DIE ZEIT: Herr Markovits, in diesen Tagen startet die Fußballweltmeisterschaft in den USA. Hat sich Amerika endlich mit dem Fußballfieber angesteckt?

Andrei Markovits: Heute wäre es undenkbar, dass Franz Beckenbauer in New York auf der Fifth Avenue spaziert – wie Ende der Siebziger, als er für den lokalen Klub Cosmos spielte – und keiner ihn erkennt. Ich erinnere mich an meine Anfangszeit als Professor an der University of Michigan, 1999. In Vorlesungen trugen Studierende oft Sporttrikots, Fußballtrikots gab es damals aber fast nie – höchstens mal eines von Real Madrid. Als ich 2024 in den Ruhestand ging, hatte sich das erheblich gewandelt. Inzwischen entdecke ich sogar Trikots von kleineren europäischen Vereinen. Selbst von Austria Wien war eins dabei (lacht). Bei unter 30-Jährigen ist Fußball wirklich ein Teil der amerikanischen Sportkultur geworden – vor allem die englische Premier League begeistert die Menschen.