Vor zwei Wochen startete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Kampagne. Sie soll die WM-Stimmung Schritt für Schritt steigern. Bei der Kadernominierung folgten Videos mit emotionalen Zitaten zu Spielern. Eine schöne Idee. Ob nun alle Fußballinteressierten voller Vorfreude Stunden zählen wie eine Uhr im DFB-Campus? Begeisterung lässt sich kaum per Knopfdruck initiieren, auch wenn es im Inneren laut Julian Nagelsmann schon brodelt: „Ich bin megaheiß, die Jungs sind megaheiß, und das Trainerteam ebenso.“Außerhalb bleibt ein Gefühl der Grundskepsis. Denen, die sich am einfachsten begeistern ließen, fehlen Vorbilder. Schulkinder, die die Nominierung in Frankfurt sahen, erlebten keine erfolgreiche WM der DFB-Elf: Vorrundenaus 2018 und 2022. Der WM-Titel ist zwölf Jahre her. Die Ausrichter – Russland, Qatar, nun die USA – lassen unbeschwerte Vorfreude kaum zu. Zwar findet das Turnier nun wieder im deutschen Sommer statt. Doch wenn Spiele bei Gianni Infantinos WM in Donald Trumps USA frühestens am späten Abend deutscher Zeit beginnen, fallen vielen womöglich die Augen zu.
Dafür und für frühere WM-Enttäuschungen kann Nagelsmann nichts. Für den hinkenden Vergleich zur angeblich ähnlich schlechten Stimmungslage 2024 schon. Nach Nagelsmanns Übernahme verschwand die Nationalelf im dunklen Winter. Vor der Heim-EM stellte er sie auf den Kopf, machte Toni Kroos zu Selbigem. Zwei Siege später, mit Florian Wirtz’ Acht-Sekunden-Tor, erstrahlte Schwarz-Rot-Gold plötzlich rosa-rot-pink. Das war nun im März anders. In Stuttgart gab es Fan-Unmut, als Nagelsmann Leroy Sané einsetzte und Deniz Undav zunächst nicht. Der beste Stimmungsaufheller sind ToreZur eingeschränkt positiven Wahrnehmung trug auch Nagelsmann jüngst bei. Eine missratene Kommunikationsstrategie bei Manuel Neuers Rückkehr löste statt WM-Begeisterung vielmehr Kopfschütteln aus. Selbst wenn er bei der Nominierung hier und da Pluspunkte sammelte, ist dieser Bundestrainer kein Liebling der Fanmassen. In Freiburg provozierte Matthias Ginters Nichtnominierung gar Pfiffe. Und eine Welle der Begeisterung löste der kurzfristige Rückgriff auf den 40 Jahre alten Neuer auch nicht aus. Das „Team Oliver Baumann“ ist größer als mithin gedacht.Diesen atmosphärischen Ballast und das gemeine Gefühl, die DFB-Elf habe zwischen EM-Aus und WM-Start keine Erfolg versprechenden Fortschritte gemacht, nimmt sie mit auf die Reise. Der beste Stimmungsaufheller sind keine Tiktoks, sondern Tore. Nagelsmann und seine 26 Nominierten brauchen sie dringend, schon in den Tests. Denn der WM-Start ist kniffliger, als er scheint. Selbst mit einem klaren Sieg über Außenseiter Curaçao lässt sich wenig gewinnen. Alles andere indes wäre ein nahezu irreparabler Stimmungskiller.












