KommentarDer Krieg in der Ukraine dauert nun länger als der Erste Weltkrieg – die neue globale Ordnung prägt er bereits nachhaltigIm Kampf um die Ukraine geht es um weit mehr als Osteuropa. Seit Trumps Amtsantritt ist das Eskalationspotenzial weiter angestiegen. Es profitieren aber nicht zwingend die Grossmächte.13.06.2026, 05.35 Uhr5 LeseminutenFlammenmeer in Kiew: Im Ukraine-Krieg stehen die Zeichen auf Eskalation.Gleb Garanich / ReutersSeit 1570 Tagen herrscht in der Ukraine Krieg. Damit dauert der Kampf um das osteuropäische Land diese Woche länger als der Erste Weltkrieg, diese Urkatastrophe der Moderne. Anzeichen für ein Abflauen gibt es keine. Vielmehr demonstrieren beide Seiten, dass sie noch härter zuschlagen können, die Eskalation nicht scheuen: Der schwarze Rauch über der Eröffnung des Wirtschaftsforums in St. Petersburg zeigte der ganzen Welt, dass die Ukrainer problemlos das Zentrum von Wladimir Putins Macht treffen können. Fast gleichzeitig töteten die Russen Anfang Juni 23 Menschen, als sie Kiew in ein Flammenmeer verwandelten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Krieg in der Ukraine wuchert längst in andere Konflikte hinein: Im Nahen Osten wird sichtbar, wie rasch sich die Fronten in eine andere Weltregion verlagern. Obschon sich die Amerikaner aus Osteuropa zurückziehen wollen, erleben sie und ihre Verbündeten am Golf gerade den Sog der Drohnenrevolution. Im Hintergrund spielen Moskau und Kiew mit. Diese Dynamik ist ebenso unübersichtlich wie gefährlich – und Ausdruck einer Weltordnung, deren Regeln sich gerade rasant verändern, ohne dass die wichtigsten Akteure sie wirklich verstehen.Trumps WidersprücheRusslands Angriffskrieg 2022 zeigte dem Westen die Grenzen seiner Macht in Osteuropa auf. Doch es war Donald Trump, der sich Putins Bild einer Welt von Grossmächten mit eigenen exklusiven Einflusszonen aneignete. Er verkündete den Fokus auf die westliche Hemisphäre, suchte eine Verständigung mit Moskau und beschränkte die Unterstützung für Kiew radikal. Heute sind es die Europäer, die den Abwehrkampf der Ukrainer mit Waffen und Finanzhilfen unterstützen.Doch Rhetorik ist nicht das Gleiche wie Realpolitik. Das erfuhr auch Trump. Putin führte ihn zuerst vor und liess ihn danach durch seine Kompromisslosigkeit auflaufen, bis Trumps Charmeoffensive zum Stillstand kam. Mit seinem erratischen Verhalten tat der amerikanische Präsident ein Übriges, um seine Friedensinitiative zu beerdigen. Gleichzeitig unternahmen Wolodimir Selenski und seine europäischen Verbündeten alles, um einen Bruch mit Washington zu vermeiden. Die Ukrainer können dabei auf die grosse politische und gesellschaftliche Unterstützung zählen, die ihr Kampf in den USA trotz Trump geniesst. Die – ohne Trumps Unterstützung symbolische – Verabschiedung eines neuen Milliardenpakets durch das republikanisch kontrollierte Repräsentantenhaus unterstreicht dies.Die Position der Amerikaner ist heute so widersprüchlich wie nie. Ihre Waffen kommen weiterhin an der Front zum Einsatz, und ihre Satellitenaufklärung ermöglicht den Ukrainern Angriffe weit im russischen Hinterland. Gleichzeitig haben sie deutlich weniger Möglichkeiten, Kiews Handeln zu beeinflussen. Die Ukrainer misstrauen den USA, und ihre Städte sind Russlands Raketen immer stärker ausgeliefert, weil Washington den Nachschub blockiert. Die Verteidiger nehmen das Heft deshalb selbst in die Hand. Sie bauen eigene Marschflugkörper und haben die Attacken gegen Russlands Ölterminals und Munitionslager innert eines Jahres verdoppelt. Washington muss sie gewähren lassen, auch weil private Satelliten eine wachsende Rolle spielen. Der Krieg in Osteuropa zwingt den Amerikanern seine eigene Realität auf.What happens when an ammunition warehouse blows up. Footage from Russia’s Belgorod region on the Ukrainian border this morning. All this stuff won’t kill Ukrainian civilians anymore. pic.twitter.com/hoAXqtgxFa— Yaroslav Trofimov (@yarotrof) June 8, 2026
Länger als der Erste Weltkrieg: In der Ukraine geht es um die Weltordnung der Zukunft
Im Kampf um die Ukraine geht es um weit mehr als Osteuropa. Seit Trumps Amtsantritt ist das Eskalationspotenzial weiter angestiegen. Es profitieren aber nicht zwingend die Grossmächte.
Der Ukraine-Krieg dauert länger als WKI und stagniert trotz Putins 40% Militärbudget; Trump scheiterte bei der Friedensinitiative, Ukraine operiert autonom mit Drohnen. Für Tech-Manager erzwingt dies europäische Pivot zu technologischer Autonomie (Drohnen, Satelliten) und resiliente, konfliktferne Supply Chains.









