea eine riesige Halle angemietet, wo getrunken, gefeiert, diskutiert und Fußball geschaut werden soll. „Das ist ein schöner Platz, um den Menschen den deutschen Fußball näherzubringen“, sagt DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der gemeinsam mit dem Sportdirektor Rudi Völler sowie den Geschäftsführern Andreas Rettig und Holger Blask zu dieser Eröffnung eingeflogen worden war.Es wird Filmabende geben, Diskussionen, Präsentationen, auch eine kleine Ausstellung zum deutschen Fußball wurde eingerichtet. An diesem Eröffnungstag werden vor 350 Gästen in einer von Kommunikationschef Steffen Simon moderierten Runde allerlei Freundlichkeiten ausgetauscht.Völler sagt, dass „die Mannschaft brennt“, Rettig berichtet von der guten Stimmung im Camp des DFB-Teams in Winston-Salem und erzählt von den besonderen Maßnahmen, mit denen die enorme Hitze abgemildert werden soll. Neben den Kühlwesten, die die Spieler während der Nationalhymnen tragen, wird es auch die Möglichkeit geben, in der Halbzeit mit einer speziellen Vorrichtung die Füße zu kühlen.Göttlich verleiht „Peace-Prize“ des FC St. PauliSchwierig sollte es nicht werden in dieser Runde, für die eigentlich auch Oke Göttlich vorgesehen war, der kritische Geist des deutschen Fußballs. Der sprach dafür schon vor der offiziellen Eröffnung, als der FC St. Pauli sich als außergewöhnliches Phänomen innerhalb der deutschen Fußballkultur präsentieren konnte. Mit einem Film und einem Talk.Göttlich hatte im Winter für Verärgerung in Teilen des Verbandes gesorgt, weil er gefordert hatte, dass eine Debatte über die Frage geführt wird, ob diese WM boykottiert werden sollte. Wirklich Fahrt hat diese Diskussion zu keinem Zeitpunkt aufgenommen. Göttlich übernimmt eben die Rolle des Aktivisten unter den DFB-Funktionären und erklärt jetzt in New York: „Wir kommen nicht hierher, um den Amerikanern irgendetwas zu erklären.“ Stattdessen will er konstruktiv agieren und weist auf wichtige Kräfte hin, die sich gegen die demokratiefeindlichen Entwicklungen in den USA wehren.Lauten Applaus der New Yorker im Publikum bekommt Göttlich, als er auf die Arbeit von ebenfalls anwesenden Mitgliedern der Organisation „Hands off New York City“ hinweist. Diese Leute setzen sich für Menschen ein, die von der Einwanderungsbehörde ICE bedroht werden. „Hands Off NYC“ klärt Menschen über ihre Rechte bei Kontakten mit ICE auf und hat ein Alarmsystem installiert, in dessen Rahmen sie sich in ihren Nachbarschaften voreinander warnen, wenn in New York ICE-Beamte auflaufen.Für die kritischen Themen zuständig: FC St. Paulis Präsident Oke GöttlichdpaAm Tag zuvor überreicht Göttlich einen vom FC St. Pauli verliehenen eigenen „Peace Prize“, der im Gegensatz zu der gleichnamigen Auszeichnung der Fifa an Personen verliehen werden soll, die sich nach Ansicht des Klubs für Menschlichkeit und ein friedliches Miteinander einsetzen. Auf einem Hochhausdach bekommen Aktivisten von „Athlete Ally“ diesen Preis. Das sind Menschen, die sich um Sportlerinnen und Sportler aus der LGBTQ-Community kümmern.Der Präsident des FC St. Pauli, der auch den Führungsgremien der Deutschen Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bundes angehört, mag mit seinen Positionen anecken. Aber es ist schon auch so, dass alle anderen Funktionäre froh zu sein scheinen, dass ein anderer all diese Themen angeht. Das entlastet alle anderen.Neuendorf hingegen mochte auch an diesem Abend nicht in die Tiefe gehen, als er zu den schwierigen Begleiterscheinungen befragt worden ist. „Man muss vom Ende her denken, und dann ist es manchmal besser, in Ruhe und hinter den Kulissen mit Leuten zu sprechen“, wiederholt er seine Kommunikationsstrategie. Zugleich kündigt er Aktivitäten im Kontext eines neuen Ärgernisses an, das die deutsche Gruppe betrifft. „Ich habe gehört, dass 500 Fans der Elfenbeinküste die Einreise verweigert werden soll“, sagt er, „da dürfen Sie davon ausgehen, dass ich mich um diese Sachen kümmere.“Er spreche beispielsweise mit Botschaftern, aber der Einfluss Neuendorfs wird wohl eher klein sein in solchen Fragen. Und dennoch will der DFB bei dieser WM den Spagat zwischen einer gewissen thematischen Tiefe und einer möglichst ungetrübten Freude an diesem Turnier schaffen. Und das deutsche Haus ist ein interessantes Instrument, um diese Unmöglichkeit vielleicht doch irgendwie zumindest in Ansätzen hinzubekommen. Jenseits der Stadien und weit weg von der Mannschaft, die in Ruhe Fußball spielen soll.