Die Raketen und Drohnen, die kurz vor Beginn des Nato-Gipfels in Ankara Tod und Zerstörung nach Kiew brachten, waren ein Signal: Russland setzt auf Härte und Zermürbung. Es kämpft mit der Stumpfheit des Goliath, die Ukraine mit der zähen Energie des David, der seinen Gegner wanken sieht. Inzwischen dauert der Krieg länger als der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918), länger als der Deutsch-Sowjetische Krieg (1941 bis 1945). Eine hohe sechsstellige Zahl an Menschenleben hat er verschlungen – wofür?
Mit jedem Jahr, mit jedem Monat gewinnt die Auseinandersetzung an Irrationalität. Die kann man im Kreml festmachen oder in der russischen Seele – maßgeblich ist: Die Verlässlichkeit des europäischen Friedens sinkt. Der Autor dieser Zeilen hat schon zwei Wochen nach Kriegsbeginn, damals aus Moskau, geschrieben: Niemand in Russland (außer einem engen Kreis um Wladimir Putin) will diesen Krieg, und niemand will ihn verlieren. Das gilt nach hunderttausenden Toten erst recht.
Russland kann den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen. Die Ukraine kann es nur, wenn sie – mit anhaltender westlicher Unterstützung – den russischen Nachschub zum Erliegen bringt. Bevor das geschieht, bevor Russland gezwungen ist, die Ostukraine (und erst recht die Halbinsel Krim) zu räumen, wird der Kreml Europa mit einer von zwei Optionen an den Verhandlungstisch zwingen: einem Atomschlag gegen die Ukraine oder Militärschlägen auf Nato-Territorium.











